Yamaha XV950SCR Scrambler

Yamaha XV950SCR Scrambler


Vom Cruiser zum Scrambler

Mit der XV950SCR versucht Yamaha den Spagat zwischen gemütlichem Dahingleiten und ambitioniertem Geländegang – wie die Scrambler der Fünfziger Jahre. Schauspiel-Legende und Motorrad-Enthusiast Steve McQueen war ein bekennender Scrambler-Fan, der nicht nur daheim in Kalifornien an Wüstenrennen teilnahm, sondern auch bei den Six Days teilgenommen hat.

Dieser Art Motorrad sieht man – anders als den hochbeinigen Enduros – nicht unbedingt an, dass sie mehr sind als normale Straßenmotorräder. Trotz Stollenreifen, Enduro-Lenker und höher gelegtem Auspuff.

Scrambler-Story

Scrambler waren in den 1960er-Jahren die Motorräder mit dem größten Einsatzgebiet. Allerdings mussten sie davor in mühevoller Heimarbeit an dieses große Einsatzgebiet herangeführt werden respektive mit individuellen Lösungen offroadtauglich gemacht werden. Eigentlich unverständlich, dass sie nach dem ersten Hype jahrzehntelang ein Dasein als Mauerblümchen fristeten. Erst im Sog der Retro-Welle erlebten die Gelände-Allrounder ein Revival. Heute muss jeder Hersteller mindestens ein Modell im Programm haben. Ducati hat sogar eine komplette Marke um ihre Scrambler-Baureihe geschaffen. Und um nicht als Wellenreiter verspottet zu werden, wird in der Firmengeschichte gekramt und nach authentischen Vorbildern gesucht.

Yamaha SCR950 Scrambler 22

Authentisches Vorbild

Bei Yamaha musste man nicht lange suchen, um auf einen Urahn des gerade neu vorgestellten XV950SCR Scrambler zu stoßen. Mit der 250er-YD3C, dem Big Bear Scrambler von 1965 und der XT 500 Anno 1975 liefern die Japaner einen Beleg für die gelebte Geschichte. Die Basis für das neue Heritage-Bike bildet der Yamaha-Cruiser XV950R. Ein breiter Lenker mit Querstrebe, der für eine aufrechte und entspannte Fahrerhaltung sorgt, sowie Aluminium-Speichenfelgen mit einer Kombination aus 19-Zoll-Vorder- und 17-Zoll-Hinterrad, besohlt mit Bridgestone Trailwing und klassische Faltenbälge an der Telegabel sind die Ansätze, die einen Cruiser zum Scrambler werden lassen. Zusätzlich hat Yamaha der SCR einen ganz im Stil der 1960er-Jahre gehaltenen schwarzlackierten Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen spendiert. Dadurch wächst die Sitzhöhe gegenüber dem Chopper um ordentliche 140 auf 830 mm, zusätzlich wandern die Fußrasten nach hinten und oben. 

Unveränderter Motor 

Ebenfalls komplett in Schwarz gehalten ist der luftgekühlte 60-Grad-V2-Motor mit Vierventiltechnik, der gegenüber dem Basismodell unverändert blieb. Aus den 942 cm3 Hubraum holen die Entwickler überschaubare 52 PS. Die Gene des Cruisers kann der Scrambler nicht verleugnen. Zumal auch die übrigen technischen Daten nahezu identisch sind, inklusive der Federwege; selbst das Gewicht hat sich mit vollgetankt 252 kg nicht verändert. Der kompakte Allrounder gibt sein maximales Drehmoment von 79,5 Nm bereits bei 3000/min frei, so dass die SCR so aus nahezu jeder Gangposition ausreichend Vortrieb zur Verfügung stellt – im vierten Gang durch die Stadt, im dritten Offroad, kein Problem, genauso das Herausbeschleunigen aus der Serpentine im fünften.

Yamaha SCR950 Scrambler15

Geringe Schräge

Einschränkungen bei der Agilität muss der Fahrer lediglich bei der Schräglagenfreiheit hinnehmen. Das Kratzen der Rasten muss aber keine Angst machen. Zumal auch die Federelemente den Anforderungen auf der Asphaltpiste durchaus gewachsen sind. Die konventionelle Telegabel hält das Vorderrad sehr gut in der Spur und die beiden Federbeine hinten mit Ausgleichsbehälter sorgen für ausgewogenen Fahrkomfort. Die standardmäßige Feder- und Dämpfungseinstellung stößt allerdings an ihre Grenzen, sobald es wirklich einmal ins Gelände geht. Plane Schotterpisten sind kein Problem, die meistert der Scrambler problemlos, ohne dass sich der Fahrer aus seinem Sitz erheben muss. Die Trailwing-Reifen versprechen zudem ausreichend Grip auch bei einer flotteren Fahrweise. Selbst das hohe Gewicht macht sich erst bemerkbar, wenn die Piste kurviger wird und Lenkhilfe des Fahrers gefordert wird. Kommen Schlaglöcher hinzu, heißt es Balancieren und Spur halten. Hier verliert der SCR doch etwas von seiner Kontenance. 

Zubehör-Angebote 

Optional im Werkszubehör erhältliche Produkte verbessern die recht geringe Offroadeignung nachhaltig: Fußrasten von Rizoma machen das Stehend-Fahren deutlich angenehmer, auch die Fahrerposition ist damit etwas weiter nach hinten verlagert. Klassische Stilelemente wie die serienmäßig seitlich angebrachten Startnummernschilder oder die Kotflügel aus Blech hat Yamaha bei der SCR950 geschickt mit moderner Technik kombiniert. Beleg dafür sind die schwimmend gelagerten Wave-Scheibenbremsen, der runde LCD-Tacho, dessen getöntes Glas sehr edel wirkt sowie das schöne runde LED-Rücklicht.