Moto Guzzi V7 III Special

Moto Guzzi V7 III Special


Dreimal Sieben

Bestseller gehören behutsam modernisiert, deshalb hat Moto Guzzi die dritte Auflage seiner V7-Modellfamilie technisch modellgepflegt. Optisch steht der Retro-Klassiker aber in einer Linie mit seinem Namensgeber von 1967.

Bei Moto Guzzi ticken die Uhren anders, das ist bekannt. Manche halten die traditionsreiche Motorradschmiede am Comer See deshalb für anachronistisch, andere sehen in ihr den Gralshüter traditionellen Motorradfahrens – aus dem gleichen Grund: Nur die in Mandello del Lario gebauten Modelle zeigen jenen luftgekühlten längslaufenden 90-Grad-Vau, der vor fünfzig Jahren mit der Ur-V7 eingeführt wurde. 

Dritte Generation

Dieses legendäre Modell hat Moto Guzzi zumindest dem Namen nach 2008 wiederbelebt und 2012 überarbeitet. Jetzt betritt die durch die Euro 4-Vorgaben notwendig gewordene dritte Generation die Bühne. Wie bislang steht die V7 in drei Varianten mit unterschiedlicher Ausstattung zur Wahl: Die V7 Stone mimt das Einstiegsmodell mit Basisausstattung, besser ausgestattet und ansehnlicher kommt die technisch identische Special daher, und retrosportlich angehaucht präsentiert sich die V7 Racer. Besonders beliebt sind bei uns die Basisversion und die Special, die gegenüber der Stone neben dem zweifarbig lackierten Tank formschöne Speichen- statt Gussräder zeigt, dazu sind Lenker, Spiegelausleger und die Federn der Federbeine verchromt statt Schwarz, es gibt verchromte Haltebügel und zwei statt ein Rundinstrument. Der Klassik-Touch wäre perfekt mit den Gabel-Faltenbälgen, die aber leider der Stone vorbehalten sind.

Auf den ersten Blick wirkt die Special wie aus der Zeit gefallen und man würde sich nicht wundern, wenn ein schnittiger Herr in schwarzem, eng anliegendem Leder ohne Protektoren und mit Halbschale aufsteigt und davon fährt. Vom typischen Rundscheinwerfer über die bullig-gestreckte Linie bis zu den verchromten Stereo-Federbeinen und den chromblitzenden Megaphon-Schalldämpfern am Heck wie ein Modell aus längst vergangenen Zeiten vor – dabei ist zeitlos eigentlich der passende Begriff für die stilistisch reine Silhouette.

Moto Guzzi V7 III Special 02
 

Ergonomisch ein Klassiker

Wie annodazumal sitzt man auf der Special klassisch aufrecht in für 2017 nochmals niedrigeren 790 Millimeter Höhe, schmiegt die Knie in die Ausbuchtungen des Tanks und genießt ausreichend Freiraum hinter den Zylindern. Der simple Rohrlenker liegt gut zur Hand, innig und intensiv fühlt man sich mit der V7 verbunden. Schräglagenwechsel sind die pure Freude, das Einlenken geht locker von der Hand und die Lenkpräzision lässt kaum etwas zu wünschen übrig. Dabei ist der Neoklassiker kein überhandliches Nervchen, vielmehr bietet diese Guzzi einen ausgewogenen Kompromiss aus Stabilität und Agilität, der auch sportive Gangarten erlaubt – die Special fährt sich fast wie ein Fahrrad. Das liegt unter anderem an den schmalen Reifendimensionen von 100/90-18 vorn und 130/80-17 hinten, aber auch an den jüngsten Überarbeitungen am klassischen Doppelschleifenrohrrahmen mit geschraubten Unterzügen: Ein steilere Steuerkopf und etwas längerer Radstand machen dies Italienerin fast willfährig, zumindest aber unheimlich agil – und das, obwohl die Special mit 213 kg beileibe kein Leichtgewicht ist. 

Zu viel Sportsgeist tut aber selten gut, auch die dritte Generation der V7 weiß das und gemahnt mit ziemlich früh aufsetzenden Fahrerfußrasten zu moderater Gangart. Engagiert gefahren machen auch die beiden Federbeine nicht mehr mit und leiten Fahrbahnunebenheiten fast ungefiltert weiter. Dagegen genügt die Telegabel höheren Ansprüchen, doch eines ist klar: Die V7 ist kein Sportmotorrad, sondern ein unverkleidetes Retrobike für beschwingten Fahrgenuss. 

Ein Motor als Merkmal

Diesen kann auch der kräftig überarbeitete Vau-Zwo bieten, dessen Zylinder links und rechts so markant aus der Guzzi-Silhouette hervor ragen wie das Kolosseum für Rom oder die Pasta für italienische Küche steht. Der Guzzi-Small Block mit dem unverändert moderat langhubig ausgelegten Hubraum von 744 cm3 steht für gemütliches Cruisen, dabei wurde er innendrin ordentlich umgekrempelt: Das verstärkte Aluminium-Kurbelgehäuse kommt mit neuer Ölwanne und überarbeitetem Entlüftungssystem, Zylinder, Kolben und Zylinderköpfe wurden neu gezeichnet um die innere Reibung zu verringern, Ölspritzdüsen optimieren den Thermohaushalt und eine modifizierte Brennraumform soll die Füllung verbessern. Das Ergebnis: 52 PS Maximalleistung –für den Führerschein A2 drosselbar – und ein maximales Drehmoment von 60 Nm, das schaltfaulig schon bei 6.200 U/min anliegt.

Moto Guzzi V7 III Special 13
 

Die durchzugsorientierte Charakteristik des Zweiventilers fördert eine Geist und Körper entspannende Fahrweise. Scheinbar ohne eine Delle im Drehmomentverlauf geht die Guzzi aus niedrigsten Drehzahlen voran, aus der Ecke wünschen sich Sportsfreunde aber etwas mehr Pfeffer – obwohl die Megaphon-Schalldämpfer kerniger klingen als der Schub tatsächlich ist. Ebenso störend: Die langwierige Suche nach dem Leerlauf im ansonsten gut und nur mit wenig Kupplungskraft schaltbaren Getriebe.