Suzuki V-Strom 250

Suzuki V-Strom 250


Nachwuchs-Stromer

Suzuki hat sich lange, zu lange auf die hauseigenen Vierzylinder-Baureihen mit dem Kürzel GSX verlassen und gar nicht mitbekommen, dass es auch unter dem halben Liter Hubraum ein Zweiradleben gibt. Jetzt endlich ist den Mannen in Hamamatsu ein (kleines) Licht aufgegangen und sie bedienen mit kleinvolumigen Modellen wie der hier vorgestellten V-Strom 250 die untere Mittelklasse.

Druck aus dem Markt

Dabei gebührt das Lob für den Mut, ein solches Modell nach Deutschland zu holen, gar nicht den Suzuki-Offiziellen – die konnten sich bei der letztjährigen Präsentation auf der Mailänder EICMA nämlich gar nicht vorstellen, dass sich bei uns irgendjemand für die kleine Reiseenduro interessiert. Doch der Markt hat diese Fehleinschätzung schnell korrigiert: Die Nachfrage bei der Händlerschaft nach einem unkomplizierten Einsteigerbike wie der kleinen V-Strom war offensichtlich so groß, dass sie ab dem nächsten Jahr offiziell ins Modellprogramm aufgenommen wird. Wer schon jetzt eine haben möchte, dem wird der Händler vor Ort mit einer Lieferung aus den Märkten, wo sie schon jetzt angeboten wird, weiterhelfen können. 

V-Strom-Familienehre

Bei der Optik gibt sich die kleine V-Strom alle Mühe, die Verwandtschaft zu ihren großen Schwestern mit 650 und 1000 Kubik zu dokumentieren. Wie diese deutet sie den vorderen Schnabel an und verströmt mit ihrer vergleichsweise hochbeinigen Silhouette und dem Rundscheinwerfer samt Windschild ein gewisses Abenteuer-Flair. Doch das machen SUVs auch, ohne jemals den Schotter der Panamericana unter den Breitreifen gespürt zu haben. Zur Ehre der V-Strom sei jedoch angemerkt, dass ihr Konzept tatsächlich nutzbringend angewendet wird. 

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Sinnvolle SUV-Allüren

Auf dem ausladenden Polster in maßvollen 800 mm Höhe ergibt sich nämlich eine angenehm aufrechte Haltung, die viel Überblick über das Verkehrsgeschehen bietet. Das ist nahezu ideal für Neueinsteiger und weniger versierte Fahrer, doch auch alten Knochen kommt die kommode Unterbringung entgegen. Die Konzeption für den asiatischen Markt mit seinen eher kleineren Fahrerstaturen sorgt indes dafür, dass die Rasten einen Tick zu weit oben liegen, um stundenlange Ausfahrten zum reinen Vergnügen zu machen. Dafür genügt der Windschutz hinter dem Windschild auch höheren mitteleuropäischen Ansprüchen, selbst wenn das Teil nicht verstellbar ausgeführt ist wie bei den großen V-Stromern.

Aufgepeppter Antrieb

Der Idee vom Einsteigermotorrad wird die eingesetzte Antriebsquelle durchaus gerecht, auch wenn der Name etwas anderes suggeriert: Die 250er wird von einem Reihenzweizylinder angetrieben und verfügt nicht über einen Vau-Motor wie die Schwestern. Der flüssigkeitsgekühlte Zweiventiler stammt in seinen Grundzügen aus dem Naked Bike Inazuma 250, das eine kurze Zeit auch bei uns zu haben war, damals jedoch als zu schwachbrüstig für deutsche Leistungsfetischisten bald wieder aus dem Programm flog. Mit einer Vielzahl von Detailmodifikationen, die für die Euro-4-Norm notwendig waren, bringt es das Aggregat mit 248 cm3 Hubraum auf 25 PS Maximalleistung bei 8000 Touren, das maximale Drehmoment von 23,4 Nm liegt bei 6500 U/min an. Damit erreicht die V-Strom eine überschaubare Dynamik, die von einem leicht schaltbaren Sechsganggetriebe profitiert. Für die Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h wird zwar ein wenig Anlauf benötigt, dafür fühlt sich der Reihenmotor auch im Drehzahlkeller wohl und setzt Vortriebsbefehle angenehm kontrollierbar um.

Suzuki V-Strom 250_15
 

Prima Manieren

Für engagiertes Vorankommen ist ein flinker Schaltfuß genau so Voraussetzung wie eine drehzahlorientierte Fahrweise. Das macht der 250er-Motor locker mit, setzt seine Besatzung aber ab zirka 7500 Touren zunehmend über spürbare Vibrationen über die Verbrennungsarbeit in Kenntnis. Im Gegenzug lässt sich das Motörchen aber auch schon ab 2500 Touren manierlich fahren, ohne an der Kette zu zerren wie ein Jagdhund beim Wittern eines Rehs. Weiterer angenehmer Nebeneffekt der Überarbeitungen an Ventiltrieb und Zylinderinnereien: Suzuki gibt den durchschnittlichen Spritkonsum mit weniger als 3,5 Litern an, was angesichts des üppigen 17,3-l-Spritfasses für enorme Reichweiten sorgt. 

Enduro-Optik

Ebenso konzept- wie einsatzgemäß ausgewogen haben die Japaner das Fahrwerk konstruiert. Optisch haben sie die langbeinige Auslegung einer Reiseenduro gewahrt und gleichzeitig das Fahrverhalten demjenigen eines reinrassigen Straßenmotorrads angepasst. Dazu zählen in erster Linie die mit straßenorientierten Profilen besohlten Siebzehnzoll-Gussräder und maßvolle Federwege vorn wie hinten, die gleichermaßen einen angenehmen Fahrkomfort wie gute Fahrstabilität besorgen. Auch die Abstimmung der Federelemente spiegelt diesen Kompromiss wider, die hinreichend sensibel ansprechen, aber ausreichend gedämpft sind, um auch kleine Ausritte über unbefestigte Feldwege zu ermöglichen.

Verlässlich

Okay, mit 188 kg ist die kleine V-Strom nicht gerade ein Ultra-Leichtgewicht, was sie auch dem robusten Stahlrahmen verdankt. Dazu ist die Fahrwerksgeometrie eher auf stabilen Geradeauslauf als auf agile Wuseligkeit ausgelegt. Deshalb legt die kleine Suzuki aber ein jederzeit Vertrauen erweckendes Fahrverhalten an den Tag, an das sich Einsteiger wie Kenner im Handumdrehen gewöhnen können. Mehr Schein als Sein gilt dagegen für die sehr zaghaft zupackende Schwimmsattel-Vorderbremse, die nur mit viel Handkraft in den ABS-Regelbereich zu zwingen ist. Deutlich mehr Biss würde hier nicht schaden.

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