BMW G 310 GS

BMW G 310 GS


Das Kleine zahnt

Mit etwas Verzögerung kommt das Nesthäkchen der BMW GS-Baureihe auf den Markt und sieht dabei genau so aus, wie man sich einen Nachkömmling der großen GS vorstellt: Alles wie die Große, nur noch nicht so erwachsen.

Stephan Schaller, der scheidende Leiter von BMW Motorrad, bezeichnete das just vorgestellte Einsteiger-Bike G 310 R liebevoll als „seine Kleine”. Gut ein Jahr und eine kurzfristige Rückrufaktion später hat Schallers Kleine die ersten Zähne bekommen – so bezeichnen die BMW-Produktentwickler nämlich die vorderen, spitz zulaufenden Verkleidungsteile der großen Reiseenduro R 1200 GS. Diese typischen Zähne sind nun auch das Erkennungsmerkmal der neuen G 310 GS, dem Nachwuchs in der abenteuerlustigen GS-Familie. Dazu kommen natürlich der hohe Front-Kotflügel sowie ein aufgerecktes Heck bei insgesamt kompakten Proportionen und einem kurzen Radstand. Das 19 Zoll große Vorderrad und die hoch eingebauten Federelemente sorgen dabei für die charakteristische, aufrechte Haltung, die eine Reiseenduro vom Rest der Zweiradmeute unterscheidet. 

Herzstück der kleinen GS ist der bereits aus der G 310 R bekannte und hochmodern konstruierte flüssigkeitsgekühlte Einzylindermotor. Sein Hubraum von 313 cm3 resultiert aus 80 Millimetern Bohrung und einem Hub von 62,1 Millimetern. Das besondere am 310er-Single ist die Zylinderneigung nach hinten mit einem um 180 Grad gedrehten Zylinderkopf; dabei liegt der Einlass vorn, der Auslass nach hinten. Das erlaubt eine kompakte Bauform des ganzen Motorrades. Seine Leistung von 34 PS bei 9500/min unterstützt von einem maximalen Drehmoment von 28 Newtonmeter reichen völlig aus, um insbesondere auf kurvigen Landstraßen jede Menge Fahrspaß zu bereiten. Schaltfaul sollte man wegen des erst bei 7500 Touren anliegenden Drehmomentmaximums nicht unterwegs sein, wenn einem der Vortrieb lieb ist: Die Drehzahl bleibt am besten stets über 4.000/min. Ab 6.000/min entwickelt der Motor sogar spürbar Schub, um bei 10.500/min den Begrenzer zu touchieren. Trotzdem braucht es eine Weile, bis die von BMW angegebene Höchstgeschwindigkeit von 143 km/h erreicht ist.

BMW_G_310_Motor

Wie die G 310 R ist auch die G 310 GS für den Weltmarkt konzipiert. Das bedeutet, dass sie die unterschiedlichsten Kraftstoffqualitäten toleriert, sämtliche Emissionsstandards erfüllt und dadurch auf allen Straßen der Welt zuhause ist. Für den durchschnittlichen Einsatz darauf schluckt das Motörchen im Labortest gerade einmal 3,4 l auf 100 Kilometer, was angesichts des Gebotenen ganz schön sparsam ausfällt.

Fahrwerksseitig baut die neue 310er-GS analog zum 310er-Roadster auf einen Stahlrohrrahmen in Gitterbauweise mit angeschraubtem Heck auf. Das steht für hohe Verwindungssteifigkeit und gute Robustheit, lässt sich außerdem bei Bedarf kurzerhand austauschen. Vorne übernimmt eine Upside-Down-Gabel mit solidem 41-cm-Tauchrohrdurchmesser die Radführung, während hinten eine Aluminiumschwinge in Verbindung mit einem direkt angelenkten Federbein mit einstellbarer Vorspannung zum Einsatz kommt. Mit vorn wie hinten 180 mm stehen gar nicht so kleine Federwege für Ausflüge ins Gelände bereit, eine progressiv gewickelte Feder erlaubt den Einsatz selbst über harte Bodenwellen. Einem moderaten Vergnügen abseits befestigten Terrains steht somit nichts mehr im Wege – vorausgesetzt, man hat die serienmäßige Bereifung gegen ein paar Offroadpneus getauscht und die Bedienelemente am Lenker etwas nach oben gedreht.

BMW_G_310_GS_Federung
 

Hinsichtlich der Agilität gibt’s keine Klagen – wie auch, bei leichten 169,5 Kilogramm Lebendgewicht und handlingfreundlichen Reifendimensionen von 110/80 R19 vorn und hinten 150/70 R17. Für dauerhaftes Vergnügen sollte man indes nicht allzu groß gebaut sein. Die neue G 310 GS bietet zwar eine durchaus entspannte Sitzposition, die sowohl für die Straße als auch für Ausflüge auf Waldwege und Schotterpisten reicht. Doch trotz 835 Millimeter Polsterhöhe vom Boden bevorzugt die G 310 GS Durchschnittseuropäer, langen Lulatschen wird auf Dauer der Kniewinkel zu spitz. 

Einen ausgezeichneten Eindruck hinterlässt die Bremsanlage, die auf zwei Einzelscheiben mit Zwei-Kanal-ABS baut. Für den leichten Offroad-Einsatz lässt sich dieses auf Wunsch bequem per Knopfdruck abschalten. Einstellbare Brems- und Kupplungshebel würden die Bedienung deutlich erleichtern, sind jedoch dem Rotstift zum Opfer gefallen. Als reines Sparmobil geht die G 310 GS aber nicht durch, wie die ordentlich ablesbare Voll-LCD-Instrumentenkombination mit großer Informationsvielfalt beweist.

BMW_G_310_GS_Display