Fahrbericht Honda CMX 500 Rebel

Fahrbericht Honda CMX 500 Rebel


Rebel Yell

Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir befinden uns nicht in der Mitternachtsstunde aber die CMX 500 Rebel schreit nach mehr, mehr, mehr. Genauso wie wir. Bevor wir jetzt aber Billy Idols Klassiker mit grandiosem Dilettantismus umtexten müssen, erzählen wir den Fahrbericht des kleinen Bobbers lieber von Anfang an.

Wir schreiben nicht das Jahr 1983, als Billy Idol seinen legendären Klassiker Rebel Yell veröffentlichte und auch nicht das Jahr 1988, als mit der Virago 535 eines der erfolgreichsten Yamaha-Motorräder seine Erfolgsgeschichte gestartet hat. Nein, wir schreiben das Jahr 2017 und vor uns steht mit der CMX 500 Rebel ein Motorrad, mit dem Honda nur zu gerne an die Verkaufserfolge von Virago und Billy anknüpfen möchte. Rein thematisch gesehen haben die Japaner dafür schonmal den richtigen Weg eingeschlagen. Die in der heutigen Zeit schwer angesagten Bobber bilden die Gattungsgrundlage für die vor uns stehende CMX 500 Rebel. Dazu nehme man den Motor, mit dem bereits die erfolgreichen Volumenmodelle der gleichen Hubraumklasse befeuert werden und passe ihn mit mehr Drehmoment von unten und in der Mitte an die neuen Rahmenbedingungen an. Für ein gefälliges Äußeres verpasse man ihr breite Reifen vorne und hinten, einen schmalen Tank und eine niedrige Sitzhöhe, damit auch Fahrer aller Größen mit ihr zurechtkommen. Zu Guter Letzt hüllt man für ein vernünftiges Bad-Boy-Image alle übrigen Teile in tiefschwarzen Lack. Fertig ist der Verkaufsschlager. Nun, ganz so einfach dürfte sich die Entwicklungsgeschichte der CMX 500 Rebel wohl nicht zugetragen haben, zeugen doch bis auf den 471 cm³ großen Reihenzweizylinder mit 46 PS bei 8.500 U/min und seinen 44 Nm Drehmoment bei 6.000 U/min die restlichen neukonstruierten Teile wie Rahmen, Schwinge oder die Gabel mit 41 mm Durchmesser von deutlichem Mehraufwand bei der Entwicklung. Trotz dieser Neuteile ist die CMX 500 Rebel von der Statur her ein beinahe zierliches Motorrad geworden, mit dem dank niedriger Sitzhöhe von nur 690mm ganz besonders kleine Fahrer bestens zurechtkommen dürften. Einen Teil zur niedrigen Sitzhöhe tragen mit Sicherheit die Druckgussfelgen im kleineren 16 Zoll Durchmesser bei, die bei den breiten Reifen mit 130 mm Breite vorne und 150 mm Breite hinten gar nicht so winzig wirken.

Honda CMX 500 Rebel (1)

Leicht ist leicht zu fahren

Dieser Eindruck relativiert sich beim aufsitzen jedoch schnell wieder. Tiefer als gewohnt fällt der Allerwerteste in den tiefliegenden Sitz. Wenn man dann noch über ein gewisses Gardemaß verfügt, fühlt sich das im ersten Moment ein klein wenig wie eine Sitzprobe auf einem Big-Wheel Dreirad aus den 80ern an. Dieser Eindruck verstärkt sich noch durch den steil zwischen den Beinen aufragenden Tank. Glücklicherweise muss man auf der CMX 500 Rebel die Füße nicht genausoweit nach vorne zu den Pedalen recken, wie auf dem plastifizierten Kindheitstraum, sondern kann die unteren Extremitäten auf recht fahraktiv positionierten Rasten weiter hinten platzieren. Etwas weiter strecken muss man sich da schon zum recht hoch montierten Lenker. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit lässt es sich in dieser Sitzposition herrlich leicht durch die Landschaft bobbern. Schuld daran ist neben der moderaten Reifenbreite auch das geringe Gewicht der CMX, wir sprechen hier von gerade einmal 190 kg, vollgetankt wohlgemerkt. Dazu tut der seidig laufende Motor sein Übriges, um dem Fahrspaß mit der Rebel noch einen obendrauf zu setzen. Das aus der CBR 500 R entliehene Aggregat reißt mit seinen 46 Pferdestärken zwar nicht gerade Bäume aus, reicht aber locker aus, um damit Landstraßen wieselflink umzugraben. Lässig cruisen lässt es sich im letzten Gang bereits oberhalb von 70 km/h. Darüber hinaus erklimmt der Vierventiler recht munter die Drehzahlleiter und produziert dabei kräftigeren Schub, als es die auf Papier ausgewiesenen 46 PS eigentlich vermuten lassen würden. Stures ausdrehen bis in den Begrenzer bewirkt dabei schubtechnisch kein weiteres Aha-Erlebnis. Dann doch lieber im mittleren Drehzahlbereich bleiben und den trotz Euro-4 Norm überraschend kräftig pulsierenden Sound genießen. Schade, dass der dafür verantwortliche Endtopf mit seinem mattschwarzen Lack eher wie ein günstiges Zubehörteil wirkt. Hier macht sich dann doch die scharfe Kostenkalkulation der CMX bemerkbar. Bei einem Listenpreis von 5,990 Euro wird sich der Rotstift verständlicherweise nicht komplett vermeiden lassen.

Honda CMX 500 Rebel (24)

Die CMX macht Ein- und Wiedereinsteiger zu Rebellen

Dazu passt auch dazu das neuzeitliche LCD-Display, dass zwar mit Tankanzeige, Tageskilometerzähler und den wichtigsten Kontrollleuchten die nötigsten Informationen liefert, dem darüber hinaus ein Drehzahlmesser aber vergönnt ist. Den man im Übrigen bei der CMX 500 Rebel auch zu keiner Zeit vermisst. Das Zusammenspiel von stressfreiem Motor und dem einfach gehaltenen, aber für den Einsatzzweck gut ausgelegtem Fahrwerk ermöglicht jederzeit spaßige Fahrerlebnisse, von lässigem cruisen bis hin zu flott angehauchtem Landstraßentreiben macht die CMX nahezu jede Form des genüsslichen Benzinvernichtens mit. Allzu sportlichen Naturen zeigen die nicht zu früh aufsetzenden Rasten, dass Sie eventuell auf der falschen Art Motorrad sitzen könnten. Alle anderen Fahrertypen dürfen sich ungetrübt an dem locker flockigen Handling und neutralem Kurvenverhalten der CMX Rebel erfreuen. Mit der 264 mm großen, einzelnen Bremsscheibe in der Front werden Fahranfänger wie Wiedereinsteiger vor keine unlösbaren Rätsel gestellt. Die konventionell angeschlagene Zweikolbenzange produziert dabei beim Griff zum leider nicht einstellbaren Bremshebel auch für ungeübte Fahrer jederzeit berechenbare Verzögerungsleistungen, die nur selten vom Zweikanal-ABS mit feinen Regelintervallen eingefangen werden müssen.