Fahrbericht Yamaha FJR 1300 AS

Fahrbericht Yamaha FJR 1300 AS


Auf die sanfte Tour

Wenn sich ein Konzept von Beginn an bereits als grandios bezeichnen darf, dann tut der Hersteller erfahrungsgemäß gut daran, dieses nur sinnvoll weiterzuentwickeln. Die Yamaha FJR 1300 darf sich seit 2001 zurecht mit diesem Attribut schmücken. Wir haben uns die aktuelle FJR 1300 AS geschnappt und uns mit der Kilometerfresserin in den Abspulmodus begeben.

Die FJR 1300 AS ruht gelassen auf ihrem Hauptständer und tankt genüsslich die letzten Strahlen der herbstlichen Abendsonne. Wir sitzen nicht minder entspannt direkt neben unserer Reisebegleiterin und sinnieren über die Einfachheit des Kilometerfressens. Darüber, wie Yamaha es mit der FJR 1300 AS geschafft hat, uns den Begriff des Kilometers auf so unvergleichlich kurzweilige Art zu versüßen. Seit ihrer Erscheinung im Jahre 2001 musste die FJR nicht nur nach 6 Jahren das große Erbe der FJ1200 antreten, vielmehr hatte es sich die FJR 1300 auf ihre zugegebenermaßen breite Brust geschrieben, das Kapitel Super-Tourer neu zu definieren. 

Motor der FJR 1300 ist erste Sahne

Mächtige 1298 cm³ Hubraum aus 4 Zylindern, die auch im Euro 4 Zeitalter bärige 146 PS bei 8.000 U/min produzieren und ein Drehmomentberg von 138 Nm bei 7.000 U/min sind die Zutaten für souveräne Langstreckenqualitäten mit sportlicher gewürzter Note. Ja, die FJR beherrscht in perfekter Manier Sprints. Dem Triebwerk ist die gerade anliegende Drehzahl dabei vollkommen egal, spendiert massig Vortrieb in jeder Lebenslage. Der direktere „Sport“ Modus erweist sich beim zügigen Kilometervernichten als der spaßigere Begleiter als der sich doch etwas zu zurückhaltende „Touring“ Modus. Helle Begeisterung löst auch die eigentliche „Revolution“ der FJR Modellpflege aus: Zu den im Vergleich zur Vorgängerin kürzer übersetzten Gängen 1 bis 5 gesellt sich nun ein als Overdrive ausgelegter 6.Gang im neuen, jetzt schrägverzahnten Getriebe dazu. Und der trägt seine Bezeichnung vollkommen zurecht.  In Zahlen ausgedrückt, bewegt sich die Drehzahlmessernadel bei knapp 200 km/h immer noch unterhalb der 6000er Marke. Was den Verbrauchswerten bei forscher Autobahnbolzerei entgegenkommt, entpuppt sich bei Landstraßentempo als unnötige Spaßbremse. Mehr als zwei Sekunden verliert die neue FJR 1300 beim Durchzug von 50 auf 150 km/h auf die Vorgängerin. Was natürlich nicht bedeutet, dass die FJR damit jetzt zur lahmen Ente mutiert. Auf der Landstraße stellt sich in den unteren Gangstufen einfach besser dieses ursprüngliche FJR-Feeling ein. Also flugs per Schalter an der linken Armatur einen Gang runtergeklickt und ab ins kurvige Geläuf. Die YCC-S Halbautomatik der FJR 1300 AS funktioniert prächtig, die Gänge flutschen butterweich und mit nur minimal wahrnehmbarer Zugkraftunterbrechung durch das Getriebe. Zwei Dinge sollte man sich aber vor und während der Fahrt vor dem geistigen Auge bewusstmachen. Gerade in der Eingewöhnungszeit kann es anfänglich passieren, dass man vor lauter Drehmoment und fehlendem Kupplungshebel vergisst, per Schalter die nächste höhere oder niedrigere Gangstufe zu wählen. Das gilt ganz besonders beim nächsten Stopp an einer Ampel, Bahnübergang oder ähnlichem. Hat man vergessen, die Gänge bis zur 1 runterzuschalten, kann es durchaus vorkommen auch mal im fünften Gang loszufahren, was zwar irgendwie auch möglich ist, aber eher zur nervigen und Kupplungsmordenden Sorte gehört. Abhilfe schafft da der Knopf, der den sogenannten „Stop-Mode“ aktiviert. Dieser schaltet automatisch beim nächsten Halt immer in den ersten Gang zurück. Eine an und für sich genommen geniale Eingebung. Ein wenig Unverständnis macht sich breit, warum dieser Modus bei jedem Neustart aufs Neue aktiviert werden muss. Wir wünschen uns für das nächste FJR-Update, dass der „Stop Mode“ standardmäßig aktiviert ist und nur per Knopf deaktiviert werden kann.

Fahrwerk

Hat man sich einmal daran gewöhnt, rollt die FJR 1300 AS in gewohnt komfortabler Manier um die Ecken. Das elektronisch einstellbare Fahrwerk der AS lässt sich ebenso komfortabel in vier Grundeinstellungen von Solofahrer bis 2 Personen mit Gepäck einstellen. Zusätzlich lassen sich die Dämpfereigenschaften in 12 zusätzlichen Einstellungen von „Soft“ über „Standard“ bis „Hard“ einstellen. Die neue Upside-Down-Gabel mit 48 mm Durchmesser in der Front zeigt sich jeder Einstellung gewachsen, verwöhnt mit ansprechendem Feedback und zeigt sich auch von Gewaltbremsungen im ABS-Regelbereich vollkommen unbeeindruckt. Lediglich die recht langen Regelintervalle des Systems verlangen vom FJR-Treiber etwas Eingewöhnung. Die konventionell angeschlagenen Vierkolbensättel verzögern dabei ordentlich, mit nicht zu überscharfem Druckpunkt. Ebenfalls ordentlich ist das homogene Handling der FJR 1300 AS, neutral und stabil geht es bis in tiefste Schräglagen hinunter. Erst beim zackigen Umlegen in Wechselkurven merkt man dem Tourenschiff seine 296 kg Lebendgewicht an, verlangt die FJR nach einer runden Linie.  Bei Dunkelheit kommen beim Kurvenfahren den sehr hell strahlenden LED-Scheinwerfern stufenweise zugeschaltete Kurvenlicht-Spots zu Hilfe, die die Fahrbahn in Fahrtrichtung gut ausleuchten. Einfach, aber sehr effektiv. Hinterherfahrern präsentiert die FJR ihr neues LED-Rücklicht mit integrierten Blinkern. 

Ausstattung     

Mit Tempomat, einstellbarer Traktionskontrolle (TCS), Seitenkoffern, Heizgriffen und einer etwas ungünstig im linken Staufach versteckter Bordsteckdose ist die FJR 1300 AS aus reisetechnischer Sicht gesehen komplett ausgestattet.  Auch die Verkleidungsscheibe lässt sich nach wie vor elektrisch verstellen. Größer gewachsenen Reise-Naturen hält die originale Scheibe den Fahrtwind allerdings nicht komplett fern. In diesem Fall schafft die höhere Verkleidungsscheibe aus dem Yamaha Zubehörprogramm Abhilfe. Mehr als ausreichend ist das 25 Liter fassende Spritfass mit dem sich bei normaler Fahrweise Reichweiten bis zu 500 km realisieren lassen. Dazu passt dann auch der Kardanantrieb, der uns im Fahrbetrieb mit seinen geringen Lastwechselreaktionen besonders gefallen hat.