Honda GL1800 Gold Wing 2018

Honda GL1800 Gold Wing 2018


Luxus reinsten Wassers

Es war schon immer etwas besonderes, eine Honda Gold Wing fahren zu dürfen. Die Neuauflage 2017 macht das Erlebnis in jeder Hinsicht noch exklusiver.

Wenn es eine Konstante im Motorradprogramm gibt, dann ist es dieses Modell. Hondas Tourer-Flaggschiff Gold Wing gibt es bereits seit 1975, allerdings hat sie sich erst in den Folgejahren zu dem entwickelt, was sie seit einigen Jahrzehnten ist: Der Inbegriff für luxuriöses Touren. Und wie ein Dinosaurier aus längst vergangenen Zeiten hat sie sich nicht sonderlich bewegt – das letzte Modell-Update liegt schon 17 Jahre zurück. Damals machte die Hubraumaufstockung aus der GL1500 eine GL1800 – seitdem fährt die Honda unverändert durch die Welt, sieht man von der Airbag-Beigabe 2006 einmal ab.

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Alles neu

Höchste Zeit also für eine radikale Neukonstruktion von vorne bis hinten inklusive umfassender Modernisierung und strenger Diät. Die komplett neue Generation des Luxus-Tourers rollt je nach Version 40 Kilogramm leichter in die neue Motorradsaison. Das Basismodell GL1800 Gold Wing bringt es vollgetankt auf schlappe 365 Kilogramm, die „Tour“-Variante mit Topcase und hoher Scheibe wiegt 379 kg, das Topmodell mit allem Drum und Dran vom Doppelkupplungsgetriebe (DCT) bis zum Airbag bringt noch einmal weitere vier Kilo auf die Waage. Zum Vergleich: Das Vorgängermodell kam mit vollem 25-Liter-Tank noch auf 424 Kilogramm Fahrgewicht.

Schnittige Optik

Die neue Leichtigkeit des Seins dokumentiert sich schon beim Anschauen: Viel schlanker, mit einer eckigeren Formensprache und einem Gesicht, das aus zwei prägnanten LED-Lichtleisten zwischen schmalen Spiegeln mit integrierten LED-Blinkern nach vorne linst, zeigt die neue Gold Wing deutliche Anleihen bei DN-01 und Pan Euro-pean. Schnittig und modern gezeichnet sieht man der Gold Wing ist stattliches Gewicht kaum mehr an Die alte Schrankwand-Anmutung ist jedenfalls passé.

Ausstattung satt

Geblieben ist die unfassbar üppige Ausstattung in der Edel-Version mit Fahrerairbag, Griff- und Sitzheizung, automatischer Blinkerrückstellung, Berganfahrhilfe, Tempomat, Rückwärtsgang, Audioanlage mit vier Boxen, Sieben-Zoll-TFT-Farbdisplay, Navigationssystem, elektronischem Fahrwerk, Voll-LED-Ausstattung, elektrisch verstellbarem Windschild – dazu kommt als Motorrad-Premiere die Integration von Apple Carplay: i-Phone-Besitzer können damit während der Fahrt eine abgespeckte Form der iOS-Oberfläche aufs Borddisplay spiegeln und beispielsweise Nachrichten checken, Playlists ansteuern oder telefonieren. Kurzum: Geht um die verbauten Merkmale, markiert der goldene Flügel die absolute Spitze.

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Kommandostand

Bedient werden alle Features über Tasten der mächtigen linken Lenkerbedieneinheit oder über die neue Mittelkonsole mit Dreh-Drück-Steller. Ausgewählt und dargestellt wird alles im TFT-Farbildschirm – hier finden sich Anzeigen für sämtliche Fahrwerkseinstellungen, die Telefon- und Audiofunktionen und die eingebaute Navigation. An die Auswahl und die entsprechenden Knopfdrücke hat man sich erstaunlich schnell gewöhnt, die Logik stellt niemanden vor große Probleme.

Akustischer Genuss

Durch das serienmäßige Smart-Key-System, das auch ein Fernentriegeln des Topcase erlaubt, muss zunächst ein Drehschalter auf der Mittelkonsole bedient werden, bevor der Starterknopf das Triebwerk anwirft. Dann geht’s ab – oder doch nicht? Sanft, fast unmerklich rotiert dieser gigantische Motor im Leerlauf und lässt nichts von der Power spüren, die in ihm wohnt. Erst beim Gasaufziehen macht er sich bemerkbar, und wie: Herrschaftlich und markant röhrt der Sechszylinder aus den nun sichtbaren Schalldämpfern und jagt Fahrer wie unbeteiligten Zuhörern einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Und macht deutlich klar, dass unter der fast sportlichen Verkleidung bis auf die Motorenbauweise und den Hubraum nichts mehr so ist, wie es war. Der Sechszylinder-Boxer mit seinen 1833 cm3 Hubraum ist komplett quadratisch ausgelegt bei einem Hub-Bohrungsverhältnis von 73 zu 73 Millimeter, sämtliche Motorinnereien von den Kolben über die Pleuel bis zur Kurbelwelle sind neu. Statt zweier versorgt nur noch eine Drosselklappe die Brennräume, die nun in bekannter Unicam-Bauweise über vier statt zwei Ventile und eine oben liegende Nockenwelle befüllt werden. Damit schafft die Kraftquelle 126 PS bei 5500/min und ein beeindruckendes Drehmoment von 170 Nm – schon bei niedrigen 4500 Touren.

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Neue DCT-Generation

Dank des elektronischen Gasgriffs (Throttle-by-wire) domestizieren vier Fahrmodi – Econ, Rain, Tour und Sport – nicht nur den Motorcharakter bezüglich Kraftentfaltung und Maximalleistung. Sie bedienen auch die Traktionskontrolle, Dämpfung und das Kombi-Bremssystem ebenso hinterlegt wie die Arbeitsweise des neuen DCT. Dieses trägt wesentlichen Anteil daran, dass die Gold Wing so souverän fährt. In der mittlerweile dritten Generation der „Dual Clutch Transmission“ verfügt die Gold Wing erstmals über sieben Gänge, was die souveräne Leistungsentfaltung des mächtigen Sechszylinder tatkräftig unterstützt – und nebenbei die Chef-Attitüde fördert.

Standardmäßig kommt der „Tour“-Modus zum Einsatz – agil, komfortabel und spontan. Bei „Sport“geht es zwar merklich dynamischer, doch irgendwie unpassend hochdrehend zur Sache. Fast schüchtern agiert die GL1800 in „Econ“- und „Rain“ – für das Gewicht zu wenig.

Geniales Fahrwerk

Vorn zeigt die neue GL1800 eine exklusive Doppelquerlenker-Aufhängung mit Federbein, hinten führt eine neu konstruierte Einarmschwinge die dicke 200er-Walze. Dazwischen gibt ein vierteiliger, mit unterschiedlichen Wandstärken gefertigter Leichtmetall-Brückenrahmen dem Ganzen Stabilität. Damit legt die Gold Wing für einen solchen Brocken ein geradezu agileres Fahrverhalten an den Tag, das dennoch stets gut beherrschbar wirkt. Daran haben die brachialen Radial-Festsattelzangen mit sechs Kolben ihren Anteile, die zwei 320-mm-Scheiben in die Mangel nehmen. Über eine Kombibremsfunktion stoppt das Hinterrad mit einem Dreikoben-Schwimmsattel mit und sorgt so für eine außerordentliche Bremsstabilität, die der Honda zu einem beachtlichen Bremsvermögen verhilft.

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