Triumph Speedmaster

Triumph Speedmaster


Mehr Pepp für den Cruiser

Triumphs Bonneville Speedmaster war in der Vergangenheit ein ziemlich laues Lüftchen. Mit der aktuellen Überarbeitung will der Retro-Cruiser mehr Wind in den Segeln haben.

Chopper, Cruiser, Bobber – allesamt Begriffe, die schon länger in der Motorradsprache umhergeistern. Dort sind sie bis vor kurzer Zeit in der Mottenkiste verschwunden, aber die gewieften Marketingstrategen aller Marken haben die Begriffe dort wieder herausgeholt, abgestaubt und mit neuen Inhalten gefüllt. Besonders eklatantes Beispiel sind die Briten von Triumph mit ihrem – zugegeben famosen – Bobber, die jetzt sogar gleich eine neue Kategorie aus Vorhandenem zusammenschustern: Den Retro-Cruiser. 

Bonneville, Bobber, Speedmaster

Diesen Begriff füllen sie mit der Bonneville Speedmaster, jenem braven, gut ausschauenden Klassikmodell, das mit dem typischen Reihentwin britisches Flair ins amerikanische Outfit bringt. Denn auch die neue Speedmaster bezieht sich auf die legendäre Vergangenheit der Custom-Klassiker von Triumph. Mit traditionellen Merkmalen einer Bonneville und der einzigartigen Ausstrahlung der Bobber, erkennbar am typisch geformten Tank, gefrästen Kühlrippenenden, dem klassisch gestaltetem Drosselklappengehäuse sowie gerippten Auspuffschellen und Gabel-Faltenbälgen aus Gummi – hier atmet die Speedmaster den Geist der Fünfziger. Auch ein tieferer Blick auf die unzähligen Details unterfüttern den Authentik-Look: Drosselklappenkörper als Vergaser-Fake, auf jeder Seite ein Auspuffkrümmer mit Schalldämpfer. Gebürstete Motordeckel werden flankiert von hinter schönen Metalldeckeln versteckten Ausgleichsbehältern für die hintere Bremse und das Kühlmittel. Das sind einfach toll in Szene gesetzte Retro-Details, die den Besitzerstolz nähren.

Ami-Orientierung

Von der Bonneville Bobber stammt der Hardtail-Look sowie das minimalistische Bodywork, das einzelne Rundinstrument und die Hinterradnabe im Trommelbremsen-Design. US-Historie verkörpern neben der traditionellen Scheinwerfereinfassung die typisch-lässige Ergonomie, die von einem weit nach hinten geschwungenen Lenker samt nach vorn verlegter Fußrasten kommt. Quasi eine Einladung zum Meilenfressen auf amerikanische Art.

Triumph_Bonneville_Testbericht_KW13
 

Mehr Dampf

Damit das selbst auf der elend geraden Route 66 nicht zur langweiligen Geduldsprobe wird, haben die Briten ins richtige Reihen-Zweizylinder-Regal gegriffen und den High Torque 1200er-Antrieb in der Bobber-Abstimmung implantiert. Mit hör- wie spürbarem Effekt: Die 106 Nm Drehmomentmaximum bei 4.000/min sind zwar schon richtig gut, doch erst die mittenorientierte Drehmomentkurve sorgt für echtes Cruiser-Feeling. Auch die Spitzenleistung von erquicklichen 77 PS bei 6.100 Touren ist deutlich mehr, als der „Master“ bislang drückte. Eine doppelte Airbox mit doppeltem Luftfilter sowie die verborgene Schalldämpferbox geben der Auspuffnote einen markanten satten und rauen Sound, der in den Weiten der USA für eine deutlich wahrnehmbare Akustik sorgt. In der verkehrsberuhigten 30er-Zone könnte das schon ein Quäntchen zu viel sein. Eigentlich unnötig, denn der 270-Grad-Twin produziert den besten Ton im Teillastbereich unter 100 km/h, da spürt man das charakteristische Wummern sogar im Magen

Komfortable Dynamik

Typisch ist auch die Fahrwerksauslegung mit Cruiser-charakteristischen knappen Federwegen, die den coolen Look unterstützen sollen. Triumph hat aber nicht ganz so gespart wie andere Hersteller und kommt immerhin mit 90 mm vorn und 73 mm hinten um die Ecke. Das reicht für einen mehr als artgerechten Fahrkomfort, der die Besatzung aber immer noch tiefen Bodenwellen und knackigen Absätzen relativ ungeschützt aussetzt. Die kleineren Asphaltmacken bügeln die 41er Cartridge-Gabel und das verborgene Zentralfederbein mit Umlenkung aber ordentlich weg. Triumph spricht zwar von untypisch mehr Schräglagenfreiheit, doch die Speedmaster setzt mit ihren klappbaren Rasten für eine anständige Fahrdynamik viel zu früh auf. Doch okay, dafür gibt’s andere Bikes. Hier funktioniert eine ruhige, vorausschauende Fahrweise am besten, die die Fuhre in der Kurve am besten unter Zug hält. Der perfekte Partner dafür steckt unterm Sitz, der mit seiner gelassen-drehmomentstarken Gangart überschäumende Emotionen im Zaum hält. Im besten Sinne unauffällig verzögern die beiden Doppelkolben-Bremssättel der 310-mm-Doppelbremsscheiben, sorgsam assistiert vom Einkolben-Bremssattel im Hinterrad.

Sitzfrage

Eine ziemlich wichtige Rolle kommt hierbei der Fahrerbettung bei. Und da hat die Speedmaster tatsächlich einen ziemlich bequemen Fahrersitz zu bieten, der das Hinterteil wunderbar umfasst. Das gilt aber nur fürs vordere Plätzchen – eventuelle Beifahrern steht ein schmales Sitzbrötchen zur Verfügung. Das mag für die Fahrt zum Eiscafé noch gut funktionieren, doch in den weiten Arizonas dürfte das Gemecker von hinten noch bis zum letzten Indianerreservat zu hören sein. Gewöhnungsbedürftig für ungeübte Cruiserfahrer ist der weit nach hinten geschwungene Beach Bar-Lenker, an dessen Griffe die Hände immer ein wenig umgebogen werden müssen.

Triumph_Bonneville_Testbericht_KW13_02
 

Moderne Zeiten

Ungeachtet der gelungenen Klassik-Attitüde ist die Speedmaster natürlich auch ein Motorrad der jetzt-Zeit, das nicht auf elektronische Fahrhilfen verzichten mag. Abschaltbare Traktionskontrolle, zwei Fahrmodi (Road und Rain) und ein Tempomat gehören zum Serienumfang. Letzterer wird über einen Knopf an der linken Lenkerarmatur bedient: Ein Druck darauf schaltet ihn ein, mit dem nächsten Druck wird die aktuelle Geschwindigkeit gespeichert.