BMW R 1200 RT

BMW R 1200 RT


Trans-Rapid

Fast exakt ein Jahr nach der komplett neuen R 1200 GS präsentierte BMW mit der R 1200 RT das zweite Modell der neuen Boxer-Familie. Mit stärkerem Motor, mehr Luxus und dem auch während der Fahrt elektronisch einstellbaren ESA-Fahrwerk.

Schon bei der Präsentation der Reiseenduro R 1200 GS hatte BMW klar gemacht, dass als zweites Modell der neuen Boxergeneration die nach der GS auf Rang 2 der internen Modell-Hitliste rangierende RT als 1200er rundum erneuert zu den Händlern rollen würde. Dass es fast ein Jahr dauern würde, hatte man aber dann doch nicht erwartet, zumal in wenigen Wochen, genau gesagt Anfang Juni, mit der sportlichen R 1200 ST bereits eine weitere Boxer-Neuheit in den Handel kommen wird. Sei‘s drum. Die von vielen Tourenfans lang ersehnte, neue RT ist endlich da. Schauen wir sie mal ganz genau an.

110 kräftige Pferde

Da wäre zunächst der Motor. Weitgehend identisch mit dem Triebwerk der R 1200 GS verfügt auch der Motor der R 1200 RT neu über eine Ausgleichswelle, die in Wälzlagern innerhalb jener hohlen Nebenwelle rotiert, welche die Ölpumpen antreibt und die Kettenräder für den Nockenwellenantrieb trägt. Während die Nebenwelle im Verhältnis 2:1 untersetzt über eine Rollenkette angetrieben wird, rotiert die in ihr laufende Ausgleichswelle mit derselben Geschwindigkeit wie die Kurbelwelle, von der sie über ein Stirnrad direkt angetrieben wird. Was sich komplex anhört und tatsächlich auch ein technisches Schmankerl ist, zaubert dem RT-Fahrer ein künftig noch breiteres Grinsen ins Gesicht. Denn der neue 1200er-Motor läuft deutlich sanfter und vibrationsärmer als bisher. Dazu wurde er massiv kräftiger. 110 PS, also 10 PS mehr als in der GS, verspricht BMW für das neue Triebwerk.

BMW R 1200 RT fahren Kurve

Hintergrund der Leistungssteigerung: Neue Nockenwellen mit schärferen Steuerzeiten, eine aufgrund höherer Kolben von 11:1 auf enorme 12:1 angehobene Verdichtung, optimierte Ansaugkanäle, eine voluminösere Auspuffanlage sowie eine angepasste Steuerungselektronik für die Benzineinspritzung. Im Gegensatz zum Motor der GS benötigt der RT-Triebsatz 98-oktaniges SuperPlus-Benzin, um die volle Leistung abgeben zu können. Weil er allerdings auch über zwei Lambdasonden, Doppelzündung und eine Klopfregelung verfügt, welche den Zündwinkel selbständig anpasst, kann er ohne technische Probleme und mit nur geringem Leistungsverlust auch mit 95- oder sogar 91-Oktan-Sprit gefahren werden. Die Saugrohreinspritzung arbeitet, wie in der GS, vollsequentiell. Das deutlich leichter gewordene 6-Gang-Getriebe mit schräg verzahnten Getrieberädern ist nicht mehr mit Overdrive ausgestattet, das heißt: der 6. Gang ist kurz genug, dass auch mit ihm die Höchstgeschwindigkeit erreicht wird.

Fahrwerk: Optional elektronisch verstellbar

Große Verwandtschaft zur GS besitzt auch das Fahrwerk der RT. Die selbsttragende Motor/Getriebeeinheit ist an Hilfsrahmen angeschraubt, welche Heck und Vorderradführung aufnehmen. Die Hilfsrahmen sind - der höheren Belastung entsprechend - massiver ausgeführt als bei der filigranen GS. Die Telelever-Vorderradführung und die 2-gelenkige Paralever-Einarmschwinge mit Kardanantrieb und vollem Längenausgleich hinten sind indes aus der GS bestens bekannt. Allerdings wird für die RT das in der Vierzylinder-BMW K 1200 S erstmals vorgestellte elektronisch einstellbare ESA-Fahrwerk (ESA = Electronic Suspension Adjustment) angeboten. Es erlaubt via Knopfdruck am Lenker die individuelle Einstellung von Federbasis (im Stillstand) und Dämpfungsrate (auch während der Fahrt). Da gerade bei einer Tourenmaschine wie der RT die Beladung besonders oft stark variiert, ist das ESA-Fahrwerk unseres Erachtens nach eines der wichtigsten Extras der neuen RT.

BMW R1200RT am See_2

Ohne schmutzige Finger und ohne Bordwerkzeug kann damit sekundenschnell die Fahrwerksabstimmung auf den jeweiligen Beladungszustand und auf unterschiedlichste Straßenverhältnisse angepasst werden. Im Test überzeugte das System mit hervorragendem Federungskomfort und bester Spurtreue auf guten wie sehr schlecht asphaltierten Straßen.
Keine Kompromisse macht BMW einmal mehr bei den Bremsen, die serienmäßig über ein ABS-System verfügen. Allerdings reagierte BMW auf die immer wiederkehrende Kritik an der Dosierbarkeit des von einem Bremskraftverstärker unterstützten Vollintegral-ABS-Bremssystems und verbaut daher in der neuen RT nur noch das teilintegrale System. Anpassungen am Bremskraftverstärker erlauben eine bessere Dosierung feiner Bremsungen, Stahlflex-Leitungen erhöhen die Bremsleistung bei hohen Temperaturen und sorgen dafür, dass sich Fading auf ein Minimum beschränkt.

Ausstattung: Nur vom Feinsten


Natürlich lässt sich über Design, vor allem wenn man über BMW-Produkte diskutiert, jederzeit trefflich streiten. Fakt ist: die großflächige Plastikverkleidung der RT schützt hervorragend gegen Wind und Wetter und hinter der elektrisch bis zu 150 mm höhen- und winkelverstellbaren Frontscheibe findet jeder Pilot eine Position, in der er ohne laute Turbulenzen bis weit über 200 km/h Reisetempo realisieren kann. Die in den Handschützern integrierten Rückspiegel sind nahezu perfekt platziert - selbst wenn man noch eine Gepäckrolle auf die optisch bestens integrierten und neu noch einfacher abnehmbaren Koffer bindet, hat man den rückwärtigen Verkehr immer bestens im Blick. Die Bedienschalter für die zahlreichen Bordfunktionen wie Tempomat, Radio/CD-Player, Griff- und Sitzheizung, Tempomat oder das superb funktionierende Navigationssystem sind klar gegliedert und übersichtlich angeordnet. Allerdings hat kaum ein Mensch so lange Finger, dass er wirklich alle Schalter ohne Verrenkung der Fingerglieder erreichen kann. Und böse Zungen stellen wiederholt die Frage, warum die RT noch keinen i-Drive-Knopf besitzt, wie er in den bayerischen Limousinen längst Standard geworden ist. Auch könnte die lange Optionenliste durchaus aus dem Automobilbau stammen. Denn außer der elektrischen Windschild-Verstellung kosten alle aufgeführten Ausstattungsdetails Aufpreis.

Fahrgefühl: Markant und sanft zugleich

Natürlich ist es schön, wenn - insbesondere jetzt im kalten Frühjahr - eine Sitzheizung für warme Nieren sorgt. Doch auch ohne allen elektronischen Schnickschnack bereitet die RT enormen Fahrspaß. Was vor allem am trotz der noch komfortablerer Ausstattung und Mega-Verschalung markant gesunkenen Gewicht liegt. Bis zu 20 kg leichter (je nach Ausstattung) und mit wesentlich zentraler liegendem Gesamtschwerpunkt glänzt die BMW R 1200 RT mit leichtem Handling und agilem Kurvenverhalten. Kaum ein anderes Motorrad ihrer Gewichtsklasse (259 kg voll getankt) flitzt leichtfüßiger selbst um engste Ecken als die neue RT. Was auch am starken Motor liegt. Das 110-PS-Triebwerk erlaubt ungeahnt sportliche Einlagen, feuert die RT mit begeisterndem Nachdruck aus Kurven heraus auf die nächste Gerade hinaus. Schon ab knapp über 2.000 U/min reicht die Motorkraft für entspanntes Gleiten, ab 3.000 U/min nimmt die Leistung fast linear zu. Das Drehmoment ist jederzeit ausreichend, sodass auch bei schaltfauler Fahrweise genügend Dynamik verspürt wird. Zudem dreht der neue Boxermotor wesentlich freier bis zur Nenndrehzahl von 7.500 U/min aus, nervt dabei nicht mehr mit gemeinen Vibrationen, lässt den Piloten aber dennoch spüren, dass dieser einen Boxermotor unter dem Allerwertesten hat.

BMW R 1200 RT Vollausstattung

Die Lastwechsel sind nicht gerade sanft, aber für einen so großvolumigen Zweizylinder auch nicht exorbitant brutal. Das einst bei Boxermotoren immer wieder festgestellte Konstantfahrt-Ruckeln ist bei der RT kein Thema mehr. Und auch das neue Getriebe überzeugt, wie schon in der GS, mit guter Schaltbarkeit und exakter Rastung der Gänge, erreicht aber punkto Geräuschpegel und Weichheit noch immer nicht das Niveau japanischer Schaltboxen. Dazu gibt’s erhabenen Sitzkomfort für Fahrer wie Beifahrer(in). Vollkommen aufrecht thront man im breiten, bequem gepolsterten und ergonomisch gut geformten Sattel. Der Kniewinkel ist entspannt, die Anströmung der Helmbelüftung trotz umfassendem Windschutz gewährleistet. So lassen sich auch lange Reisen ohne Muskelverspannungen absolvieren. Und das ist wichtig, denn der 27-Liter-Tank ermöglicht bis zu 500 km dauernde Etappen ohne Tankstopp! Nur auf der Autobahn genehmigt sich die RT mehr als 6 l/100 km. Dafür rennt sie dort selbst bei hohem Tempo mit untadeliger Spurtreue geradeaus.

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