KTM 950 Supermoto

KTM 950 Supermoto


Erzberg 2005

Als mich der Orange Oliver in der Toskana bei einem Glas Rotwein fragte, ob ich vielleicht Lust hätte, mit einer KTM 950 Adventure den Erzberg hinaufzufahren, habe ich keine Sekunde gezögert.

Ich fuhr heim, sattelte den Skoda Oktavia und startete von Wien aus Richtung Westen, zuerst 120 Kilometer auf der Autobahn, dann weiter in südliche Richtung, mitten hinein in das Herz der steirischen Alpen. Das Ziel war Eisenerz, der Berg ein alter Bekannter. Kurz vor Mitternacht kam ich am Fuße des Fahrerlagers an, und im Festzelt traf ich auf die Freunde. Sie drückten mir ein Bier in die Hand und dann noch eines. Der Berg hatte uns wieder, ein Familientreffen der besonderen Art. Zu später Stunde kroch ich in den Schlafsack. Rennen ist erst morgen, und Zähneputzen konnte warten ...

Königsklasse – Das Rennen der Zweizylinder

Booooooooooaaaaaaaahhhhhh! Sirenengeheul zu Sonnenaufgang, und das in einer unvorstellbaren Lautstärke, vor allem dann, wenn man sich gerade im Zentrum der Tiefschlafphase befindet. Guten Morgen! Frisch geduscht, aber dennoch mit kleinen Augen, fand ich mich gegen neun Uhr am Hauptplatz von Eisenerz ein. Martin aus Tirol drückte mir zuerst eine Wasserflasche und wenig später ein Motorrad in die Hand. „Viel Spaß!“, gab er mir mit auf den Weg und klopfte mir auf die Schulter. Argwöhnisch beäugte ich die abgefahrenen Stollenreifen der KTM. Egal. Ab zum Training. Ich nahm den erstbesten Schotterweg, machte mich mit Untergrund und Motorrad vertraut und hatte bald meine kindliche Freude. Doch dann, nach elf Kilometern: Plattes Vorderrad. Und weil ein Unglück selten alleine kommt: Am Rückweg rollte ich an zwei Radfahrern vorbei (und war für einen kurzen Moment lang unaufmerksam), da schlug es mir ansatzlos den Lenker aus der Hand. Keine Zeit zu reagieren. Ich ging zu Boden. Hüfte, Schulter, Ellbogen. Schmerzen, aber kein Blut und kein Knochenbruch. Martin aus Tirol nahm den Schaden gelassen hin, Christian der Reifenschänder kümmerte sich um einen neuen Schlauch und ich verweigerte eine Bestandsaufnahme meines persönlichen Gesamtzustandes.

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Um 12 Uhr 30 waren wir wieder startklar. Am Hauptplatz von Eisenerz hatte sich eine bunte Horde aus mehreren hundert Motorradfahrern und Schaulustigen eingefunden. Mit Nummer 65 kam ich so gegen 14 Uhr an die Reihe. Auf der Startrampe fragte mich der Moderator, wie ich mich wohl auf das Rennen vorbereitet hätte, und ich gab ein ehrliches „Gar nicht!“ zur Antwort. Der erste Lauf war ein Herantasten. Es galt das Vertrauen ins Vorderrad wieder zu finden, und es war kein leichter Weg, an manchen Stellen gar ein Kampf. Naja. Oben am Berg war ich bescheiden. Nein, ich war nicht geflogen, und nein, wirklich Spaß hatte ich auch nicht gehabt. Das musste anders, musste besser werden! Also drückte ich beim zweiten Lauf nach der dritten Kurve ein wenig an, begab mich am Ende des ersten Drittels allmählich in den Fluss, bekam die leise Ahnung, dass ich es konnte – und dass ich es wollte. Bei der Hälfte der Strecke, bei der Dunklen Erde, gab es dann kein Halten mehr. Ich verspürte die Weite der libyschen Wüste, ließ auf der Piste mit dem untrüglichen Gefühl der Sicherheit im Bauch das Gas stehen, sammelte mich in der Anbremszone und presste das Motorrad gefühlvoll aber nicht ohne Druck in die Anlieger. Auf der langen Geraden kurz vor dem Ziel erreichte ich die für mich magische Grenze von 147 Stundenkilometern. Yes!

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Ich kam auf Platz 31 der Gesamtwertung

Meine Zeit maß 13 Minuten und 12,48 Sekunden. Das war ziemlich in Ordnung, echt nicht so übel. Der Orange Oliver lag auf Platz 27, und wenn ich mir vor Augen halte, dass ich in der „Königsklasse“ gemeinsam mit Motorsport-Größen wie dem sonnigen Enduro-Weltmeister Giovanni Sala, dem finnischen BMW-Shooting-Star Simo Kirssi, dem mehrfachen MX-Vizeweltmeister Kurt Nicholl oder dem amerikanischen Dakar-Piloten Jimmy Lewis an den Start ging, dann, hmmm …., ich sag’s ja nicht leicht, aber dann bin ich schon auch ein bisserl stolz auf mich. Hihi!

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Text: Karin Mairitsch 

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