KTM 990 Super Duke R

KTM 990 Super Duke R


Adel verpflichtet

Für blaublütige muss es immer eine Klasse besser sein – im Idealfall stehen sie auch über den Dingen, die ein Normalsterblicher so erlebt und tut, ohne allerdings die Bodenhaftung zu verlieren. KTM treibt die fürstliche Dreiklassengesellschaft jetzt auf die Spitze: Duke, Super Duke, Super Duke R.

„High Snobiety“

Fast wie im richtigen Leben die Welt der Promis, VIPs und Fürstenhäuser macht die höchste Potenz der Leistungsfähigkeit auch bei der KTM 990 Super Duke R, so der volle, „bürgerliche“ Name des Zweizylinder-Boliden, schon rein optisch auf sich aufmerksam. Das mattschwarze Kunststoffkleid mit dem frech darunter hervorblitzenden Rahmen in KTM-orange gibt’s in dieser Form nur bei der "R". Bei Mitgliedern vor allem der „High Snobiety“ endet damit leider manchmal die Unterscheidung vom ganz normalen „Pöbel“ mit all seinen Schwächen. KTM-Gene verhindern dies aber zuverlässig, und so spendierte die Mutter dem jüngsten Spross ein voll einstellbares WP-Fahrwerk mit 48er Upside-Down-Gabel, Mono-Shock und einem wirksamen und nützlichen Lenkungsdämpfer an der, ein Grad steiler gestellten, Gabel mit Titan-Nitrid-beschichteten Gleitrohren.

So gehört die R trotz der sportlichen Verschärfungen immer noch und erst recht zur „High Society“. Doch selbst damit endet die Liste der Änderungen nicht: Am 9 Kilogramm leichten Chrom-Molybdän-Rahmen hängt ein umgestaltetes Aluminiumheck, das nur noch einer Person Platz bietet. Nicht zuletzt diese Sitzgelegenheit gewährt dem Fahrer alle Freiheiten, um das KTM-Credo für bare Münze zu nehmen: ready to race.

Ist ES zu hart, bist DU zu weich!

Benehmen ist unter solchen Voraussetzungen keine Glückssache. Auch wenn in diesem Falle der erste Eindruck trog und bei vielen Probefahrten trügen wird: Dieses Fahrwerk macht, auch wenn sicherlich für die Rennstrecke optimiert, sogar auf Landstraßen zweiter, dritter oder gar vierter Ordnung Spaß. Der erste Eindruck entstand auf einem stinknormalen und gar nicht adligen – Parkplatz. Holla – und mit diesem Prügel sollen gleich in den Niederungen normaler Straßen Plomben und Wirbel durchgerüttelt werden? Diese Frage schoss beim einfachen Umparken durch den Kopf. Doch wie bei einem geerdeten Adligen stellen sich die wahren Qualitäten oft erst in dem Moment heraus, in dem er sich in sein ureigenes Territorium begibt. In richtiger Fahrt, nicht nur beim Tuckern ums Haus, ist das in den ersten Ausschlägen des „Popometers“ knüppelharte Fahrwerk nämlich ganz anders gestrickt. Klar: Ist es zu hart, bist Du zu weich. Doch auf den ersten Zentimetern des Federwegs ist die WP-Kombi alles andere als ungnädig und wartet mit ungeahnter Sensibilität auf. Kopfsteinpflaster und sogar „Bodenverwerfungen“ in Form eines Bahnübergangs verlieren nach der Fingerschnippmethode ihren Schrecken. Die WP-Teilchen melden zwar glasklar Sorte und Form des Kieselsteins, den die Rennräder gerade überrollen, aber die Ausmaße werden höchst angenehm verschleiert. Auch klar: Gröbere Stufen im Asphalt kommen ungefiltert durch, eine Enduro oder weichgespültes Tourensofa hat man in der Super Duke R nicht – wollte man wohl auch nicht.