Husqvarna SM 610

Husqvarna SM 610


Heißer Ofen

Husqvarna sind die Supermoto-Pioniere, bekannt hauptsächlich aus dem Profi-Sport, und das nicht nur abseits des Asphalts. Derzeit sind Husqvarna mit Gerlad Delepine Weltmeister in der S1 Supermoto WM 2005 und auch in der Enduro EM mit sechs Fahrern aktiv unterwegs.

Weniger heftiges Einzylinder-Gerappel

Doch mit dem Randdasein als Hersteller von Profisport-Geräten, Öfen und Kettensägen soll es nun vorbei sein. Vor Jahren ging das schwedische Unternehmen in MV Agusta auf, und nun widmet man sich etwas gemäßigteren Publikum, ganz ohne den Biss zu verlieren allerdings. Ein bisschen weniger heftiges Einzylinder-Gerappel, eine alltagstaugliche Sitzposition und weniger aggressive Gasannahme verspricht Husqvarna dem Hobby-Supermotardisten.

Dschungeltier

Das „Motorrad für den Stadtdschungel“ wartet nur darauf auf eben diesen losgelassen zu werden. Bestens gerüstet ist sie jedenfalls dafür. Der kräftige Einzylinder-Motor baut einmalig schmal und schiebt einen flott durch jede Verkehrslücke. Das kantige Design kann sich an jeder Eisdiele sehen lassen. Die SM 610 macht es dem nicht allzu klein gebauten Fahrer einfach. E-Starter, moderate aufrechte Sitzposition und für Einzylinder-Verhältnisse vibriert die schwedisch-italienische Kombination tatsächlich gemäßigt. Nicht ganz so einfach ist der Start: Erstmal auf der 91 cm hohen Sitzbank Platz nehmen, den schwer erreichbaren Choke ziehen und meistens läuft, nicht immer, kommt der Viertakter dann in Schwung. Das ist der Moment wo einem die Ohren aufgehen, die „Husky“ stößt einen Klang aus, der in den Häuserschluchten der Stadt den Passanten noch lange in der Magengrube liegen wird. Leider mischte sich der knackige Sound bei unserer Testmaschine mit dem blechernen Scheppern einer abgerissenen Auspuffhalterung. Dann Gashahn aufreißen – aber Vorsicht, Wheelis waren im Kaufpreis schon drin.

Mangelerscheinungen

Dies blieb nicht die einzige Mangelerscheinung an unserer erst 1.600 km „alten“ Husky. Zünd- und Lenkradschloss, lassen sich nur sehr hakelig bedienen, teilweise löste sich die Motorgehäuse-Beschichtung und das Massekabel der Tankuhr war abgerissen. Leichte Mängel die sogar nicht zu den edlen Teilen wie der Marzocchi USD-Gabel, dem Sachs-Federbein und den Brembo-Bremsen passen wollen, aber das Bild der allgemein etwas laxen Verarbeitung der SM 610 verfestigen.

Üppige Ausstattung

Damit man sich im Großstadtdschungel auch zurecht findet, hat die digitale Instrumenteneinheit der SM 610 viele Funktionen: Tacho- und Tankanzeige, Tageskilometerzähler, Drehzahl, Uhrzeit, Schaltblitz und sogar die Serviceintervalle werden angezeigt. Und damit man sich so richtig heldenhaft fühlen kann, dichtet der Tacho bis zu 30 km/h zur Realgeschwindigkeit dazu. 185 km/h zeigte der Tacho bei Vollgas - typisch italienisch eben. Neben dem Zündschloss und Lenkradschloss, besitzt die SM 610 noch einen abschließbaren Tankdeckel und ein Helmschloss. Und weil man ja nicht immer allein unterwegs ist, sondern auch mal seine Dschungeleroberung mitnehmen möchte, gibt´s auch Soziusfußrasten, von genügend Platz auf der Sitzbank träumt die Sozia allerdings nur. Fuß-, Knie- und Po-Schmerzen bleiben auch auf Kurzstrecken nicht aus.

Beachtenswert

Ein kleines aber bedeutsames Detail trübte kurzweilig unsere Antriebsfreude. Eine Schraube an der Benzinleitung, regelt den Zufluss vom kleineren linken in den größeren rechten Tank. Also bloß nicht zudrehen, sonst geht der Husky die Puste aus, was sonst kaum zu schaffen ist.

Text: Franz I.
Fotos: B. Welte/pabi/Husqvarna