Yamaha XT 660 X

Yamaha XT 660 X


Super, so’n Motard

Als ich mir im zarten Alter von 16 Jahren meine erste Yamaha zusammen sparte, eine DT 80 LC, war mir mein weiterer Motorradwerdegang schon ziemlich klar vor Augen. Zwei Jahre später sollte eine XT 600 her. Doch wie so oft im Leben, kam alles anders. Bis zu diesem Sommer, ziemlich genau 20 Jahre danach.

Nun sollte ich endlich eine Yamaha aus der XT Baureihe bekommen. Zwar nur für zwei Wochen, aber immerhin! Dass es letztendlich nicht der damals begehrte Stoppelhopser mit der groben Stolle sein würde, sondern, die hippe Supermotard-Version mit Straßenbereifung, war ja kein Drama. Eher Zeitgeist. Damals dachten nur die abgedrehtesten Typen daran, ihre Enduro mit Straßengummis zu bereifen. Das war nicht nur bautechnisch immer eine Herausforderung, sondern auch der TÜV war davon nur schwer zu begeistern.

Also bretterten die Endurofans eben mit den Offroadreifen über die Autobahnen und durch den urbanen Bereich, der früher noch ganz einfach Innenstadt genannt wurde. Zwischendurch nahm man mal die Abkürzung über den Feldweg, oder den Acker in die Nachbargemeinde. Wozu hat man schließlich eine Enduro. Heutzutage gilt es jedoch, sich im real existierenden urbanen Verkehrskollaps durchmogeln zu können, damit man morgens nicht schon für 5 Kilometer eine ganze Stunde zur Arbeit braucht. Zeit ist schließlich Geld!

Kinderleichtes Handling

Die überragende Sitzposition auf der XT 660 X - mit 87 Zentimetern immerhin noch 5 Millimeter höher, als auf der XT 660 R – bietet schon mal beste Voraussetzungen dafür, den Überblick im Blechdosendschungel zu behalten. Aus dieser übersichtlichen Lage kann der X-Pilot das spielend leichte Handling nutzen, um gekonnt die Spuren zu wechseln, sich an der Ampel dreist vorzudrängeln, beim Start mit erhobenem Vorderrad, nie war wheelen so leicht, davon zu brausen und reichlich Zeit für ein paar Minuten mehr des kostbaren Schlafs, allmorgendlich heraus zu fahren. Die 48 PS des altbekannten XTZ Aggregates, nun aber im Vierventil-Trim, reichen dazu allemal aus. Fünf Gänge sind für den Nahkampf ebenfalls genug. Natürlich hassen Dich die anderen Verkehrsteilnehmer für so viel zur Schau gestellte Leichtigkeit und Ignoranz im Umgang mit der sich stauenden Blechlawine. Doch all das lässt Du in Windeseile hinter dir, denn den, den Du an der letzten Kreuzung mit wutverkrampftem Magen zurückgelassen hast, wirst Du an diesem Tag nicht wieder sehen, denn schon sorgst Du an der nächsten Ampel für gesteigerten Maloxan-Bedarf bei den Düpierten, die mit Zeitung, Laptop, Kaffe und Croissants auf dem Schoß das Warten schon gewöhnt sind. Doch wehe dem, der aus der Reihe tanzt.

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Trepp auf, Trepp ab

Denn Vorsicht ist geboten. Hochmut kommt vor dem Fall. Übermut tut selten gut! Und die grün-weiße, sorry, blau-silberne, Rennleitung sieht so was nicht gern. Denn schnell, viel zu schnell, gewöhnt man sich an’s Outlaw Dasein und ist versucht, auch mal eben über den Bürgersteig, die Treppe oder andere urbane Hindernisse, den Weg weiter zu verkürzen. Ganz einfach, weil’s so einfach ist mit der XT 660 X. Hat man sich erst frei gekämpft, macht die Supermotard, wir der Franzose zur XT X sagen würde, auch auf der Landstraße mächtig Spaß. Das Aggregat läuft kultiviert und ohne Mucken. Etwas mehr Druck könnt’s schon haben, aber da spricht wohl eher der verwöhnte 2 Zylinder-Treiber aus dem Tester-Mund, denn eigentlich gibt’s am Vortrieb nix zu deuteln. Erstaunlich nur, dass die Techniker nun zum Vierventil-Kopf zurückkehren, des besseren Füllungsgrades und Gasdurchsatzes wegen. Hm, war uns genau deshalb nicht jahrelang der Fünfventiler angepriesen worden? Egal, entscheidend ist, was hinten raus kommt, aus dem Doppelten Auspuff mit G-Kat. Wobei ich noch nie verstanden hab, warum ein Eintopf zwei Austöpfe braucht. Das Gewicht könnte man sich doch sparen. Und die Kosten auch. Doch das ist vielleicht eine Frage des Stylings und der Marktforschung. Wobei wir beim Preis wären. Mit 6.500 Euro liegt die XT 660 X preislich gut im Rennen. Die GX-BMWs kosten deutlich mehr, Kawas Versys liegt knapp drüber und ich bin ja nicht der Einzige, der schon immer ne XT haben wollte.

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Text: Pabi

Fotos: Sabine Welte / Pabi / Werk Weitere Testberichte Super Moto:

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