BMW R 1200 C Montauk

BMW R 1200 C Montauk


Rock `n Roll auf Bayrisch

Skurrile Motorradwelt. Ausgerechnet aus Bayern rollt ein Motorrad auf unsere Straßen, das den amerikanischen Traum vom klassisch-lässigen Super-Cruiser auf fast perfekte Weise verkörpert. Auch wenn das äußere Erscheinungsbild der BMW R 1200 C Montauk alles andere als klassisch anmutet.

Charakter, Ausdruck, Eigenständigkeit. Im Zeitalter der Industrie gesteuerten Mainstream-Gesellschaft wiegen echte Werte immer schwerer. Was für den Amerikaner Coca Cola, Hamburger und Harley Davidson ist, sind für den Bayern Löwenbräu, Weisswurst und BMW. Liebgewordene Tradition, Ausdruck ureigenster Lebensart, Ikonen des täglichen Lebens. Zur bayerischen Lebensart gehört seit Jahren auch der Bayern-Cruiser. Zunächst von der Konkurrenz und vielen Chopper-Fans massiv verunglimpft oder zumindest doch belächelt, hat sich die C-Familie von BMW längst als stabile Größe im Motorradmarkt etabliert.

Und weil der Erfolg auch in Zukunft anhalten soll, bauen die Bayern ihre Cruiser-Familie immer weiter aus. Nach der klassisch-spartanischen R 1200 C und der fast schwülstig dicken, äußerst luxuriösen R 1200 CL kommt nun mit der R 1200 C Montauk das dritte Modell auf den Markt. Sie ist das Bindeglied zwischen C und CL – nicht so klassisch feingliedrig wie die C aber wesentlich purer und deutlich martialischer als die CL. Und obwohl diese nach dem Baukasten-System das gute Fahrwerk und den Antriebsstrang aus der R 1200 C mit dem neuen, breiteren Telelever, Rädern und die Intrumenten aus der R 1200 CL kombiniert, ist sie doch ein eigenständiges Motorrad geworden.

Maskuliner Auftritt

Das Äußere der BMW R 1200 C Montauk verkörpert in erster Linie einen sehr maskulinen Charakter. Die Front-Silhouette wird dominiert von einem markanten, beeindruckend eigenständigen Doppelscheinwerfer-Gesicht. Da die beiden Rundleuchten übereinander angeordnet wurden, wirkt die Front der Montauk noch schmaler als bei der normalen R 1200 C Classic – trotz des breiten Telelevers und des fetten Vorderreifens der Dimension 150/80-16. Die etwas bucklige Seitenlinie vermittelt, passend zur aggressiven Front, dank neuer Seitencover und des höher gepolsterten Beifahrersitzes schon im Stand massive Kraft. Und das pummelige Rundheck, das unverändert von der R 1200 C Classic übernommen wurde, ist in seiner unkonventionellen Art der Interpretation klassischer Cruiser-Werte ohnehin bestens gelungen. Zwischen der markanten Front und dem versöhnlichen Heck zieht der noch immer völlig Cruiser untypische Boxermotor die Blicke auf sich. Überschwänglich mit Chrom verziert ist er mindestens so schön anzuschauen wie der klassische V2-Motor aus Milwaukee. Dass die R 1200 C Montauk, typisch BMW, darüber hinaus mit allerlei Komfort-Features und jeder Menge Hightech lockt, wird die erfahrenen Biker, die BMW mit diesem Motorrad ansprechen will, befriedigt nicken lassen.

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So verwöhnt die Montauk, ungeachtet ihres fast bösen Äußeren, den Fahrer mit wohltuendem Komfort. Einspritzung und Katalysator, Doppelzündung, sauber arbeitende Trockenkupplung, Einarmschwinge mit Kardanantrieb, Griffheizung, optionale Nebelscheinwerfer und – natürlich – Teilintegral-ABS samt Bremskraftverstärker – es ist alles an Bord, was der Spaßfahrer sich nur wünschen kann. Das Teilintegral-ABS-Bremssystem arbeitet auch in der Montauk absolut zuverlässig. Tritt man kräftig aufs Fußbremspedal, welches die Zangen aller drei Bremsscheiben gleichzeitig betätigt, verzögert die BMW, als hätte man den viel zitierten Anker ausgeworfen. Auch wenn die Feindosierung der Teilintegral-ABS-Bremsen bei langsamer Fahrt eine gewisse Eingewöhnung fordert, ist das Gesamtsystem noch immer die erste Wahl für den normalen Motorradfahrer. Auch das Fahrwerk der Montauk funktioniert sehr gut. Die Telelever-Vorderradführung verhindert wirkungsvoll zu starkes Bremsnicken, spricht ausreichend sensibel auf feine wie grobe Bodenunebenheiten an. Das hintere Zentralfederbein ist eher straff abgestimmt, was die Stabilität auf zügigen Autobahn-Etappen und im Soziusbetrieb steigert. Auf ruppigem Asphalt allerdings stößt die wegabhängige Dämpfung irgendwann an ihre Grenzen, was die Montauk mit trampelndem Hinterteil kund tut. Das und die durchaus spürbaren Kardanreaktionen mindern den ansonsten vorzüglichen Fahrkomfort.

Vor allem in den niedrigen Gängen bäumt sich die R 1200 C Montauk beim Beschleunigen fast schon ungebührlich stark auf. Eine Momentabstützung an der Kardan-Schwinge, wie von anderen BMW-Motorrädern gewohnt, wäre wünschenswert. Allerdings beklagt man sich über Fahrwerksschwächen bei der BMW R 1200 C Montauk auf für Cruiser-Verhältnisse sehr hohem Niveau. Mit der R 1200 C Montauk lässt man den Piloten japanischer oder amerikanischer Cruiser derselben Gewichts- und Leistungsklasse am Alpenpass kaum eine Chance. Zwar zuckt die BMW in holprig asphaltierten Kurven schon mal mit dem Lenker, wenn eine Fahrbahnverwerfung den fetten Vorderreifen aus der Spur drückt. Gefährlich wird diese fast schon liebenswerte Eigenart aber nie. Auf gutem bis mittelprächtigem Asphalt gibt sich die Bayerin indes keinerlei Blöße. Zielsicher umrundet sie mit sauberem Strich und ausreichend klarer Rückmeldung Kurven jeder Art. Selbst schnelle Wechselkurven lassen sich mit feinem Druck am Lenker zügig durcheilen, die Geradeauslaufstabilität ist tadellos. Und im Stadtverkehr ist die BMW deutlich handlicher als viele andere Cruiser.

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Bequeme Sitzposition

Locker thront der Fahrer hinter dem breiten Lenker, das kleine Windschild hält den schlimmsten Druck des Fahrtwindes vom Oberkörper ab. Wer es noch komfortabler mag, ordert das höhere Tourenwindschild und die Komfort-Bestuhlung mit echtem Lederbezug. Kleine Schönheitsfehler an der ansonsten Langstrecken tauglichen Sitzposition: Wer große Füße hat, muss sich zuerst daran gewöhnen, zum Schalten und Bremsen diese unter die Zylinder zu schieben. Vor allem die Zugänglichkeit des Fußbremshebels ist verbesserungswürdig. Für klein gewachsene Personen mit eher kurzen Armen dürfte der Lenker beim Rangieren in engen Straßen oder auf dem Parkplatz ruhig näher zum Fahrer hin orientiert sein. In Fahrt passt das Dreieck aus Sitz, Rasten und Lenker indes fast allen ziemlich perfekt. Breit aufgespannt, mit aufrechtem Rücken, segelt man völlig entspannt übers Asphaltband.

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Drehmomentstark

Zum Gleiter-Charakter passend präsentiert sich der bullige Boxermotor. Der verfügt übrigens zugunsten besserer Abgaswerte ab sofort für die gesamte C-Modellreihe über eine Doppelzündung. Zwar hören sich 61 PS bei rund 270 Kilogramm Fahrzeugmasse extrem brav an. Im Fahrbetrieb allerdings hat man nie das Gefühl (außer vielleicht beim Überholen am Berg), dass man untermotorisiert unterwegs wäre. Grund: das schon bei relativ tiefen Drehzahlen abrufbare, satte Drehmoment. 98 Nm bei lediglich 3.000 U/min sorgen dafür, dass der Montauk-Fahrer schaltfaul unterwegs sein kann und doch immer zügig genug vorankommt. Dabei wechselt man durchaus gerne die Gänge, denn das 5-Gang-Getriebe mit der neuen Hochverzahnung der Gänge 4 und 5, das auch der R 1200 C Classic und der R 1200 CL zugute kommt, lässt sich spürbar exakter und auch etwas leiser bedienen als bisher. Einzig die lange Endübersetzung raubt der gut 170 km/h schnellen BMW etwas zu viel Elan. Angesichts der Tatsache, dass Cruiserpiloten aber die Höchstgeschwindigkeit ihres Motorrades als eher nebensächlich erachten, dürfte die Übersetzung zugunsten von mehr Spritzigkeit beim Überholen ruhig etwas kürzer gewählt sein. Dafür stimmt dank der neuen Auspuffanlage endlich der Sound. Sonor, aber ohne unnötige Lautstärke brummt man mit der BMW R 1200 C Montauk entspannt über Land, genießt das sanfte Zittern des Motors, reitet auf der breiten Drehmomentwelle. Und wenn man dann im Abendlicht wieder Richtung Heimat rollt, freut man sich, dass sich das Gesamtkunstwerk BMW R 1200 C Montauk so faszinierend einzigartig anfühlt. Und danach, am Stammtisch, wird man überzeugt sagen: Dieses Motorrad hat Charakter!

Text: Jörg Wissmann Fotos: Wissmann, Borri

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