Harley-Davidson Fatboy Special

Harley-Davidson Fatboy Special


Dick ist schick

Nein, ich wiederhole nicht dass die Harley-Davidson Fatboy ihren Durchbruch dem Auftritt in Terminator zu verdanken hat. Ich konzentriere mich lieber auf das hier und jetzt, also die Fatboy Special. Die gefällt mir ohne Pumpgun-Halter und Arnie auch viel besser. Ob sie hält was sie verspricht? We will see …

Eindruck Fatboy Special

Der dicke Junge ist und bleibt ein Schmuckstück im Programm von Harley-Davidson. Und ganz besonders in der Special-Ausführung. Die setzt gerade in der schwarzen Lackierung dem Badboy-Image nochmal eins drauf. Chrom findet man nur wenig, lediglich Lampenring, Gabelbrücke, Riser und Lenker glänzen mit der Sonne um die Wette. Getriebeabdeckung, die Kanten der Kühlrippen und der hintere Teil des Schalldämpfers sind matt silbern lackiert. Der komplette Rest des Bikes hüllt sich in schwarz, wobei hier Matt- und Glanzlack variieren. Tank, Fender und Lampeneinheit glänzen, Motor, Auspuff und Luftfilterabdeckung sind matt. Wer will, kann auch das ganze Moped in matt haben. Ist zwar schick, aber auch nicht ganz einfach in der Pflege. Ansonsten ist alles wie man es von Harley kennt. Die Sitzposition der Fatboy Special ist noch niedriger, kürzere Federbeine machen es möglich. Dem Betrachter bleibt dies jedoch verbogen. Als Softail täuscht auch die Fatboy einen Starrahmen vor. Die Federelemente liegen unter dem Motor.  Das Soziuskissen gibt dem unteren Rücken des Fahrers guten Halt. Damit hat sich auch schon die wesentliche Verwendung dafür gefunden. Einen Beifahrer kann man das Teil nicht dauerhaft antun.

Motor Harley Fatboy

Natürlich ein alter Bekannter der keiner ausführlichen Beschreibung bedarf. Kurz die Eckdaten: 1.584 Kubik, 76 PS bei 5.450 Umdrehung und 125 NM Drehmoment bei niedrigen 3.500 U/Min. Geschaltet wird über ein 6-Gang-Getriebe, wobei der 6. Gang als Overdrive ausgelegt ist. Die Kraft wird per Zahnriemen ans Hinterrad übertragen. Einmal mehr frage ich mich wieso andere Hersteller sich diesem Konzept so konsequent verweigern. In Gegensatz zu den Dynamodellen haben die Softailmodelle eine Ausgleichswelle zur Reduzierung der Vibrationen. Ich hatte aber weder die Street Bob noch die Wide Glide als wilde Schüttler in Erinnerung. Die Ausgleichswelle tilgt leider nicht nur Vibrationen, sondern nimmt dem V2 etwas von seiner Spritzigkeit. Zwar ist er damit noch lange nicht behäbig, hängt aber nicht so spontan am Gas wie die Wide Glide. Dennoch bleiben die geliebten Harleytugenden erhalten. Satter Durchzug aus dem Drehzahlkeller und stets genug Leistung um die Fuhre kräftig anzuschieben. Dazu natürlich der passende Sound. Gerade volles beschleunigen aus niedrigen Drehzahlen macht geradezu süchtig. Dann öffnen sich die Stellklappen im Auspuff und geben im wahrsten Sinne des Wortes volles Rohr. Vibrationen sind kein Thema. Lediglich im Stand schüttelt sich der V2 ordentlich und überträgt die Schwingungen an das gesamte Harley Davidson Motorrad. Einmal auf Drehzahl, reduziert sich das Ganze auf „Good Vibrations“.

Harley-Davidson Fatboy Special 14

Fahreindruck

Man setzt sich so tief, man will fast von rein- statt aufsitzen sprechen. Die Beine weit vorne auf die Trittbretter, die Arme ähnlich weit vorne am Lenker. Klingt unbequem, ist aber herrlich entspannt. Und sofort ist wieder das typischen Harleyfeeling da. Der Motor nimmt mit einem derben Schlag seine Arbeit auf, erste Gang und los geht’s. Schnell ist man im letzten Gang und surft auf der Drehmomentwelle durch die Landschaft. Selbst Ortsdurchfahrten sind im 5. Gang locker drin. Jeder Dreh am Gasgriff kombiniert Schub und Soundkulisse zum Erlebnis. Andere mögen mehr Power haben oder spritziger sein, der Fatboy Special und dem Fahrer ist dies egal. Die Performance reicht allemal. Man ist relaxt und genießt sowohl die Harley als auch die Umgebung. Leistung, Messwerte und ähnlich rationale Dinge treten völlig in den Hintergrund und spielen keine Rolle mehr. Die Fatboy ist ein wahrer Entschleuniger im positiven Sinne. Wer sich darauf einlässt, wird perfekt bedient. Alle anderen werden sich über die noch geringere Bodenfreiheit ärgern.

Harley-Davidson Fatboy Special 03

Die Special setzt durch das niedrigere Fahrwerk auch für Harleyverhältnisse früh auf. Die Lackierung der Trittbretter bleibt dabei tatsächlich auf der Strecke. Auch beim Handling bekleckert sich die Harley nicht mit Ruhm. Der dicke Vorderreifen reagiert recht störrisch auf Lenkbefehle, die Fatboy will mit Nachdruck in Schräglage gebracht werden. Die Bremsen sind ausreichend, mehr ist leider nicht drin. Unverständlich wieso bei einem so schweren Brocken nicht eine zweite Scheibe im Vorderrad zum Einsatz kommt. Zumal dies ja gegen Aufpreis möglich ist. Dennoch: im Grunde genommen Wurscht. Wer die Fatboy Special artgerecht bewegt, wird sich daran nicht stören.