Sachs Roadster 650

Sachs Roadster 650


Aus deutschen Landen

Da stochern einige innovative Unternehmer zusammen mit ein paar Motorradkonstrukteuren in der erlöschenden Glut einer einst großen Motorradfabrik - und plötzlich regen sich wieder kleine Flämmchen…

Natürlich ist das mit dem Bau von Kleinkrafträdern in den siebziger Jahren hell lodernde Hercules-Feuer längst verloschen. Heute montiert eine nahezu komplett neue Mannschaft unter neuem Namen und ebensolchen Besitzverhältnissen in einer ehemaligen Lagerhalle fremdgefertigte Komponenten.In der Versuchsabteilung um Entwicklungschef Hartmut Huhn entsteht zur Zeit Großvolumiges. Der Einzylinder-Single Roadster 650 mit dem Motor aus der Suzuki Freewind ist fertig, der Twin mit dem VX 800-Motor in Arbeit. Offiziell wird die Roadster 650 im Frühjahr vorgestellt, wir konnten ein Vorserienmodell ein paar Tage probefahren. Zwar war noch nicht alles in der endgültigen Form und Farbe, die Eckdaten der Motor- und Fahrwerksabstimmung stehen aber.

Der Motor stammt von Suzuki, damit bezieht Sachs die Triebwerke der größeren Hubräume im Gegensatz zu dem Twin in der 125er Roadster nicht mehr von Yamaha. Der luft/ölgekühlte Einzylinder wird in der aktuellen Entwicklungsstufe verwendet, Drosselklappensensor und ein Sekundärluftsystem sorgen nicht nur für kultivierten Lauf, sondern auch für die Einhaltung der Abgasvorschriften. Der Kurzhubmotor leistet bei 6800 Umdrehungen 50 PS, wobei die Versuchsleute augenzwinkernd von "gut im Futter" sprechen. Das Fünfganggetriebe ist gut gestuft, die Kupplungskräfte sind auch ohne Zusatztraining der linken Hand aufzubringen. Die lange Kaltstartphase störte etwas, sie kann aber mit dem Choke am Lenker bequem reguliert werden.

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Erscheint das Sachs-Krad schon beim Betrachten dank des recht langen Randstandes nicht gerade zierlich, so merkt man spätestens beim Aufsitzen, dass hier keine kleinwüchsigen Japaner, sondern ausgewachsene Franken die Maße festgelegt haben. Der 20-Liter-Kunststofftank bereitet, zur Sitzbank abfallend, auch beleibten Menschen keine Atemprobleme. Als Lenker wählten die Nürnberger eine Segelstange, die zusammen mit der angenehm tiefen Fußrastenposition für eine entspannte Sitzhaltung sorgt. Die Fußrastenaufnahmenplatten sind in zwei Positionen montier- und so individuell einstellbar. An den beiden Rundinstrumenten, die zusammen mit einem kleinen Vierfachkombianzeiger das Cockpit bilden, wird noch gefeilt. Das ist gut, denn was an dem Prototypen und der nicht fahrfähigen Fotomaschine montiert war, konnte nicht recht überzeugen.

Überzeugt hat uns dafür das Fahrwerk. Kein Wunder, die Zutaten stammen ja auch nicht vom Discounter. Ob eine Paioli-Gabel mit 41 Millimeter Standrohrdurchmesser, wunderschöne 17 Zoll-Leichtmletallfelgen in Speichenrädern oder die aufgezogenen Metzeler- oder Pirelli-Breitreifen der Dimensionen 120/70 und 160/60, zusammen ergibt sich ein tolles Fahrgefühl. Als optische Farbtupfer kommen die roten Brembo-Vierkolbenzangen an Vorder- und Hinterrad dazu, die bei Bedarf recht kräftig zubeißen können. Ein Doppelschleifenrahmen mit Vierkant-Oberrohr aus Stahl, dazu eine Kastenschwinge aus dem gleichen Material und zwei Federbeine an der Hinterhand statt eines Hebelsystems - ein Standardfahrwerk. Ein Hauptständer vervollständigt zusammen mit der gut gepolsterten Sitzbank das Zutatenprogramm der Vernunft.

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Mit knapp 170 Kilo ist die Roadster in einem Marktbereich angesiedelt, der zur Zeit fast ausschließlich von Soft-Enduros bevölkert wird. Einen Touren-Single, der allein für den Onroad-Einsatz konzipiert wurde, muss man suchen. Unverständlich, warum sich kein großes Werk bisher die Mühe gemacht hat, ein Feuerzeug für Enthusiasten zu bauen, mit dem man nicht schon im dritten Gang jenseits von Gesetz und Führerschein agiert. Mit einem Einzylinder wie der Sachs Roadster können die Straßen gar nicht klein und winkelig genug sein. Ein handliches Motorrad, das nicht um jede Ecke gewuchtet werden muss, mit einem drehfreudigen und vibrationsarmen Motor lässt sich sicher gut verkaufen. Doch der Preis von 5.874,74 Euro setzt ein deutliches Fragezeichen. Wir hatten jedenfalls viel Freude, dieses Motorrad schon im Herbst '99 zu bewegen. Und wir hatten auch unseren Spaß: Als beim Tanken ein junger Mann mit großen Augen um das Bike schlich und murmelte: "Die gibt's doch noch gar nicht..."

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Text & Fotos:
Mathias Thomaschek