Victory Hammer 8-Ball

Victory Hammer 8-Ball


Hammertime

Die Hammer 8-Ball ist die günstigste Variante des Musclebikes von Victory. Wesentliche Unterschiede zu den Schwestermodellen der Hammer-Familie: einfarbige Lackierung in Schwarz, weniger Federweg hinten (76mm statt 100mm) und nur eine Bremsscheibe im Vorderrad. Hammer und Hammer S haben hier eine Doppelscheibenanlage. Außerdem sind die Fußrasten 57 mm weiter hinten angebracht. Durch das abgesenkte Heck ist die Sitzposition 13 mm niedriger, gerade mal 660 mm sitzt der Fahrer über dem Asphalt. 13.990 Euro ruft Victory für die Hammer 8-Ball aus. Immerhin 1.500 Euro günstiger als die Hammer und 2.500 Euro günstiger als die Hammer S. Das war es dann aber auch schon mit den Unterschieden. Motorseitig hat die Hammer 8-Ball den in der gesamten Familie verbauten V2.

Dieser hat 1.731 Kubik, leistet 89 PS und wuchtet 140 NM Drehmoment auf das Hinterrad. Da muß man bei der amerikanischen Konkurrenz schon zum Tuner gehen um auf diese Leistungsdaten zu kommen. Das gesamte Motorenkonzept ist denn auch deutlich moderner. Geschaltet wird über ein 6-Gang Getriebe, der letzte Gang ist als Overdrive ausgelegt. Den Hinterradantrieb übernimmt ein karbonverstärkter Antriebsriemen. Die Victory Hammer 8-Ball hat mit der Konkurrenz aus Milwaukee also doch einiges gemeinsam. Neben V2, 6-Gang mit Overdrive und Riemenantrieb auch den Hang zum Übergewicht. 305 kg bringt die Hammer 8-Ball auf die Waage. Gebremst wird per 300 mm Scheibe am Vorder- und Hinterrad. Immerhin wird die vordere von 4 Kolben in die Zange genommen. Hinten sind es derer 2.  Den Kontakt zur Straße stellt vorne ein 130/70er und hinten ein 250/40er Schlappen her. Beide sitzen auf 18-Zoll-Felgen.

  

Wie nicht anders zu erwarten, präsentiert sich der Motor als wahres Kraftwerk. Der V2 liefert Dampf in alle Lagen. Wer gemütlich Cruisen will, verlässt sich voll und ganz auf das riesige Drehmoment. Es stehen quasi immer mindestens 100 NM zur Verfügung. Aber auch bei hohen Drehzahlen geht der Hammer 8-Ball nicht die Puste aus. Das Triebwerk ist erstaunlich drehfreudig. Eigentlich nicht erstaunlich, handelt es sich doch um eine moderne Konstruktion. Aber man ertappt sich immer beim Vergleich mit Harley. Und hier sind die Unterschiede dann doch erheblich. Nicht ganz so perfekt funktioniert das Getriebe der Hammer 8-Ball. Die Gangwechsel verlangen nach viel Kraft im Schaltfuß und ein heftiges KLONK begleitet den Fahrer fast bei jedem Schaltvorgang. Der 6. Gang ist zusätzlich noch deutlich zu lange übersetzt. Da hilft auch das beste Drehmoment nix. Aber: als Overdrive geht das so in Ordnung. Nicht ganz so berauschend ist auch der Sound. Die Victory Hammer 8-Ball lässt zwar einen gefälligen V2-Sound aus den beiden Tüten. Für eine Gänsehaut reicht es aber bei weitem nicht.

  

Die Sitzposition ist - wie nicht anders zu erwarten - cruisertypisch. Der Lenker kommt dem Fahrer weit entgegen, die Füße finden weiter vorne auf den Rasten Halt. Das diese auf der Hammer 8-Ball nach hinten gerückt sind, tut dem Fahrer durchaus gut. Die gesamte Haltung ist weniger extrem, findet vor allem bei Cruiserneulingen gefallen. Die Hammer 8-Ball lässt sich erstaunlich einfach bewegen. Der breite Lenker und die etwas aktivere Sitzposition zeigen hier Wirkung. Auch den dicken Hinterreifen hat man nach kurzer Eingewöhnung schnell vergessen. Aber bei zügiger Fahrweise zahlt man aber sehr schnell den Preis für die niedrige Sitzposition. Durch die Tieferlegung des Hecks nehmen die Fußrasten sehr früh Kontakt mit der Straße auf. Schon ein U-Turn reicht zum aufsetzen. Ist aber vielleicht auch besser so, denn auch die Bremsen taugen eher für den gemütlichen Ritt. Die Verzögerung passt soweit, aber die fehlende 2. Scheibe vorne macht sich deutlich bemerkbar.

Fazit

Die Victory Hammer 8-Ball ist keine Günstigvariante. Sie bringt alles mit was ein Cruiser braucht. Vor allem diesen geilen V2, der unglaublich gut performt. Das Cruiser früh aufsetzen und bei den Bremsen nicht zur Referenz gehören, ist nichts Neues. Im Vergleich zu Harley ist die Hammer 8-Ball das deutlich modernere Motorrad und was noch wichtiger ist: bei allen Gemeinsamkeiten keine Kopie. Den Kult muß sich Victory allerdings noch erarbeiten. Aber man ist auf einem guten Weg.

 

Text: Matthias Hirsch

Bilder: Victory

  

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