Yamaha Tricity Fahrbericht

Yamaha Tricity Fahrbericht


Wenn bei Drei keiner zu viel ist

Die Zahl 3 spielt in der jüngeren Vergangenheit bei Yamaha eine nicht gerade kleine Rolle. Immerhin ist der Dreizylinder der MT-09 ganz erheblich am Revival der Marke beteiligt. Jetzt also die 3 als Anzahl der Räder. Zugegeben, für den Einstieg in das Feld der dreirädrigen Roller hat sich Yamaha Zeit gelassen. Aber man hat genau geschaut was die Konkurrenz denn so treibt. Und wo deren Stärken und Schwächen liegen. Heraus kam der schicke Tricity.

Der Yamaha Tricity ist für die Stadt gebaut. Ein klassisches Zweit- oder gar Drittfahrzeug, gerne für den täglichen Einsatz z.B. auf dem Weg zur Arbeit, zur Uni – neudeutsch ein Commuter (= Pendler). Lange Touren oder Reisen mit Gepäck sind eher nicht sein Ding. Trotz der 3 Räder ist allerdings zumindest der Führerschein A1 gefragt, es sei denn man hat den Autoführerschein vor dem 1. April 1980 erworben. Andere Dreiräder dürfen sehr wohl mit dem Autoführerschein bewegt werden, sofern dieser vor dem 19. Januar 2013 erworben wurde. Im Falle des Tricity geht dies leider nicht, denn der Radstand an der Front ist zu schmal. Yamaha verzichtet bewusst auf die breitere Zielgruppe zugunsten der Wendigkeit.

Leicht, wendig und trotz 2 Rädern an der Front ein Scooter-typisches Fahrverhalten. Das stand ganz oben im Lastenheft. Bei einem Gewicht von gerade einmal 152 kg vollgetankt geht der Tricity tatsächlich als Leichtgewicht durch. Der Fahrer hat dennoch ordentlich Platz. Sowohl Füße als auch Beine haben genug Luft hinter der Verkleidung. Der Sitzkomfort ist ebenfalls in Ordnung, erst auf längeren Strecken sitzt man gefühlt mehr auf der Karosserie als auf der Polsterung. Die LCD-Instrumente lassen sich gut ablesen, die Bedienung ist kinderleicht. Als Stauraum steht roller-üblich ein Fach unter der Sitzbank zur Verfügung, es schluckt ohne Probleme einen kompletten Integralhelm. Für Taschen gibt es einen Gepäckhaken im Fußraum. Den Antrieb übernimmt ein 125er Viertakter mit stufenlosem CVT-Getriebe, die Leistung liegt bei 11 PS. Gebremst wird mit 2 Scheiben vorne und einer hinten.

Yamaha Tricity 10

Bei den Testfahrten in Amsterdam erwies sich der Tricity als echtes Stadtfahrzeug. Keine Straße zu eng, kein Winkel zu spitz. Es ging entlang der Grachten über unzählige Brücken zwischen Lieferwägen und unzähligen Radfahrern aus gefühlt allen Richtungen. Der Tricity ließ sich dabei durch nichts aus der Ruhe bringen. Das Fahrzeug fühlt sich sehr stabil an, die 14-Zöller an der Front sorgen für guten Bodenkontakt. Dabei ist es erstaunlich welchen Höhenunterschiede die Vorderräder bewältigen. So ist es kein Problem ein Rad auf einem wirklich hohen Bordstein und das andere auf der Straße zu haben. Der Roller bleibt dabei absolut gerade.

Yamaha Tricity 03

Überhaupt steckt die Federung so einiges weg. Egal ob dicke Wurzeln unter der Teerdecke oder tief sitzende Kanaldeckel, der Tricity schüttelt sich selbst bei groben Schlägen nur kurz und hält seine eingeschlagene Linie. Dies könnte natürlich auch daran liegen dass er motorseitig nicht gerade gefordert wird. Das mit 11 Pferdchen keine Rennen zu gewinnen sind, war zu erwarten. Aber der Antritt wirkte schlapper als erwartet. Der Ampelstart taugte nicht wirklich um die Blechlawine hinter sich zu lassen, mitschwimmen im Verkehr ist angesagt. Lässt man die Stadtgrenze hinter sich, schwingt man sich mit etwas Geduld auf knapp 90 Sachen, bergab knackt man dann auch mal die 100er-Schallmauer.

Yamaha Tricity 05