Yamaha XJ 900 N

Yamaha XJ 900 N


Das Auslaufmodell

Es gab sie zwischen 1985 und 1987 nur in Deutschland zu kaufen. Die filigrane rot schwarze Lackierung und besonders der große, etwas überdimensionierte Scheinwerfer sind ihre äußerlichen Markenzeichen. Ihr turbinenartiger Vorschub und die mächtig verzögernden innenbelüfteten Scheibenbremsen nicht zu vernachlässigende innere Werte. Und auf die kommt es bekanntlich ganz besonders an. Die Rede ist von Yamahas XJ 900 N.

Was ein echter Youngtimer ist, der hat schon ein bewegtes Leben hinter sich. So kann auch dieses, durch Zufall in unsere Hände und vor die Linse geratene Exemplar nicht verbergen, dass einige Teile etwas gelitten haben. Es fehlen zum Beispiel die Ölkühlerhutzen unterhalb des Tanks. Und auch die Originallackierung hat ein paar Kerben abbekommen. Die Substanz allerdings ist prima und weitestgehend original. Auch, wenn der neue Besitzer einige kleine, Modifikationen bereits durchgeführt hat.

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Livin‘ in the 80s

Modifikationen gab‘s Werksseitig an der neuen N reichlich. Neue Instrumente und der schon erwähnte „Suchscheinwerfer“ dürften die prägnantesten sein. Aber auch das nun kombinierte Zünd-/Lenkerschloss half dem modernen XJ-Treiber der 80er Jahre ein Stück in die Zukunft. Weniger ist manchmal mehr und deshalb verzichtete Yamaha bei der N auf das unsägliche Anti-Dive-System der Vorgänger-Gabel. Klassische Schlichtheit war gefragt. Und warum sollte sich Yamaha Motorrad mit etwas plagen, dass auch Kawasaki nicht in den Griff bekam. Stattdessen Konzentration auf das Wesentliche: Vier Zylinder, zwei Chrom-Endrohre und, ganz wichtig, keine Verkleidung machen das Naked-Bike aus. Die Gussfelgen entsprechen dem Zeitgeist und sind leicht zu pflegen.

Turbinator

Und wenn die Vergaser gerade mal nicht überlaufen, erstaunt die Performance den Piloten. Entsetzlicher Schub wird frei. Und zwar ab Standgas. Selbst Fahrern moderner Sporteisen wird beim Öffnen der Drosselklappen mitunter ganz schwindelig. Dass Yamaha vor fast 20 Jahren schon einen derart kräftigen und kultivierten Vierzylinder baute, ist heute kaum mehr jemandem bewusst. Bis man mal auf einer XJ Platz genommen hat. Nun wissen wir wenigstens warum die XJ-Gemeinde sich nur ungern von ihren Maschinen trennt und auch für alte, wenig gut erhaltene Exemplare ordentlich Euros hingeblättert werden müssen. Das typische Pfeifen beim Beschleunigen stammt übrigens vom Primärantrieb.

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Aber wie gesagt, der ganze Schub des modifizierten Motors, der außer in der N auch später noch in der F verbaut wurde, lässt sich nur temporär nutzen. Genau einen Tag lang funktioniert unser Modell prima. Danach laufen die Vergaser mit aller Macht über. Klebrige Rückstände alten Benzins, die sich im gesamten Kraftstoffsystem befinden, legen die Schwimmernadelventile systematisch lahm. Schade, denn das Triebwerk mit 38ccm mehr im Vergleich zum Vorgängermodell, befeuert mit größeren Vergaserdurchlässen und modifizierter Auspuffanlage, macht richtig Spaß, wenn es in Topform ist. Nicht, dass ihr nun denkt, wir würden ganz oben auf dem Baum schlafen. Natürlich wurden Schwimmer, Nadelventile, Sitze, Leitungen und Filter bereits ausgetauscht und das gesamte System mehrfach gereinigt und ausgespült. Doch der unsichtbare hauchdünne Harzfilm will in letzter Konsequenz nicht weichen und lagert sich immer wieder in den Vergasern ab. Letzte Rettungsmöglichkeit, bevor drastische Maßnahmen ergriffen werden müssen, ist die Yamaha-Vergaser-Reinigungsflüssigkeit, welche uns von führenden Oldtimer-Restauratoren empfohlen wurde. Leider ist sie voraussichtliche nicht mehr lieferbar.

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Verschwörungstheorien

Die scheinbar unbedarften Ökos sind an der Macht. Erst machen sie den Sprit teuer und schlecht, dann verbieten sie die einzigen Rettungsmittel. Fast könnte man an eine Verschwörung zur Ausrottung aller Verbrennungsmotore glauben. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und noch längst sind nicht alle Hausmittel erschöpft und erst recht nicht alle Kontakte aktiviert. Die Benzinmenschen werden zurückschlagen...


Text & Fotos: Pabi