Yamaha XT 600 E

Yamaha XT 600 E


Japanischer Eintopf

Die Yamaha XT600E ist so unkompliziert, zuverlässig und solide wie das alte Mountainbike aus Schulzeiten. Die Yamaha XT600E war die letzte aus einer langen Reihe von luftgekühlten Einzylindern, beginnend mit dem Original, der sehr beliebten Yamaha XT500 aus den 70er Jahren.

Sie ist eine wahre Allzweck-Maschine: bescheiden, gut abgerundet, unkompliziert und ohne Schnörkel. Man darf daher keine Rüschen oder irgendwelchen Schnick-Schnack erwarten. Dafür findet man auch kaum einen ehrlicheren Begleiter. Dennoch hatte die Yamaha gerade zum Ende ihrer Bauzeit einen schweren Stand. Die Konkurrenz hatte deutlich früher nachgelegt. So brachte BMW mit der F650 eine starken Kontrahenten. Heute hält Yamaha mit der XT660Z Tenere die Fahne der Einzylinderenduros weiter hoch.

Motor XT600

Absolut zuverlässig und so unkompliziert wie ein Motor nur sein kann. Inzwischen ist man in der Entwicklung generell weiter was Flüssigkeitskühlung, Benzineinspritzung und Multi-Ventil-Systeme betrifft. Aber ehrlich gesagt, mit diesem zuverlässigen Bike könnte man so manche Wüste durchqueren. Wo nicht viel Technik montiert ist, kann auch weniger kaputt gehen. Im Laufe der Zeit sank die Leistung auf zuletzt 40 PS. Die Pferdchen sind Opfer der immer restriktiveren Geräuschbestimmungen geworden. Die Leistungsentfaltung ist stets typisch einzylindrig geblieben: unter 3.000 Umdrehungen ist es gerne mal ruckelig, ab dieser Marke geht es mächtig voran. Allerdings geht dem Single dann auch schnell die Puste aus. Dazu gehört natürlich das dumpfe Bollern aus dem Auspuff. Frühe Modelle aus Zeiten legal lauterer Auspuffklänge bringen heutzutage eifrige junge TÜV-Prüfer ob des Sounds schnell aus der Fassung. Ja, die gute alte Zeit …

Fahrverhalten und Handling

Die Yamaha XT600E will in erster Linie ein Geländemotorrad sein. Die Reifen sind halbgrobenstollig, die Federwege sind lang, der Fahrer sitzt entsprechend weit oben. Natürlich sind die wenigsten XT tatsächlich dauerhaft im Gelände eingesetzt worden. Eher schon im Asphalt-Dschungel. Denn die hohe und aufrechte Sitzposition sorgt für eine hervorragende Übersicht. Der breite Lenker und das spielerische Handling sorgen für gutes Vorankommen im engen Großstadtverkehr. Um die Blechlawine hinter sich zu lassen, reicht die Leistung locker aus. Abseits der Stadtgrenzen kommt das Yamaha Motorrad dann doch schnell an ihre Grenzen. Schnell stellt sich der Wunsch nach mehr Leistung ein. Auf der Landstraße kommt man noch ganz gut klar. In engem Geläuf kommt es ja weniger auf Leistung als auf das Handling an. Und hier spielt die XT groß auf. Schräglagenwechsel gehen wir von selbst, fast scheint es als würde sich die XT schon zur Seite neigen wenn man an eine Kurve denkt. Die langen Federwege stecken so gut wie alles weg. Wo andere Motorräder schon bocken, zieht die Yamaha unbeeindruckt ihre Bahn. Aber die Sache hat auch ihre Kehrseite: schon bei gemässigten Bremsmanövern taucht die Gabel in den Keller ab. Und von der Scheibenbremse im Vorderrad sollte man auch keine Wunder erwarten. Aber um auf der Hausstrecke so manch stärkerem Motorrad in engen Kurven das Nachsehen zu geben, macht auch Laune. Auch wenn die dann auf der nächsten Geraden gnadenlos vorbei brettern.

Ausstattung/Bedienung

Positiv gesagt: zweckmässig. Der Vergleich mit einem VW Käfer liegt nahe. Der hatte grundsätzlich auch alles an Bord was man brauchte. Dies gilt auch für die XT. Da genügt schon der Blick auf die Instrumente: 2 eckige Kästen, der linke für den Tacho, der rechte für den Drehzahlmesser und ein paar funzelige Kontrolllämpchen. Das war’s. Die Bedienung ist entsprechend einfach. Alles findet sich genau da wo man es sucht.

Fahrzit XT600

Die Yamaha XT600E trieft auf jeden Fall nicht vor lauter dicker Farbe und glänzendem Chrom. Sie ist jedoch robust, dauerhaft und zuverlässig. Das Angebot auf dem Gebrauchtmarkt ist aufgrund der langen Bauzeit riesig. Für die Stadt optimal, auf der Landstraße spassig. Das sind die positiven Seiten. Für die lange Reise muß man allerdings Geduld mitbringen, hier muß man es gemütlich angehen. Wer damit leben kann, findet in der XT einen treuen Begleiter mit stampfendem Einzylindercharme.