Tagebuch Motorradtour Franken, Teil 1

Tagebuch Motorradtour Franken, Teil 1


Das schöne Herz von Deutschland

Auf geht's ins schöne Herz von Deutschland – nach Franken. Wer hier noch nicht getourt ist, sollte die Region mit ihren reizvollen Landschaften, zahlreichen Sehenswürdigkeiten und rundum tollen Motorradstrecken für die kommende Tourplanung auf jeden Fall dick rot anstreichen. Neben den obengenannen Pluspunkten und den sehr gastfreundlichen „Eingeborenen“ gibt es noch einen weiteren Vorzug: Franken ist sowohl Bier- als auch Weinland, denn hier gibt es nicht nur eine enorm hohe Dichte kleiner aber feiner Privatbrauereien und ihre Produkte zu entdecken, sondern auch die fränkischen Weinbauern haben eine Menge zu bieten. Neben den abwechslungsreichen Landschaften und Straßen – nach Wunsch von Enduro- bis Cruiser-Terrain – ist also auch in Sachen wohlschmeckender Flüssigkeiten bei einer Frankentour für jeden etwas dabei!

Motorradtour Franken, 1. Tag Anreise

Nach der ersten Staus rund um Stuttgart mit rund 1 Stunde Zeitverlust hatte ich meinen ursprünglichen Plan einer gemütlichen Landstraßenpartie mit unserer Dauertest-Triumph Thunderbird Storm schnell in die ewigen Jagdgründe geschickt – sei's drum: dann kommt halt jetzt das überfällige Kapitel Highspeed-Test. Auf der A 81 Richtung Würzburg läßt sich dies auch vortrefflich umsetzen – inklusive einem Trainingsblock Nackenmuskel- und Adduktorentraining. Das Birdy-Fazit: Die Kiste rennt auch an Steigungen wenn es sein muss konstant Tacho 190-200 und brummt dabei mit gemütlichen 4.800 U-min unangestrengt vor sich hin, ist schon ein Wahnsinns-Motor! Die „Dicke“ wird allerdings bei Top-Speed etwas nervöser um die Hochachse, was aber nie in Richtung Pendeln geht, also alles gut! Auch der Verbrauch auf dieser Dauervollgas-Etappe bleibt im Rahmen: rund 8 Liter.

Ankunft am Weinberg (AB)

Bei der Ankunft im Tourgebiet geht es gleich mit einem Highlight los: Kurz vor dem Übernachtungsort, dem sehr schönen Hotel Schloss Saaleck (www.burgsaaleck.de, nahe dem Städtchen Hammelburg an der A7 gelegen), weist uns ein netter Herr auf den geplanten Fotopunkt in den Weinbergen hin. Gesagt, getan, mit meiner 320 kg Thunderbird geht es also gleich mal ein paar hundert Meter offroad durch schlammiges Geläuf hinter einer 800er Tiger her, jetzt hätte ich wahrlich gerne kurz die Moppeds getauscht...

Aber der Offroad-Trip hat sich gelohnt! Was folgt, ist eine extrem stilvolle Weinprobe an berufenem Ort: Das „Cavaliershäuschen“ der Fürstäbte von Fulda, die hier in früheren Jahrhunderten die Produkte ihrer Ländereien gleich vor Ort verköstigten und sich dabei auch von geneigten Damen bespaßen ließen, liegt wie gemalt in den Weinbergen und dient der Winzerfamilie Lange als ideale Eventlocation. Für uns gibt es hier natürlich leckeren Wein und dazu die fachkundigen Erklärungen von Weingutschefin Ulrike Lange (www.weingut-schloss-saaleck.de – auf die Veranstaltungen achten!) dazu verwöhnt uns auch die fränkische Sonne, ein toller Einstieg in den „Wein-Teil“ von Franken, der durch die ebenfalls empfehlenswerten Tropfen zum nicht minder leckeren Abendmenü im Schlossrestaurant nochmals abgerundet wird. Wenn es so bleibt, wird es sicher eine klasse Tour!

Heiliger Berg der Franken: Kurven am Kreuzberg (vdf)

Motorradtour Franken, 2. Tag

Am ersten richtigen Fahrtag der Tour geht es von Hammelburg – das mit der erstmaligen Erwähnung im Jahr 777 übrigens als ältester Weinort Frankens gilt – quer durch den südlichen Teil der Rhön. Erster Etappenhalt ist der 928 Meter hohe Kreuzberg in der Nähe von Bischofsheim. Die Tatsache, dass es hierhin in jedem Jahr alleine etwa 70–80 Wallfahrten aus ganz Franken gibt, belegt klar, dass sein Beiname als „Heiliger Berg der Franken“ zu Recht besteht. Da die dort ansässigen Franziskanermönche seit dem Jahr 1731 das von ihnen vor Ort gebraute Bier auch an Nicht-Mönche ausschenken, kam der Wallfahrtslust der Einheimischen sicher zugute (www.kreuzbergbier.de). Da wir noch weiter wollen, verzichten wir auf eine Verkostung und genießen die schönen Straßen und weiten Ausblicke, die die nur gering bewaldeten Höhen der Rhön (www.naturpark-rhoen.de) immer wieder ermöglichen.

Stilvoll kuren – Ankunft in Bad Brückenau (vdf)

Die nächste Zwischenstation ist von einem anderen „Saft“ geprägt: Im nur einen Steinwurf vor der Grenze zu Hessen liegende bayerischen Staatsbad Bad Brückenau (www.bad-brueckenau.de - www.baederland-bayerische-rhoen.de) dreht sich alles um die heilende Wirkung der aus sieben unterschiedlichen Quellen sprudelnden Heilwässer. Hier im malerischen Tal des Flusses Sinn schuf sich der Wittelsbacherkönig Ludwig I. zwischen 1819 und 1848 eine Reihe „maßgeschneiderter“ klassizistischer Bauten, die stilvoll in eine großzügige Parkanlage eingebettet wurden – nicht zuletzt auch ein passender Rahmen für des Königs Liason mit der Schauspielerin und Sängerin Lola Montez. Heute trägt eine der Heilwasserquellen den Namen dieser berüchtigten Lebedame – natürlich soll der regelmäßige Genuss dieses speziellen Wassers neben der positiven gesundheitlichen Effekte auch zu besonderer Schönheit führen. Wer dies ausprobieren möchte, ist in der neu eingerichteten „Heilquellen-Lounge“ im Kurpark richtig: Insgesamt fünf der Brückenauer Quellen sprudeln hier zur kostenlosen Trink-Kur – wohl bekomm's!

Traumblick: der Main bei Klingenberg (TK)

Nach ausgiebigem H2O-Genuss geht es für uns wieder auf die Piste – als nächstes Ziel steht der Spessart (www.spessart-mainland.de) auf dem Plan. Das von den Flüssen Sinn, Kinzig und Main eingeschlossene Mittelgebirge ist ebenso dünn besiedelt wie dicht bewaldet und bietet daher einen idealen Rahmen, um im satten Grün die Biker-Seele baumeln zu lassen. Wie auch die anderen fränkischen Regionen auf unserer Tour ist auch der Spessart straßenmäßig gut erschlossen aber gleichwohl mit wenig Verkehr gesegnet – kurz gesagt: perfekte Bedingungen für Tourenspaß ohne Streß. Nach dem „Pflichtabstecher“ zum wirklich schnuckeligen Parade-Wasserschloss nach Mespelbrunn (www.schloss-mespelbrunn.de) genießen wir nur wenige Kilometer später die traumhafte Aussicht auf den Main von den Terrassen der Burgruine von Klingenberg (www.burgterrasse.de). Jetzt sind wir auch wieder mitten im fränkischen Weinland angekommen, denn rund um das Städtchen liegen einige der bekanntesten Rotwein-(Steil-)Lagen des fränkischen Weinbaus. Einige Kilometer weiter erreichen wir den Etappenzielort Lohr am Main. Am Hotel angekommen gibt es zur Stärkung erst mal frische Äpfel – ja, richtig gelesen – allerdings haben wir das wohlverdiente Ankomm-Bier nur deswegen verschoben, da das „Schneewittchen“ höchstpersönlich die diesmal garantiert giftfreien Willkommensfrüchte verteilt. Der Grund für den Auftritt der Sagengestalt ist einfach: Viele Details des „Top-Ten-Märchens“ deuten darauf hin, dass das Schicksal einer lokalen Bürgerstochter aus Lohr als Grundlage der von den Gebrüdern Grimm aufgeschriebenen Story gedient hat. Da der Apfel leider nicht lange vorhält drängt es das Bikergrüppchen schon bald in die Lohrer Altstadt (www.lohr.de), die den vorigen Etappenzielen in Sachen einer vollen Fachwerk-Dosis nicht nachsteht. Wem das als Touristikziel nicht reicht, sei ergänzend das Spessart-Museum im Ort ans Herz gelegt.

Postkarte live: das Wasserschloss Mespelbrunn (vdf)