Paradores-Tour BMW Motorrad Testcamp Almeria

Paradores-Tour BMW Motorrad Testcamp Almeria


Weihnachten, Ostern und Geburtstag auf einma

Winterzeit ist Leidenszeit – zumindest für leidenschaftliche Motorradfahrer. Und als solcher outet sich der Autor gerne. Es gibt zwar hartgesottene Ganzjahres- und unverdrossene „ich-campe-auch-bei-Schnee-Elefantentreffen“-Fahrer, die meinen höchsten Respekt genießen – ich brauche das allerdings nicht. Ich bevorzuge dann doch eher Wärme, Sonne und blauen Himmel. Und wenn die Herberge eine Wellness-Abteilung nebst hervorragender Küche hat, ist es auch kein Nachteil. Ach ja, Gepäck am Motorrad kann lästig sein. Überhaupt, ich will mich nicht groß kümmern sondern Motorrad fahren. Zu viele Ansprüche gerade in den Wintermonaten? Eben nicht.

Ja, ich gebe es zu: mit zunehmenden Alter bin ich weich geworden. Aber mir geht es wie vielen anderen auch. Die Freizeit ist ein ständig knapper werdendes Gut, da ist mein Wille zu Kompromissen im Urlaub deutlich gesunken. Statt Ferienwohnung mit Eigenverpflegung zieht es mich heute zu komfortablen Unterkünften mit leckerer Küche und rund-um-sorglos-Paket. Gerade nach einer ausgiebigen Tagestour strecke ich die müden Knochen gerne nochmal in der Sauna oder am Pool und setze mich ebenso gerne abends an den gedeckten Tisch. Und wenn wir schon dabei sind, die Urlaubsanfahrt auf 2 Rädern ist auch kein Spaß. Wie sagt man so gerne? Man kann halt nicht alles haben! Einspruch. Kann man sehr wohl, durfte ich am eigenen Leib erfahren.

Von der Küste bis zu Berpässen

Im Rahmen des BMW Motorrad Testcamps Almeria werden nämlich die Paradores-Touren angeboten. Für mich geht es Ende Februar mit dem Flieger Richtung Südspanien, genauer gesagt nach Andalusien, dem am südlichsten gelegenen „Bundesland“ Spaniens auf dem Festland. Während es bei uns trübe und kühl ist, lacht die Sonne hier fast täglich vom Himmel und lässt die Temperaturen tagsüber gerne mal die 20 Grad-Grenze übersteigen. Dazu verwöhnt Andalusien mit einer schier unbegrenzten Anzahl von Motorradstrecken in den unterschiedlichsten Landschaften. Von der kurvigen Küstenstraße bis zu Bergpässen über 2.000 Meter ist alles locker im Rahmen einer Tagestour möglich. Motorradfahren im Winter? Check!

Namensgebender Partner der Tour ist die Hotelkette der Paradores-Hotels. Die staatliche Hotelkette bietet vor allem luxuriöse Unterkünfte in alten Gemäuern wie Burgen oder Klöstern, aber auch moderne Hotels, fast immer in sehr exponierten Lagen. Gerne direkt am Meer, exklusiv in Hanglagen mit Blick über die Stadt, die Bucht oder beides oder gar Bestandteil eines Weltkulturerbes. Auf die einzelnen Unterkünfte komme ich später noch zu sprechen. Erstklassige Unterkünfte mit allem Drum und Dran? Check!

In Sachen Motorrad hat man die Qual der Wahl

In Sachen fahrbarer Untersatz hat man die Qual der Wahl, denn es steht die komplette BMW-Modellpalette zur Wahl. Vom Roller C600 Sport bis zum Luxustourer K1600 GTL Exklusiv, vom Allzweckgerät R1200GS bis zum Supersportler S1000RR. Am ersten Tourtag bleibt die Truppe in Mojacar, man kann also erst einmal Testen bevor man sich auf ein Motorrad festlegt. Und innerhalb der Gruppe ist jederzeit ein Tausch möglich, die Aussicht gleich mehrere Motorräder während der Tour zu fahren, ist entsprechend hoch. Bei uns ging dies wie folgt von statten. Am ersten Tag mit der R nineT begonnen und zur Mittagspause mit einem Kollegen auf die S1000R getauscht. Danach wählte ich eine R1200GS für die Tour. Doch das muntere Wechselspiel ging weiter. Die neue R1200RT war am 3. Tag dran, danach noch ein Tag mit der K1600 GTL. Also insgesamt 5 Motorräder ausführlich gefahren und getestet. Motorrad vor Ort? Check!

Top Team mit Gästen

Besonders erwähnenswert ist die hervorragende und sehr persönliche Betreuung vor Ort. Das geht bereits bei der Abholung los und endet mit der letzten Umarmung am Flughafen bei der Abreise. Während der Tour wird das Gepäck im Begleitfahrzeug verstaut, man selbst ist immer mit leichtem Gepäck unterwegs. Abends warten die Taschen dann schon im Hotel auf einen. Dazu wird man bei jedem Stopp mit Getränken und kleinen Snacks versorgt. Ausgiebig Kaffeepausen und Mittagessen sind sowieso Pflichtprogramm. Natürlich kann man guten Service erwarten. Aber die persönliche Note macht aus dem guten halt einen sehr guten Service. Das beginnt beim Veranstalter und geht bis zum Tourguide. Gepäckservice? Check! Rund-um-sorglos-Service? Doppel-Check!

Tag 1+2 – Parador de Mojácar

Sonnenaufgang am Parador de Mojácar

Das Parador in Mojácar liegt direkt am Strand, lediglich vom eigenen Garten und der Küstenstraße vom Strand getrennt. Es ist Start- und Endpunkt unserer einwöchigen Tour. Bei unserer Ankunft verdeckt der Himmel sein Blau mit dicken Wolken, dazu weht ein kräftiger Wind. Die Temperaturen liegen dennoch bei angenehmen 15 Grad. Nach einem vorzüglichen Abendessen mit dem einen oder anderen Glas vino tinto geht es mit steigender Vorfreude ob der kommenden Tage in die Falle. Am nächsten Morgen zeigt sich Freund Petrus von seiner besten Seite: Sonnenaufgang bei klarem blauem Himmel über dem Meer. Spätestens jetzt ist man im Urlaub angekommen. Da wir auch die zweite Nacht in Mojácar verbringen, geht es ins Hinterland Richtung Rennstrecke Circuito de Almeria, wo wir auch Mittagspause machen. Highlight ist eine der schönsten Motorradstrecken die ich kenne: die Alto de Velefique. Bis auf 1.860 Meter schlängelt sich die Straße den Berg hoch. Der einzig vorhandene Verkehr sind wir. Der Blick von oben auf den Straßenverlauf sorgt bei jedem Zweiradfan für wiederkehrende Gänsehaut. Entsprechend wird fleißig geknipst und geteilt um den Daheimgebliebenen die Tränen in die Augen zu treiben.

Tag 3 – Parador de Nerja

Zimmeraussicht im Parador de Nerja

Das Parador de Nerja ist auf den ersten Blick etwas unscheinbar, denn wie J.Lo kommt das Beste hinten. Im Falle des Hotels ist dies die Parkanlage die auf einer kleinen Steilküste direkt über der Bucht mit Strand liegt. Und es ist wieder der Morgen der einem diese Lage gefühlt auf dem Silbertablett serviert. Man öffnet das Fenster und schaut in diese Unmenge von Blau. Himmel und Meer strahlen um die Wette, die Sonne blinzelt über den Horizont und taucht die ganze Bucht in ein weiches Licht. Unbeschreiblich. Zur Erinnerung: es ist immer noch Ende Februar und in heimischen Breitengraden macht sich weiter die nass-kalte Wetterlage beliebt. Den Strand erreicht von vom Hotelgarten entweder über eine steile Treppe oder bequem per (Hoteleigenem) Aufzug. Das Ziel der Tagesetappe liegt nicht am Meer sondern ein Stück im Hinterland. Es geht nach Ronda.

Tag 4 – Parador de Ronda

Parador de Ronda

Ronda selbst besticht schon durch seine einmalige Lage. Die maurisch geprägte Altstadt liegt auf einem ringsum steil abfallenden Felsplateau. Als hätte ein Riese dieses Plateau als Hackklotz gebraucht, zieht sie eine ca. 100 m tiefe, El Tajo genannte Schlucht mitten hindurch. Diese wird von der Puente Nuevo (Neue Brücke) überspannt, die die Stadtteile auf beiden Seiten der Schlucht miteinander verbindet. Das Parador de Ronda ist direkt an der Brücke am Rand der Schlucht zu finden. Das nenne ich mal eine unverbaubare Aussicht. Und die hat es tatsächlich in sich. In den Abendstunden leuchtet die untergehende Sonne die Schlucht mit einem warmen Licht aus. Die gelblichen Felsen und das satte Grün der Vegetation wirken noch intensiver. Die komplette Altstadt die direkt an die Kante von El Tajo erbaut ist, zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Das Parador ist das ehemalige Rathaus der Stadt. Außen wurde die klassische Fassade erhalten, die sich wunderbar in das Bild der Altstadt integriert. Aber bereits im Innenhof trifft man auf den sehr modernen Umbau mit großer Glasfront zum Innenhof.

Tag 5 – Parador de Cadiz

Strandpromenade direkt am Parador de Cadiz

Die Fahrt führt uns nach Cadiz. Und wieder erwartet uns ein heftiger Kontrast. Das Parador de Cadiz ist ein nagelneues und ultramodernes Luxushotel. Es liegt im historischen Ortszentrum direkt am Strand. Außergewöhnliches Design, alles extrem stylisch und komplett anders als die bisherigen Häuser. Ein Augenöffner im wahrsten Sinne des Wortes auch die Zimmer. Die Zimmerkarte gibt den Zutritt frei und öffnet gleichzeitig die Sonnenschutz-Jalousien. Man betritt sein Zimmer und der nach oben fahrende Sichtschutz gibt über die komplett verglaste Front den Blick auf das Meer frei. Vorhang auf – Sommer rein. Dennoch hält uns das Zimmer nur kurz. Schnell umziehen und ab an die Strandpromenade. Es ist später Nachmittag, wir sitzen sonnenbebrillt direkt am Strand in der Sonne und genießen das Leben und den mittlerweile allgegenwärtigen Cafe con Leche. Um uns herum spanische Lebensart, von Massentourismus (noch) keine Spur. Wieso auch? Unser Grinsen wird immer breiter, denn wir haben quasi gleichzeitig den März und den Frühsommer geentert.

Tag 6 – Parador de Granada

Einzigartig: mit dem Motorrad auf der Alhambra in Granada

Ziel der Reise ist heute Malaga – doch vorher liegt ein einmaliges Etappenziel auf der Strecke. Das Parador de Granada. Klingt eigentlich wie alle bisher, schönes Hotel in Granada halt. Wir sind ja jetzt schon verwöhnt und die Erwartungen dementsprechend. Und dann stehen wir doch mit offenen Mündern da. Denn das Parador de Granada ist Bestandteil der Alhambra, der alten Stadtburg und Weltkulturerbe. Die Alhambra darf weder mit Auto noch mit Motorrad befahren werden. Für uns gibt es eine Ausnahme. 2 Motorräder dürfen nach oben fahren, der Rest der Truppe nimmt den Fußweg. Die Alhambra mit dem Motorrad zu besuchen, dürfte bis dato einmalig sein. Auf der wunderschönen Terrasse bekommen wir das Alhambra-Menu serviert. Mehrere Gänge traditioneller Speisen nach uralten Rezepten mit einem hohen Anteil an orientalischen Gewürzen. Eine Übernachtung ist hier allerdings nicht möglich – das Haus ist auf 2 Jahre komplett ausgebucht. Und das bei Zimmerpreisen ab 750 Euro die Nacht. 

Tag 6 – Parador Malaga de Gibralfaro

Aussicht über Malage vom Parador Malage de Gibralfaro

Glücklicherweise übernachten wir ja in Malaga. Das Parador Malaga de Gibralfaro ist ein im typischen Landesstil erbautes Haus direkt neben der Burg Gibralfaro. Wieder blicken wir von erhöhter Lage über die gesamte Stadt und das Meer. Speziell in der Dunkelheit ein einzigartiger Anblick, wenn sich die Stadt als Lichtermeer am Meer zeigt. Ich genieße jeden Augenblick und versuche so viel Urlaubsatmosphäre wie möglich in mich auf zu nehmen. Schließlich nähert sich unsere Tour dem Ende.

Tag 7 – Parador de Mojácar

Der letzte Tag – der letzte Abend. Ein letztes mal den ganzen Tag Kurven rocken, Cafe con Leche schlürfen, andalusische Sonne und blauen Himmel genießen. Im Parador de Mojácar stellt sich so etwas wie Home-Sweet-Home-Feeling ein. Der Abend wird lang, so manches Glas geleert und so manche Flasche geköpft. Spätestens bei den BMW Motorrad Days in Garmisch will sich die komplette Gruppe wieder treffen.

Reise-Fahrzit

Traumstraße Alto de Velefique

Die Paradores-Tour ist ganz großes Kino. Die Strecken in Andalusien sind einfach nur traumhaft, die Vielfältigkeit der Landschaft enorm. Es geht durch die karge Sierra Nevada mit schneebedeckten Gipfeln zu saftig-grünen Landschaften, von sich am Meer schlängelnden Küstenstraßen bis über hohe Gebirgspässe. Auf einer 340 km langen Tagestour sind jeweils 20 km von und zum Hotel als Anfahrt zu werten. Macht 300 km kurvige Strecke am Stück! Und wir sind nur einen Bruchteil der möglichen Strecken gefahren. Doch es sind nicht die Touren alleine, die diese Reise so außergewöhnlich macht. Zum einen ist da das Wetter. So viel Sonne, blauer Himmel und Licht zu dieser Jahreszeit ist einfach der Hammer. Man saugt diese Energie förmlich auf, lädt die Akkus neu. Dazu diese einzigartigen Hotels – jedes auf seine Art speziell und alle einfach erstklassig. Und schon klappt es doch: Weihnachten, Ostern und Geburtstag auf einen Schlag …