Dane Transhimalaya Trophy

Fahrtag 1+2 Dane Transhimalaya Trophy

1. Fahrtag – gleich mal volles Programm

Es geht von Srinagar nach Kargil. Wir verabschieden uns von den Hausbooten, die gesamte Truppe ist angespannt weil es endlich losgeht. Buddhi führt die Gruppe an, dazwischen platziert sich mit Moti der zweite Tourguide. Unser Doc Peter fährt am Ende, hinter ihm kommen noch der Bus mit dem Gepäck und der Mechanikerwagen. Diese Reihenfolge halten wir über die komplette Reise ein. Wir verlassen Srinagar und schwimmen mit dem Verkehr Richtung Gebirge. Nach ungefähr einer Stunde haben wir den Großraum Srinagar hinter uns und schrauben uns die Hänge hinauf. Ständig darauf achten: links fahren! Besagter Linksverkehr wird dann auch Andreas zum Verhängnis: er fährt auf der rechten Seite als ihm in einer Ortschaft ein Bus entgegen kommt. Die Straße ist nass, das Vorderrad blockiert und Andreas liegt vor dem ebenso vollbremsenden Bus auf der Nase. Glücklicherweise ist nur das Ego angeknackst, auffällig ist wie hilfsbereit die Passanten ihm zu Hilfe geeilt sind. Mit einem Schreck in den Knochen geht es weiter. Die Landschaft ist der in den Alpen nicht unähnlich, man könnte auch in Österreich oder der Schweiz unterwegs sein, lediglich Ortsdurchfahrten erinnern einen daran wo man unterwegs ist. Immer tiefer fahren wir in die Berge, zur Mittagszeit machen wir tatsächlich in einem Skiort Pause. Der künstlich geschaffene Ort hat tatsächlich vage Ähnlichkeiten zu Alpendörfern.

Dane Transhimalaya Trophy Fahrtag 1 16

Das Wetter ist grau, schwere Wolken hängen tief über den Bergen. Vor uns liegt der Zoji-La, unser erster Pass mit 3.528 Metern. Genau an dessen Auffahrt hat die asphaltierte Straßendecke ein Ende, zu allem Überfluss steht die Straße über gut 50 Meter unter Wasser. Es nutzt nichts, die erste von unzähligen Wasserfahrten liegt vor uns. Bis über die Radachse verschwindet das Vorderrad in der braunen Brühe, bollernd pflügt die Enfield durch die Riesenpfütze. Ich nehme viel Schwung mit und werde mit einer ausführlichen Dusche belohnt. Geil. Jetzt geht es den Zoji-La hoch und mit jedem Meter wird die Sicht schlechter und der Regen stärker. Die Straße selbst ist nur noch eine Schotterpiste, allerdings macht die Nässe den Belag zu einer sehr glitschigen Angelegenheit. Auf der einen Seite türmt sich der Berg, auf der anderen Seite geht es steil und für viele Meter hinunter. Ich komme mir vor wie in einer DMAX-Doku, die gefährlichsten Straßen der Welt.

Dane Transhimalaya Trophy Fahrtag 1 28

Spätestens als ich an einem umgekippten LKW vorbeifahre, mahne ich mich zu noch mehr Vorsicht. Denn man hat die Straße nicht für sich, im Gegenteil. Man fährt zwar auf einer Schotterpiste, die ist allerdings eine Hauptverbindungsstrecke und entsprechend stark befahren. Bunt geschmückte LKW, die allgegenwärtigen Toyota-Vans die als Taxis unterwegs sind und viele Geländewagen machen einem den wenigen Platz streitig. Je enger es um die Kurve geht, desto schlechter ist der Zustand der Fahrbahn. Die vielen LKW fordern hier ihren Tribut. Da will man nicht mehr von Schlaglöchern sprechen, Krater sind die bessere Beschreibung. Entsprechend schlängeln sich die Autos um die möglichst verträglichste Streckenführung zu finden, meist mit Schritttempo. Wir nutzen mit den Enfields die sich ergebenden Lücken und lassen die 4-Räder hinter uns. Überhaupt zeigt die Enfield jetzt was in ihr steckt. An sehr steilen Stücken zieht sie gefühlt mit jeder Zündung die Fuhre samt Fahrer nach oben, steckt jedes Schlagloch und jeden Stein klaglos weg. Geschwindigkeit spielt dabei keine Rolle, sicher durchkommen ist die Devise. Auf der Passhöhe sammeln sich dann alle Teilnehmer, tropfnass und doch glücklich. Auch wenn der eine oder andere sich mal abgelegt hat.

Dane Transhimalaya Trophy Fahrtag 1 32

Nach der Passhöhe ändert sich schlagartig das Wetter. Die Wolken verziehen sich, die Sonne kommt heraus. Und nach ein paar Kilometern hüllt sich die Straße auch wieder in eine schöne Asphaltdecke. Es geht hinab in ein breites Tal, hier und da sieht man Nomadenzelte und Pferde. Die Natur ist sehr beeindruckend und zeigt sich von ihrer schönen Seite. Die Straße schlängelt sich hinab, die Gruppe zieht es weit auseinander. Spätestens am nächsten Checkpoint sind wieder alle beisammen. Gruppen müssen an solchen Checkpoints immer gemeinsam weiterfahren, so weiß die Verwaltung in etwa wer sich wo befindet. Nach 220 Kilometern erreichen wir unser Tagesziel: Kargil. Die Stadt mit ca. 16.000 Einwohnern liegt auf 2.676 Metern. Die erste Strecke war sehr anstrengend, aber gleichzeitig auch wunderschön. Hatte sie doch von allem etwas.

2. Fahrtag – unsere erste Nacht über 3.000 Meter

Zum Frühstück gibt es Toast, dachte ich. Denn Armin weist mich darauf hin diesen mal genauer zu untersuchen. Und ja, auch mein getoastetes Weißbrot hat einen verdächtig aussehenden grünen Rand. Ich habe damit eigentlich gegessen, zwinge mir aber noch ein Stück Teigfladen runter. Der gestrige Tag hat seine Spuren hinterlassen. Insgesamt 7 Stürze waren zu verzeichnen. Die Gruppe wird aufgeteilt. Buddhi fährt mit den schnelleren vorneweg, Moti mit der zweiten Gruppe hinterher. Ich fahre bei Moti mit und der nimmt es mit dem Titel langsame Gruppe nicht wirklich ernst. Solange ich an ihm dranbleibe, gibt er Gas. Ich verliere die anderen so langsam aus dem Rückspiegel und nehme Gas weg. Als Moti sich von mir entfernt, gebe ich auch wieder Gas. Im Grunde genommen spielt es auch keine Rolle wie weit sich die Gruppe auseinander zieht. Denn es gibt keine Nebenstrecken, man kann in der Regel nur gerade aus fahren. So sammeln wir uns alle wieder bei einem kurzen Stopp an einer kleinen Tempelanlagen. Das Wetter zeigt sich von seiner schönen Seite, es ist warm und trocken. Am Himmel ziehen Wolken ihre Bahnen und tupfen mit ihren Schatten die sonnigen Berghänge. Nach gut 50 Kilometern geht es über den ersten Pass. Der Naimika La ist mit 3.007 Metern noch recht überschaubar und an diesem Tag auch gut befahrbar.

Dane Transhimalaya Trophy Fahrtag 2 20

Der Höhepunkt ist der Fotu La, wir überschreiten nach weiteren 30 Kilometern zum ersten Mal die 4.000er-Marke, genauer gesagt 4.108 Meter. Dank des guten Wetters und der gut zu befahrenden Strecke bringen wir die Tagesetappe von 110 Kilometern gut hinter uns. Ziel ist der kleine Ort Lamayuru auf 3.573 Metern. Unser Hotel ist direkt an das alte Kloster aus dem 11. Jahrhundert angeschlossen. Das kleine Örtchen liegt in einem engen Hochtal, um uns herum geben sich gleich mehrere Wettersituationen die Hand. Auf der einen Talseite lugt die Sonne über die Gipfel, auf der anderen entlädt sich lautstark ein Gewitter. Wir sitzen dazwischen im Trockenen. Einige erkunden die Umgebung und haben noch genug Luft Lamayuru von oben zu betrachten. Sie werden mit einem wunderschönen und unvergesslichen Anblick belohnt. Über dem Kloster spannt sich in ein wunderschöner Regenbogen in der Sonne.

Dane Transhimalaya Trophy Fahrtag 2 32

Wie weit weg wir von der sogenannten Zivilisation entfernt sind, merkt man an der Stromversorgung. Die gibt es nämlich nur von 19 bis 21 Uhr per Generator. Da die Toiletten auf dem Flur sind, ist jeder Gang in der Nacht ein kleines Abenteuer. Glücklicherweise habe ich eine Taschenlampe dabei. Doch die Höhe macht mir zu schaffen, Schlaf will sich dauerhaft nicht einstellen. Ich bin zwar hundemüde und schlafe schnell ein, aber die dünne Luft spielt meinem Körper Streiche. Kaum dämmere ich weg und mein Atem wird flacher, signalisiert mir mein Körper Sauerstoffknappheit. Ich erwache und japse nach Luft, beruhige mich wieder, schlafe ein und das Spiel geht von vorne los. Die ganze Nacht durch. Entsprechend gerädert fühle ich mich am nächsten Morgen.