Endurotour durch Mecklenburg-Vorpommern

Endurotour durch Mecklenburg-Vorpommern


Auf den Spuren der Grenze(n)

Am 9. November 1989 machte Günter Schabowski in einer Pressekonferenz die Grenzen der DDR auf. 25 Jahre später gehen wir, das sind der Schweizer, der Däne, der Fotograf und ich, zusammen mit Jochen Ehlers von Endurofun Tours auf Spurensuche und das in mehrfacher Hinsicht. Wir suchen Spuren der alten Grenze, die Spuren, die die Teilung in den Menschen hinterlassen hat und die Fahrspuren.

Mehr als einmal haben wir das Gefühl, das kann gar kein Weg sein auf dem wir uns bewegen. Enduro fahren mitten in Deutschland, mitten im Wald, mitten im Fluss, mitten im Tiefsand, mitten auf der Wiese. Und das legal.

Legal

Vorher konnte ich mir kaum vorstellen, dass man ca. 60 km östlich von Hamburg einen Tourguide braucht wenn man ein GPS und Karten hat, doch ich bin schnell eines Besseren belehrt. Jochen hat den Weg im Kopf und weiß, durch welche Gärten man fahren muss und auch fahren darf, um auf den nächsten zugewachsenen Feldweg zu kommen. Manche davon sind so sehr zugewachsen, dass der Weg über weite Strecken gar nicht mehr vorhanden scheint. Selten erinnert er an einen Trampelpfad und nur vereinzelt ist noch ein Rest einer Fahrspur zu entdecken bis kurz vor dem nächsten Dorf. Wenige hundert Meter vor dem Ortsschild wird der Weg sandig und wieder breit genug für ein Auto. Das sollen legal befahrbare Straßen in Deutschland sein? Irgendwie erwarte ich dass aus dem nächsten Garten ein Rentner heraus gerannt kommt und uns wütend beschimpft und mit der Polizei droht oder dass eine besorgte Mutti ihrer Kinder hinein ruft. Wenn tatsächlich jemand aus dem Garten kommt, dann um zu winken, zu grüßen und eine gute Fahrt zu wünschen oder einen kurzen Plausch zu halten. Wer schon mal den angsterfüllten Blick eines Odenwälders gesehen hat, wenn dieser sich vorstellt er fahre mit der Enduro über einen Waldweg und trifft dabei einen einheimischen Fußgänger kann sich in etwa vorstellen, wie anders die Welt ist, durch die wir fahren. Hier darf man seine Enduro abseits geteerter Straßen bewegen und die Einheimischen freuen sich uns zu sehen. 

High5

Früher war es nochmal ganz anders. Wie, erfahren wir im Heimatmuseum der Dorfrepublik Rüterberg. Der ehemalige Bürgermeister erzählt mehr von damals, als dass er uns die Ausstellungsstücke präsentiert. So wird Geschichte lebendig, wenn auch subjektiv eingefärbt. 

Die DDR hat das Dorf von 1968 bis 1989 mit einem Zaun nicht nur vor dem imperialistischen Westen sondern auch vor dem sozialistischen Osten „geschützt“. Wer ins Dorf hineinwollte und nicht dort lebte, brauchte mehr gute Gründe als Wartezeit für die Einreisegenehmigung. Das Verhältnis Grenzsoldaten zu Dorfbevölkerung war ca. eins zu eins und trotzdem haben sich auch von dort Menschen in den Westen abgesetzt. Das hatte dann für die Zurückgelassenen Konsequenzen wie Jobverlust und anderes. Theoretisch nichts Neues aber trotzdem hat diese  Information eine ganz andere Qualität, wenn sie mit konkreten Menschen und Schicksalen verbunden wird. Anhand solcher persönlicher Schicksale wird die Teilung für mich viel greifbarer als durch wenige stehengelassene museale Zaunstücke oder Wachtürme. Ähnlich persönliches erfahren wir auch im Lütt Museum in Alt Jabel, das neben der neuen Kirche von 1908 und der Ruine der alten Kirche von 1256 steht. Der Weg dorthin war natürlich wieder ein Enduro-Erlebniss  durch Wald und Flur.

Allee

Spuren der alten Grenzanlagen finden wir öfter an unerwarteter Stelle. Der Zaun aus gutem Schwedenstahl (Schweden lieferte den Zaun jedoch nicht direkt sondern mit Umweg über Österreich) wird weiter verwendet, er steht an Weiden oder hält Wildschweine vom Garten fern. Außerhalb der Dörfer sind Spuren der innerdeutschen Grenze nur selten zu finden. Wenn, dann sind es die ehemaligen Patrouillenwege der NVA, die aus zweispurig verlegten Betonplatten bestehen. Ansonsten fahren wir weiter fast ausschließlich unbefestigte Wege, je nach Region aus losem Sand, festem Boden oder hohes Gras. Wer mag, kann durch eine Furt fahren, die tiefer ist als das 21 Zoll Vorderrad hoch. Es gibt jedoch auch in der Nähe eine Bücke, so dass die Füße trocken bleiben können.

Am nächsten Tag geht es in eine andere Richtung weiter bis zu einer Dünenlandschaft, eine geschätzt einen auf zwei Kilometer großen Mini-Sandwüste. Eine gute Gelegenheit für das nächste Sahara-Abenteuer zu zu üben oder erste Schritte im richtig tiefen, weichen Sand zu wagen. Wieder kann ich nicht glauben, dass wir mitten in Deutschland sind, nicht nur wegen der Landschaft sondern vor allem wegen der Verbotsschilder, die hier weit und breit nicht zu sehen sind und der Menschen, die wir den Tag über treffen und immer freundlich sind obwohl wir mit dem Motorrad durch die Natur fahren. 

Sand

Wir fahren auf leichten Enduros: Beta Alp 4.0, KTM Freeride und EXC-F sowie Honda CRF 250L und die sind hier alle in ihrem Element solange wir die asphaltierten Bundestraßen meiden. Dort ist die Freeride fehl am Platz. Der Dunlop-Hinterreifen verliert seine Stollen obwohl wir mit ca. 80km/h langsamer fahren als auf manchen Schotter- oder Sandwegen. Neue Freerides sollen jetzt einen anderen Reifen haben. Die Reifen der anderen Enduros haben keine Probleme mit dem Asphalt. Die grobstolligen Reifen (mindestens TKC 80, gerne auch richtige Gelände-Spezialisten) haben natürlich auch keine Probleme mit den anderen Untergründen.

Wer keine eigenen kleine Enduro hat, kann sich bei Endurofun Tours eine leihen. Reiseenduros sollten neben richtigen Geländereifen auch einen offroad-erfahrenen Piloten haben.

Text & Video: Griesgram999

Bilder: Robert Pairan

Kontaktdaten ENDUROFUN Tours

ENDUROFUN Tours

Postfach 43

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