Insel Madeira

Insel Madeira


Reif für die Insel

Der Winter zog sich so lange hin wie selten und Anfang März war die Sehnsucht nach sonnigem Wetter und Motorradfahren nicht mehr auszuhalten. Was lag also näher, als der Insel des ewigen Frühlings einen Besuch abzustatten. Also, nichts wie hin nach Madeira.

Nur für Biker ohne Höhenangst

Nach nur knapp 4 Stunden landet der Jet aus dem kalten Deutschland auf der zu Portugal gehörenden Insel im atlantischen Ozean. Bereits um 9 Uhr morgens ist es mit knapp 20 Grad angenehm warm. Den am Himmel auftauchenden Wolken messen wir keine große Bedeutung bei, werden aber bald feststellen, dass sie auf Madeira den Motorradspaß gerne einmal mit ausgiebigem Nass einschränken.

Nach dem Einchecken im Hotel und der Übernahme der Leihmaschine starten wir von der Inselhauptstadt Funchal in Richtung Westküste, um im netten Örtchen Ribeira Brava unseren ersten Kaffee am Meer zu genießen. Schon auf dieser nur knapp 20km Strecke wird klar, dass die Strassen dieser Insel nur für erfahrene Biker ohne Höhenangst geeignet sind. Keine 100m ohne Kurve und teilweise abartige Anstiege und Gefälle. Immer wieder gigantische Ausblicke auf das Meer und in Felswände unterstreichen das einmalige Motorraderlebnis bei maximal 50km/h. Zum Glück sind die Portugiesen keine Raser und eher gemütlich und ohne Hektik unterwegs. Im Gegensatz zu manch spanischen und italienischen Regionen dient das Fahrzeug nicht zur Selbstbehauptung, sondern es geht recht höflich zu. Überhaupt scheint Aktivismus und übertriebener Einsatz nicht zu den Basiseigenschaften der Einheimischen zu gehören. So dauert es auch manchmal etwas länger, bis man im Cafe gesehen und bedient wird. Dann geschieht dann aber immer freundlich und zuvorkommend. Vorteil dieser Charaktereigenschaften ist auch, dass man außer in Funchal am Hafen, nicht von Akquisiteuren von Restaurants und Ausflugsschiffen belästigt wird und seinen Urlaub in Ruhe genießen kann. Massentourismus sucht man auf der Insel mangels Stränden ebenfalls vergebens. Individualtourismus ist angesagt. Wanderer, Gipfelstürmer, Mountainbiker und wir Motorradtourer haben die Insel fest in der Hand.

Entgegen aller Sicherheitsbedenken trage ich nur eine Jeans und Turnschuhe. Dies rächt sich sehr schnell, denn auf dem Weg Richtung Encumeada-Pass erwischt uns der Madeiraregen zum ersten Mal. Innerhalb kürzester Zeit bin ich komplett eingesaut und habe meine Kleidungslektion für die nächsten Tage schnell gelernt. Der Regen wird uns die ganze Woche immer wieder begleiten. Mit wasserfester Kleidung trübt das den Fahrspaß nur wenig, da die Güsse in der Regel kurz sind. Bedingt durch die permanente Bewässerung, wird man mit dem dauerhaften Grün der Insel und einer einmaligen Pflanzenwelt belohnt. Blumen wie Strilizien und Orchideen, für die wir bei uns ein kleines Vermögen zahlen, wachsen hier wild am Straßenrand. Die ganze Vielfalt an Obst und Gemüse wird in der Markthalle von Funchal präsentiert, die man unbedingt im Rahmen eines Hauptstadtbummels besichtigen sollte.

In unserer Woche auf der Insel fahren wir rund 750km. Dabei kommen wir selten auf über 150km am Tag, weil diese sicher einer 400km-Tour in Deutschland entsprechen und schließlich bietet die Insel landschaftlich soviel fürs Auge, dass schnelles Vorbeihuschen zu schade wäre. Diese Insel muss man einfach mit einem Motorrad erobern. Sie ist dafür geschaffen. Wir besuchen alle Highlights der Insel wie den über 1600m hohen Pico do Arieiro, die Madeira-Häuschen bei Santana, die Hochebene Paul da Serra und den bekannten Leuchtturm bei Ponta do Pargo. Hier erwischt uns zum Glück wieder mal richtiger Regen, denn der zwingt uns dem Schild zur 1km entfernten Gaststätte zu folgen.

Dort essen wir den besten Schokoladenkuchen des ganzen Urlaubs. Und den testen wir sonst noch oft. Genauso wie die Madeiraspezialitäten Degenfisch und den an einer speziellen Vorrichtung aufgehängten Rindfleischspieß. Abends, wenn das Bike abgestellt ist, genießen wir den bekannten Madeirawein oder maximal einen Alkoholhammer namens Poncha.

Und dann ist die Woche auch schon wieder zu Ende und wir müssen ins kalte Deutschland zurück, wo es während unseres Urlaubs noch mal richtig geschneit hat. Also, warum über das bisschen Regen auf Madeira ärgern, wenn man mit Kurven, Natur und kulinarischen Genüssen rundherum verwöhnt wurde.

MADEIRAINFOS


Die Insel Madeira gehört zu Portugal und liegt etwa 1.000km südwestlich von Lissabon im Atlantischen Ozean. Bei einer Länge von nur 53km und einer Breite von nur 24km sind bei einer höchsten Erhebung von 1862m alle Voraussetzungen für ein gigantisches und kurvenreiches Auf und Ab gegeben. Gebirge Landschaften und tiefeingeschnittene grüne Täler prägen das Bild der Insel. Im Winter liegen die Temperaturen selten unter 18 und im Sommer selten über 30 Grad.



Mietmotorräder

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Reiseführer / Kartenmaterial

Die Madeirakarte aus der Serie „Allianz-Freizeitkarte“ von MairDumont ist zwar groß und unhandlich, stellt aber ein unverzichtbares Planungsinstrument dar.

Im Buch „Die schönsten Motorrad-Inseln“ aus dem Bruckmann-Verlag, stellt der bekannte Motorrad-Reisejournalist Heinz E. Studt u.a. auch 3 Madeiratouren vor.



Text: Klaus Hinterschuster
Fotos: Elke Schäfer / Klaus Hinterschuster