Motorradtour Dolomiten

Motorradtour Dolomiten


3 Zinnen – Panoramastraße in den Sextener Dolomiten

Wie so oft Anfang September wird es langsam herbstlich im Voralpenland. Wir wollen unbedingt noch eine Wochenendtour mit einer Übernachtung durchführen. Zu dieser Jahreszeit sind die Dolomiten ideal, die Urlauberströme die diese wunderschöne Region im August überfluten, ebben nun schon wieder ab. Die Bergwanderer, die sich im Herbst hier tummeln, verteilen sich in diesem Gebiet und stören nicht. Also beladen wir die Boxerkuh und los geht es. Eine halbe Stunde später passieren wir die österreichische Grenze bei Kiefersfelden.

Auf zum Staller Sattel

Flugs wird der Pass Thurn erstürmt. Das Wetter präsentiert sich von seiner besten Seite, auch bei der Fahrt über die Felbertauernbundesstraße strahlt die Sonne von einem makellos blauem Himmel. Nach der Tunneldurchfahrt, die für Motorradler übrigens 8 Euro kostet, kehren wir im Gasthaus Tauernblick ein und genießen hervorragende osttiroler Schlipfkrapfen. Derart gestärkt besteigen wir unser Stahlross wieder um die italienische Grenze am Staller Sattel zu überqueren. Da die Straße auf der italienischen Seite z.T. Sehr schmal ist, darf diese nur einspurig befahren werden. Auf der Paßhöhe wird das mittels einer Ampel geregelt. Nur die ersten 15 Minuten jeder Stunde zeigt die Ampel grün. Wer zu früh oder zu spät kommt, muss auf die nächste Grünphase warten. Das kann man an der Paßhöhe machen und die Aussicht genießen oder in einer der dort vorhandenen Imbissbuden eine Kleinigkeit zu sich nehmen. Da wir die Aussicht oben schon öfter genießen durften und durch unseren Einkehrschwung auf der Felbertauernstraße bereits genügend gestärkt sind, bleiben wir am idyllisch gelegenen Obersee kurz vor der Paßhöhe stehen, setzen uns auf eine Bank mit Blick auf den See und lassen die schöne Landschaft auf uns wirken. Zur vollen Stunde brechen wir auf. In wenigen Minuten erreichen wir den Paßübergang und können direkt durchfahren. Damit haben wir auch das Warten in der Schlange vor der Ampel , sowie das hektische sich nach vorne schlängeln einiger Biker und bereits Minuten vor Beginn der Grünphase brummen der Motoren, um ja vor den Blechdosen losfahren zu können, vermieden. Nach der Durchquerung des Antholzener Tales machen wir einen Abstecher zum Pragser Wildsee. Wie ein Diamant schimmert der kleine See vor der malerischen Dolomiten - Kulisse.

Am Staller Sattel

Hier sind allerdings sehr viele Wochenendausflügler unterwegs und so verweilen wir nicht allzu lange. So suchen wir nach kurzer Zeit den immerhin kostenlosen Motorradparkplatz, der im Wald liegt, um den Bussen und Autos keinen Platz weg zu nehmen, auf. Wir wollen uns wieder auf den Weg zu machen. Zuerst muss das Maschinchen aber erst über die vielen freigelegten Baumwurzeln balanciert werden. Ich bin froh mit der GS hier einen gewissen Vorteil zu haben. Ein Goldwingfahrer neben mir kommt dabei heftig ins Schwitzen.  Nun fahren wir schnurstracks über den Kreuzbergbergpass und Passo San Antonio um bei Auronzo di Cadore ein Quartier für die Nacht zu suchen. Unser Quartier liegt schließlich bei Lorenzago di Cadore am Fuße des Passo del Mauria. Nachdem unser Quartier bezogen ist,  kann ich nicht widerstehen und so fahren wir noch kurz den Pass hoch. Nach der Rückkehr zum Hotel lassen wir den Abend bei unglaublich milder Luft mit einem Glässchen Rotwein auf der Hotelterrasse ausklingen.

3 Zinnen - Panoramastraße

Am nächsten Morgen ziehen Wolken auf. Der Wetterbericht, der nur einen schönen Tag voraussagte, scheint recht zu behalten. Als wir nach einem reichhaltigen Frühstück unser BMW Motorrad bepacken sind einzelne Lücken in den Wolken zu erspähen, es sieht noch nicht nach Regen aus. Wir beschließen über den Misurinapass zu fahren und oben je nach Wetterlage zu entscheiden ob wir die ursprünglich geplante Fahrt auf die 3 Zinnen Panoramastraße noch anhängen. Auf dem Pass angekommen sieht das Wetter ganz ordentlich aus es hellt ein wenig auf und für uns ist klar, wir fahren zum Rifugio Auronzo um den 3 Zinnen ganz nah zu kommen. Elf Euro sind zwar ein stolzer Preis aber die traumhaften Kurven und die tolle Landschaft entschädigen uns dafür. Auch diese wunderschöne Panoramastraße verdanken wir dem Wahnsinn des ersten Weltkrieges. Damals verlief die Frontlinie im Bereich der  3 Zinnen. Um die italienischen Truppen mit Nachschub versorgen zu können wurde diese Straße gebaut. Auf 2333 m Höhe befindet sich das Rifugio Auronzo, hier stellen wir unser Krad ab und blicken auf die Berge ringsum. Auch der Blick ins Tal ist einfach nur Klasse. Von hier aus könnte man sehr schöne Wanderungen unternehmen, mit unserer Kleidung unterlassen wir das lieber.

Blick ins tal am Rifugio Auronzo

Bei der Abfahrt nutzen wir die Zeit um uns den kleinen Lago d' Antorno anzusehen. Mir fällt es immer wieder schwer in solch unglaublich schönen Gegenden den Mittelweg zwischen Landschafts- und Kurvengenuss zu finden. Das Kurvenwedeln ist einfach unglaublich faszinierend aber ich muss immer wieder anhalten um die Landschaft in mich aufzusaugen. Aber nun genug geschwärmt, wir müssen weiter in Richtung Heimat. Der spektakulärste Teil dieser Ausfahrt liegt nun schon hinter uns. Der Rest zurück durch das Pustertal und wieder über die Felbertauernstraße in unsere Region hat zwar auch einiges zu bieten. Ein paar Tage mehr um noch länger in den Dolomiten zu verweilen wären jetzt trotzdem eine Wucht. Bei der Heimfahrt gibt es noch eine Schrecksekunde auf dem Parkplatz eines Gasthofes in dem vor uns eine größere Gruppe Münchener Biker halt macht und versucht sich auf die Parkplätze zu verteilen. Ein Fahrer aus der Gruppe glaubt mit Schwung auf eine kleine Anhöhe fahren zu müssen und holt meine Frau und mich dabei beim Beschleunigen seines 170 PS Gefährts fast vom Sattel. Ca. 30 cm vor meinem Vorderreifen schießt er an uns vorbei – tolle Show – ich kann gar nicht darüber lachen.

Kufsteiner Altstadt

Es ist glücklicherweise nochmal gut gegangen, ich überlege kurz ob es sinnvoll wäre, die Höhe der PS-Zahl an die Höhe des IQ zu koppeln. Da es erfahrungsgemäß keinen Sinn macht mit solchen Leuten über die Gefährlichkeit der Situation zu sprechen, eine sachliche Diskussion würde wohl nicht zu Stande kommen, ziehe ich es vor  weiter über den Pass Thurn zu fahren um einen anderen Gasthof für unseren abschließenden Einkehrschwung zu suchen. Beim Waldwirt speisen wir richtig gut und lassen die kurze Reise nochmal Revue passieren. Das Leben kann so schön sein! Von hier aus sind wir in einer guten Stunde zu Hause. Da bleibt noch Zeit durch die Kufsteiner Altstadt zu bummeln und im Auracher Löchl auf den gemütlich vorbei fließenden Inn zu schauen und dabei einen Cappuccino zu schlürfen.

Unser Fazit, die Dolomiten sind immer wieder eine Reise wert, auch wenn's nur zwei Tage sind.

Text & Fotos: Hermann Kreidenhuber (Kreidl)