Motorradtour Vorarlberg + Bregenzerwald

Motorradtour Vorarlberg + Bregenzerwald


Gemütlichkeit ist Trumpf

Vorarlberg ist – sieht man von Wien einmal ab – das kleinste Bundesland Österreichs. Und das spornt bekanntlich mächtig an. Zumal die Natur diesen westlichsten Zipfel Österreichs mit viel Herrlichkeit auf Erden bedacht hat. Ein geradezu ideales Kurvenparadies für einen Spontantrip oder ein ordentlich verlängertes Wochenende.

„Land der Kleinode“ nennen die Vorarlberger ihre Heimat. Und eine 10-seitige, eng bedruckte Broschüre des Tourismusamtes listet die Details darüber auf. Aber ganz unter uns gesagt, das wichtigste Highlight der Region sind seine ungezählten Kurven inmitten prächtiger Landschaften. Und die wollen wir einmal ganz intensiv genießen. Mein Tipp vorweg: Suchen Sie sich doch ein Quartier im hübschen Städtchen Bludenz, der südlichsten Stadt Vorarlbergs. Und jene Nähe zum Süden prägt das Flair dieser sehenswerten Alpenstadt.

Perfektes Warm-up

Als Einstieg in das Thema gönnen wir uns eine gemütliche, gut 180 Kilometer lange Rundtour durch den Bregenzerwald und die Grenzregionen mit Deutschland. Und zwei Pässe sind natürlich auch dabei – als perfektes Warm-up für eine noch perfektere Reise. Wir verlassen Bludenz gen Norden und folgen den Wegweisern nach Ludesch und Thüringerberg. Dort lockt uns zu einem kurzen Abstecher rechter Hand das Faschinajoch, dann geht es über Rankweil entlang der Osthänge des Rheintales mit immer wieder herrlichen Ausblicken auf den Rhein selbst sowie das angrenzende Fürstentum Liechtenstein. In Dornbirn sind können wir die Weite des schwäbischen Meeres bereits deutlich spüren, doch das ist ein ganz anderes Thema. Wahrlich Spektakuläres hat die Natur nahe der Stadt in Form der berühmten Rappenloch-Schlucht geformt. Falls Sie sich ein wenig die Beine vertreten wollen, empfehle ich einen kurzen Abstecher dorthin zu unternehmen.

Damuels Furkajoch

Ab in die Einsamkeit

Bevor wir uns jetzt in der ganzjährig quirligen Lebendigkeit des Bodenseeufers verlieren, setzen wir bei Schwarzach den Blinker rechts Richtung Alberschwende und Egg in die Geruhsamkeit rund um den Bregenzerwald. Mächtig viel Wald begrenzt zwar immer wieder den weit schweifenden Blick, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns dem zweiten Pass des Tages nähern. Gleich hinter Damüls geht es hinauf zum Furkajoch, 1761 Höhenmeter gilt es zu erklimmen, im Bergdorf Laterns heißt es gekonnt wenden, um Richtung Faschinajoch abzubiegen. An der Südflanke des 1486 m hohen Jochs liegt das beschauliche Örtchen Sonntag. Kein Witz, das hübsche Dorf heißt wirklich so. Welch ein gelungener Ortsname. Dort zu leben muss einfach Spaß machen – schließlich ist hier eigentlich jeder Tag ein Sonntag.

Die quirlige Altstadt von Bludenz lädt uns anschließend ein, diesen ersten Tourentag gemütlich ausklingen zu lassen. Denn morgen schon geht es ab in die Berge – die richtig hohen versteht sich.

Rheintal

Panoramen vom Feinsten

Die „Silvretta-Hochalpenstraße“ als eine der schönsten Bikerstrecken des Alpenraumes steht anderntags groß und fett auf unserem Roadbook. Gleich frühmorgens geht es Richtung Süden aus Bludenz hinaus. Über Schruns und St. Gallenkirch schwingen wir durch das herrliche Montafon, bevor wir unmittelbar hinter Partennen beginnen, uns in Spitzkehren hinauf in den Alpenhimmel zu schrauben. Denn jetzt liegt sie vor uns: die „Silvretta-Hochalpenstraße“. Sie eröffnet uns für gut 10 Euro Bikermaut die hochalpine Welt des 3.312m hohen Piz Buin, des höchsten Gipfels Vorarlbergs. Ach ja und falls Sie sich immer schon gefragt haben, ob der Berg und eine der bekanntesten Sonnencremes der Welt irgendwie zusammenhängen? Jawohl, er war der Namensgeber der Creme.
Ausblicke und Pausenplätzchen vom Feinsten liegen rechts und links des Lenkers, Kohorten von Bikern begleiten uns von Frühling bis Herbst vor allem an den Wochenenden auf dem Weg zur Bielerhöhe, zum mächtigen Silvretta-Stausee. Dessen Parkplatz ist samstags und sonntags oftmals fest in unserer Gashand. Benzingespräche, Technikgeplauder und das nicht unwichtige „Sehen-und-Gesehen-werden“ füllen rasch mehrere Stunden.

Silvretta Bielerhoehe


Natürlich haben es Arlberg- und Flexenpass auf unserem weiteren Rundweg schwer, sich gegen die Eindrücke der Silvretta-Hochalpenstraße zu behaupten. Geben Sie dennoch vor allem dem kleinen Abstecher zum Flexenpass eine Chance und genießen Sie bei einem koffeinhaltigen Einkehrschwung in einem der zahlreichen Cafés entlang der Strecke die Stimmung in den Vorarlberger Bergen. Es lohnt sich. Dazu schwingen wir über Galtür und Ischgl zunächst Richtung Osten, zweigen kurz vor Landeck links ab Richtung St. Anton am Arlberg und pendeln anschließend gemütlich über die B197 wieder Richtung Westen.

Falls sich aber der Tag bereits dem Ende zuneigt, empfehle ich Richtung Bludenz erst einmal ordentlich „Strecke zu machen“ und zügig zu unserem morgendlichen Ausgangspunkt zurückzukehren. Denn Arlberg- und Flexenpass gönnen wir uns auch anderntags noch gönnen. In Bludenz hingegen wartet ein Tagesabschluss-Genuss auf uns, der bestimmt in Erinnerung bleiben wird: das Brandnertal.
Vorarlberg Kaese

Eile mit Weile

Kaum haben wir das Verkehrsgewühl um Bludenz hinter uns gelassen, wird es schlagartig mucksmäuschenstill. Kein Auto, ja kaum ein Biker ist mit uns in Richtung Bürserberg und Brand unterwegs. Okay - es handelt sich um eine Sackgasse, die Kehrtwende am Talschluss ist obligatorisch. Doch was soll’s, die Piste ins Tal immer mit Blick auf die mächtige Brandnerspitze ist herrlich zu fahren. Aus prallen, vor Blüten nur so überquellenden Sommerwiesen geht es Kehre um Kehre bergan, immer alpiner wird die Landschaft, bis sie sich schließlich nach gut 25 Kilometern per Seilbahn und Wanderwegen nur noch den Fußgängern erschließt. Rasch suchen wir uns hier oben ein hübsches Pausenplätzchen mit Aussicht, befreien uns von Helm und Bikerklamotten, strecken die Füße in den munter sprudelnden, herrlich erfrischenden Alvier-Bach und schauen dem Rest des Tages beim Vergehen zu. Das ist Kontrastprogramm vom Feinsten, das ist porentiefe Entspannung.

Zeinis Kops