Reise-Reportage „Italien – Dolomiten“

Reise-Reportage „Italien – Dolomiten“


Vorsicht Suchtgefahr

So ein Motorrad-Sommer in den italienischen Dolomiten ist kaum zu toppen. Alpiner Kurvenspaß im Land der Ducatisti, unsere Tage prall gefüllt mit Kurven und Schräglagen über höchste Gipfel und durch traumhafte Täler – all das macht süchtig nach mehr. Garantiert.

Diese Geschichte spielt im Sommer. Genauer gesagt im richtig prächtigen Dolomitensommer. Also dem Sommer, der jetzt gerade ein ganz Kleinwenig südöstlich des Brenners stattfindet. Aber Vorsicht, dieses Thema kann süchtig machen. Bei Nebenwirkungen, wie chronisch juckender Gashand, kontaktieren Sie bitte umgehend den Mopedhändler Ihres Vertrauens!

Und gesund ist’s auch …
Corvara lautet mein Tipp für den besten Tourenstandort in den Dolomiten. Denn das touristisch geprägte, aber weitgehend noch rummelfreie Städtchen zu Füßen des mächtigen Sasongher-Gipfels bietet alle Annehmlichkeiten, die wir uns nach einem langen Tag im Sattel wünschen. Doch das Beste an Corvara: Von hier aus liegen alle berühmten Dolomitenpässe beinahe schon in Sichtweite. Aber genug gelabert – auf geht’s zum Kurventanz … 

Corvara

Die Sonne klettert gerade erst über die umliegenden Felsgipfel, als Sozia Kisten und ich bereits im Sattel unserer Varadero gen Westen huschen. Auf gut ausgebauter Straße geht es hinauf zum Grödnerjoch auf 2.137 m. Gleich nach den ersten Spitzkehren meldet sich meine innere Stimme mit „studti – da geht no woas… des is no lang ned rund!“ Apropos: Rund um die obligatorischen Andenkenläden auf der Passhöhe schnattern bereits die ersten Italo-Biker fröhlich um die Wette. Da war doch glatt jemand noch früher auf den Reifen als wir: Hut ab Kollegen.

Duran Rampe

Runde 1 – freies Training

Drei Touren habe ich Ihnen hier zusammengestellt, die das Thema Dolomiten in seiner ganzen Pracht erfassen. Damit wir Platz für schöne Bildstrecken haben, gestatten Sie mir, mich fortan kurz zu fassen. In weiten Bögen schwingt die Passstraße vom Grödnerjoch nach Westen, ehrfurchtsvoll schiebt sich der gewaltige Block der Sella-Gruppe in unser Blickfeld. „Dolomit“ heißt das nach dem französischen Forscher Dolomieu benannte, hier sehr häufige Mineralgestein, das vor satten 40 Millionen Jahren dieses hochalpine Motorradparadies formte. Am Sellajoch selbst steppt an jedem Sommertag der berühmte Bär, hier stapeln sich Biker, Rennradler, Auto- und Wohnmobilisten von früh bis spät bei dem Versuch, die an sich eher hässlich überbaute Passhöhe sehenswert abzulichten. Wir grüßen kurz die meckernden Gipfelziegen und geben Stoff hinunter nach Canazei.

Groedner Joch Huette

Über den Passo di Costalunga oder Karerpass, wie er im dreisprachigen Südtirol auch ausgeschildert ist, folgen wir anschließend der „Großen Dolomitenstraße“ ein Stück. Diese legendäre Themenstraße schlängelt sich von Bozen durch das Val di Ega sowie über das Pordoijoch und den Falzaregopass bis nach Cortina d'Ampezzo – davon später mehr. Wir wedeln über den idyllischen Nigerpass gemütlich hinunter ins Tierser Tal zu Füßen des mächtigen Rosengartens, der felsigen Heimat des geheimnisvollen Zwergenkönigs Laurin.

Groedner Joch Rampe

Bevor wir uns dann im Gewusel des Eisacktales rund um Brixen verirren, dirigiere ich die Honda lieber wieder hinauf in die Berge. Über Schloss Prösels, Castelrotto und Ortisei geht es auf höchst schmaler Gasse hinauf zum Passo dell' Erbe, besser bekannt als Würzjoch und sodann via San Martino in Badia retour zu unserer Herberge in Corvara.

Infos zur Runde 1:

Tagestour 1 im Telegramm
Streckenlänge: ca. 200 km
Schwierigkeitsgrad: Einfach bis mittel
Pässe: 8
Kehren insgesamt: 141
Höchster Punkt: 2.223 m