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    Re: My Experience...... 2016

    Der Performance Boxer…….

    Vorwort

    Lange schon hält mein Freund Klaus seiner Yamaha TDM850 die Treue. Was in

    der Tat verständlich ist, da sie ihn bisher noch nie im Stich

    gelassen hat. Wo wir anderen Jungs über die Jahre immer stärkere

    Motorräder anschafften blieb er beim altbewährten und rüstete es

    nach und nach auf. Doch alles hat bekanntermaßen einmal ein Ende,

    warum er beschlossen hat sich etwas größeres und vor allem auch

    stärkeres zu kaufen. Bei 1,96m Körpergröße, ist dies jedoch gar

    kein so leichtes Unterfangen wie man sich unter Umständen vorstellen

    mag, denn die Auswahl der infrage kommenden Maschinen hält sich in

    Grenzen. Da Klaus zudem etwas speziell ist, darf es auch kein

    EINFACHSOVONDERSTANGEMOTORRAD sein. Und bitte eine BMW GS geht schon

    mal gar nicht, denn die steht bekanntlich an jeder Ecke mindestens

    zwei mal. Da Klaus aber nicht nur speziell ist, sondern zudem auch

    noch im Sternzeichen des Zwilling geboren wurde, verfügt er

    natürlich auch über ein zweites Gesicht und dies sagt ihm…….

    Ich muss die GS erst testen bevor ich sie wirklich adakta legen kann.

    Und so kam es dazu das ich für uns beim Motorrad Center Darmstadt

    einen Testtag organisierte an dem er die Eierlegendewollmilchsau der

    Motorradszene und ich endlich einmal die neue RS Probe fahren konnte.

    Ja und ab hier beginnt dann auch die eigentliche Geschichte……

    ...denn seit 2011 bin ich dem Boxervirus verfallen. Spaßeshalber nenne ich

    es das beste Tauschgeschäft meines Lebens, als ich zu Bernd Lohrig

    nach Syke fuhr, ihm meine Triumph Tiger 1050 hinstellte und kurze

    Zeit später mit der R1200R vom Hof rollte. Die Optik dieses Boxers

    gefiel mir schon 2006 als er erschien und der bullenartige Vortrieb

    macht einfach höllisch Spaß. Die Ausstattung ist zudem gut und mit

    ESA und ABS noch überschaubar. So spulten wir zusammen in den

    letzten Jahren problemlos gut 70000 Kilometer ab. Etwas anderes zu

    kaufen, bis dato hatte ich keinen größeren Gedanken daran

    verschwendet. Sehr positiv war es da auch, dass mit der neuen R1200R,

    mit teil-wassergekühltem Motor mein persönlicher Geschmack so gar

    nicht getroffen wurde und ich dieses Modell und damit auch den

    Wasserboxer wieder sehr zügig aus dem Fokus verlor. Anders wurde das

    erst, als 2015 die R1200RS die Bildfläche betrat, denn sie gefiel

    mir wiederum sofort. Mit ihrem altehrwürdigen Namen knüpft sie an

    die unglückliche R1200ST mit dem merkwürdigen Scheinwerfer und

    Verkleidungskonzept an und führt so das nach Meinung von BMW in den

    70er Jahren eigens erfundene Tourensportsegment fort. Sie schließt

    damit zudem eine recht große Lücke im Modelprogramm von BMW. Zum

    Glück hat sie mit der ST nichts mehr gemein und kommt mit einer

    hübsch gestalteten, in meinem Fall weiß-blauen Schale daher.

    Technisch auf der R1200R basierend wurde sie nur leicht für den

    sportlichen Tourenbetrieb angepasst. Augenscheinlichste Veränderung

    neben der festen Frontverkleidung und der hoch montierten Stummel,

    ist der nach vorne versetzte Gabelfuß der USD Gabel, welcher den

    Radstand um 15mm verlängert. Beim Rest der Modifikationen hielten

    sich die Bayern in diesem Fall zurück.
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    Re: My Experience...... 2016

    Die Sonne wärmte schon wieder mächtig den Planeten an diesem Vormittag,

    als wir in voller Montur vor den beiden Testprobanten stehen. Nach

    einer kurzen aber ausführlichen Einweisung in die vielen neuen

    Bedienelemente der Lenkerenden und mit der Sicherheit den

    Zündschlüssel des Keyless Go Systems in der Tasche zu haben,

    starteten wir die Motoren und brachen endlich auf. Eine passende auch

    vom Kniewinkel her bequeme Sitzposition war schnell gefunden, denn

    die Taille der RS ist schmal, was in der Folge auch für einen guten

    Bodenkontakt der Füße sorgt. Durch das BMW interne Angebot an

    Sitzbänken ist praktisch für jede Größe das passende Polster zu

    ordern. Von 760mm angefangen bis hinauf in schwindelnde 840mm Höhe

    geht es. Als Fahrer fühlst du dich dabei sehr gut in die Maschine

    integriert ja beinahe schon mit ihr verwachsen. Ebenso ergeht es dem

    möglichen Sozius auf dem Rücksitz. Selbst die am Anfang etwas

    entfernt wirkenden Stummel liegen mit einmal passenden in den Händen und vermitteln ein

    handlich, sportliches Fahrgefühl ganz dem Konzept entsprechend. Ja

    und der Antrieb? Die Kinderkrankheiten die die GS noch erleben musste

    gibt es nicht mehr. Der Motor zieht ab 2000 Umdrehungen vehement und

    vibrationsfrei wie ein Ochse aus den Kurven an und erreicht bei 6500

    Umdrehungen seine Drehmomentspitze von 125 NM. Weitere 1150

    Umdrehungen höher liegt dann auch die Spitzenleistung von 125 PS an.

    Im Vergleich zu meinem alten luft/ölgekühlten Motor eine fulminante

    Weiterentwicklung des ureigensten bayrischen Konzeptes. Alles

    klanglich untermalt vom klappengesteuerten Auspuffsystem dessen

    verchromter Endtopf den Sound ins freie entlässt. Im direkten

    Vergleich, mit der GS ist die RS gefühlt hier allerdings die leisere

    Maschine. Sogeht es raus aus der Stadt, ein kurzes Stück über die Autobahn und

    dann weiter durchs ländliche Kurvengewirr. Mit jedem Kilometer

    wächst Vertrauen in die verbaute Technik und in das Dynamic ESA

    gesteuerte Fahrwerk. Die Gabel wie auch das Federbein bügeln nahezu

    alle Unebenheiten der Fahrbahn glatt. Wobei sie durch die

    elektronische Steuerung nicht 100% genau so reagieren wie ein

    konventionelles Fahrwerk. Ein wenig Telelever und das damit gern

    genannte Entkopplungssgefühl sind auch hier noch vertreten. Störend

    ist das nicht, denn das menschliche Gehirn ist ja bekanntlich

    lernfähig und stellt sich schnell darauf ein. Kurve um Kurve fliegt

    auf dem aufgeheizten Asphalt vorbei und ein ums andere Mal, schrabben

    die Fußrastennippel funkensprühend über den Boden. Selbst beim

    umstellen auf Zweimannbetrieb und dem damit verbundenen anheben des

    Fahrwerks ändert sich daran nur wenig. Wirklich schlimm ist das

    nicht, aber unter der Prämisse das Wort Sport im Namen zu tragen,

    wäre ein wenig mehr Schräglagenfreiheit schön gewesen. Nett

    dagegen ist die Traktionskontrolle DTC, ein Upgrade der in den

    Grundmodellen verbauten ASC Variante, die geschmeidig und unauffällig

    im Falle des Falles das Hinterrad stabilisiert, indem sie die

    Leistung zurück nimmt. Bei 100 Newtonmetern Drehmoment ab 2500

    Umdrehungen ein durchaus sichereres elektronisches Werkzeug in

    unserer digital gesteuerten Welt. Wer es nicht haben möchte kann es

    am linken Lenkerende, wie übrigens auch das ABS deaktivieren, wobei

    der Bordcomputer die Einstellungen bei jedem Restart zur Sicherheit

    wieder aktiviert.
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    Re: My Experience...... 2016

    Das vor mir in die Verkleidung integrierte Kombiinstument ist dreiteilig

    aufgebaut. Neben dem gut ablesbaren analogen Tacho, befindet sich das

    recht vollgestopfte, monochromfarbene digitale Dispaly, sowie eine

    Reihe von Kontrollleuchten darüber. Das Display wird über die

    Lenkerschalter rechts und links bedient und verfügt über

    mannigfaltige Funktionen. Lang ist es her, dass man auf einen Blick

    alles Gebotene erfassen konnte. Im Falle der voll ausgestatteten RS

    jedenfalls braucht es durchaus einen zweiten und sogar dritten Blick.

    Während auf der rechten Seite der Lenkerarmatur mit dem

    Start/Killschalter, dem Mode Taster und dem Taster für die

    Heizgriffe noch alles recht einfach ist, wird es linker Hand

    wesentlich umfangreicher. Neben dem Knopf für die Hupe und dem immer

    noch schlabberig wirkenden Blinkerschalter, gesellen sich zwei

    Schalterwippen für den Tripzähler und die Infofunktion des

    Cockpits, sowie für das ABS und das Fahrwerk mit dazu. Diese

    Ansammlung wird durch den Tagfahrlichtschalter und den Taster für

    die Warnblinkanlage ergänzt, über denen sich dann die beiden

    Bedienelemente des Tempomaten breit machen. Zu guter letzte befindet

    sich an dieser Schaltereinheit dann vorne der Lichthupenschalter und

    das obligatorische Drehrad für die Bedienung des hauseigenen

    Navigationsgerätes. Leider fehlt auch hier die aus der Vergangenheit

    so gut funktionierende Fortschrittsblinkerbetätigung wie sie an

    meiner alten R noch verbaut ist. Der Standard der Bedienelemente

    entspricht nicht der Qualität den die Marke verdient hätte, alles

    wirkt haptisch tatsächlich billig. Ebenfalls als Makel eines

    sportlichen Tourers kann man die nur in zwei Positionen einstellbare

    Frontscheibe sehen, die leider in meinem Fall den Abstrom in der

    oberen Position genau an die Visierkante des Helmes fließen lies.

    Das ist bei der GS mit dem stufenlosen Stellrad besser gelöst und

    könnte bei einem RS Upgrade im Lastenheft vermerkt werden.

    Dochgenug der Kritik denn es ist eindeutig mehr Licht als Schatten bei

    diesem Motorrad zu sehen. Das Getriebe, in der Vergangenheit oftmals

    ein Kritikpunkt bei BMW funktioniert hier tadellos und selbst der

    obligatorisch Klonk des ersten Ganges bleibt aus. Nettes Gimmick ist

    der montierte Schaltassi der das hoch und runterschalten ohne

    Kupplung ermöglicht. Er funktioniert nicht ganz so gut und

    ausgereift wie das DCT Getriebe bei den Hondamodellen aber immerhin

    ist er ein Anfang in die mögliche Welt der Automatikmotorräder, für

    den der es möchte. Der Testtag vergeht jedenfalls wie im Fluge und

    nach vielen sonnendurchfluteten Kurven befinden sich Klaus und ich

    mittlerweile wieder auf dem Rückweg. Knapp 200km stehen auf den

    Tachos der Maschinen als wir an die Tankstelle rollen. Bei einem

    Spritverbrauch von guten 5,0-5,3 Litern und einem 18 Liter fassenden

    Tank wäre hier noch einiges mehr an Kilometern heute möglich

    gewesen.

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    Re: My Experience...... 2016

    Das Fazit des Tages Die RS als vorerst letzte Schöpfung der Wasserboxer profitiert von ihrer späten Geburt. Sie macht ihrem Namen als Performance Boxer alle Ehre und wirkt ausgereift. Der Motor, das Getriebe und auch die Kupplung sind über jeden Zweifel erhaben und für mich persönlich ist sie die harmonischere und vor allem auch schönere Schwester der nackten R. Ein gewisses HABEN WILL Syndrom ist nach dieser Fahrt deutlich spürbar. Startpreis der Sportlichen sind 13500 Euro, jedoch wird sie so wohl fast keiner kaufen. Mit den diversen Ausstattungspaketen sind recht schnell die 16000 Euro überschritten. Ja und Klaus? Nun er ist tatsächlich ins Grübeln geraten, passte doch die GS eigentlich sehr gut zu seinem Fahrstil und vor allem auch zu seiner Größe. Ein paar kleinere Einschränkungen gibt es aber auch bei ihm zu vermelden. Er ist wohl das Eine oder Andere Mal mit den Schienbeinen beim stehen bleiben an den Zylindern hängen geblieben. Weiters hat ihm das durch den Telelever entkoppelte Fahrgefühl wohl noch zu denken gegeben und der fehlende Platz im Bereich der Fußrasten. Ob es also am Ende tatsächlich eine BMW oder doch etwas anders werden wird, die Zukunft wird es weisen Boxerische Grüße Torsten Thimm
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    Re: My Experience...... 2016

    Alter Falter irgendwie habe ich gerade den Eindruck einen Hochglanzprospekt der feinsten Machart zum Motorrad deiner Wahl gelesen zu haben. Ich will die aber gar nicht kaufen

    Andererseits merkt man Dir die Begeisterung für das Motorrad an und das finde ich gut. So muss es sein.

    Danke für den Bericht.
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    Re: My Experience...... 2016

    Ja! Da hat jemand sein Motorrad gefunden. War ja schon immer meine Überzeugung: "erst Fahren dann entscheiden und Urteilen"
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    Re: My Experience...... 2016

    Naja nicht gefunden, ich habe sie halt getestet und mir meine Meinung darüber gebildet! Aber ich muss gestehen, das ich wirklich impressed von der Leistungsentfaltung des Wasserboxers im Gegensatz meiner Luft/Ölgekühlten R war.