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    La Drome 2016

    Frankreich auf seine ganz eigene Art und Weise und zum genießen........ Ein Reisebericht von mir für euch.

    DieDrome zwischen Wein, Oliven und Lavendel.

    Bestimmtkennt ihr alle das Gefühl, das für uns Motorradfahrer der Winter

    immer viel zu lange hier dauert. Sicher man kann mittlerweile in

    diesen Monaten auch hier fahren, aber so wie das Salz auf der Straße

    der Maschine auf Dauer zusetzt, so reagiert der Körper des Fahrers

    mit der Zeit auf die Kälte ,,und bitte jetzt keine Bemerkungen von

    wegen richtiger Kleidung und so''. Wirklich schön Motorrad fahren

    ist anders tatsächlich gibt es Wege dem tristen Wetter zu

    entfliehen. Vor kurzemhatte ich zusammen mit den Endurofun-Tours von Jochen Ehlers die

    Möglichkeit einen davon kennen zu lernen, die Drome Region im

    Vercors. Und der Frühling, ja der war bereits da.

    Schautman sich diese Region auf der Landkarte an ist die geographische Lage

    dieses romantischen wie ebenso idyllischen Gebietes ungefähr so zu

    beschreiben. Im Norden beginnt es unterhalb von Roussillion und endet

    im Süden bei Ferrassieres. Im Westen bildet Montelimar, im Osten

    Lus-La-Croix-Haute die Gebietsgrenze ab. Damit ist es ein Teil des

    Vercors der landschaftlich sowieso eine Menge für uns Biker wie auch

    den allgemeinen Tourismus zu bieten hat.

    Der Startpunkt dieser Reise durch die Region ist Tain l’Hermitage.

    Ein hübscher kleiner vor allem aber auch alter Ort direkt an der

    Rhone gelegen, der vom Weinanbau und dem aufstrebenden Tourismus

    lebt. Die Gastfreundschaft der Bewohner, den Wein der Region, wie

    auch das Essen konnten meine beiden Begleiter Michael und Philippe

    und ich am Abend im Restaurant Le Mangevins direkt in vollen Zügen

    genießen. Beim anschließenden abendlichen Spaziergang durch die

    Straßen zeigt sich Tain von seiner ruhigen Seite. Im warmen

    Abendlicht der untergehenden Sonne fließt die Rhone friedlich vor

    sich hin und es gelingt uns sogar den einen oder anderen Moment

    bildlich festzuhalten bevor es dunkel wird. Einige Cafés und Bistros

    säumen die Uferpromenade ja sie beleben sie, wie auch das

    Stadtzentrum welches zum verweilen und entspannen einlädt. Doch

    nicht mehr für uns heute Abend. Da es mittlerweile schon recht spät

    geworden ist, suchen wir den direkten Weg in unsere Unterkunft. Das

    etwas abgelegenen Hotel Castel, indem wir diese erste Nacht des

    bevorstehenden Trips verbringen ist guter Standard mit leichten

    Abzügen in der B Note, was das Frühstück angeht. Auf jeden Fall

    haben sich Michael und ich diese Entspannung reichlich verdient, denn

    zusammen mit dem Vortag sind wir weit über 800km auf den Krädern

    unterwegs gewesen. Das die Anfahrt für mich bis hier so problemlos

    verlief, ist aber auch Triumph Deutschland zu verdanken, die mir die

    neue Speed Triple S dafür zur Seite gestellt haben. Das auf den

    ersten Blick etwas machohaft, unbequem wirkende Motorrad ist während

    der gesamten Tour eine perfekte Begleitung, wie ihr im Laufe der

    Geschichte noch erfahren werdet. Da es für die Maschine im

    Triumphprogramm bisher keine Transportutensilien gibt, geht mein ganz

    persönlicher Dank auch noch einmal an Marieke Kräling und die Firma

    SW-Motech, die mir eine Toplösung mit genügend Platz in Form ihrer

    Rearbag mit auf den Weg gegeben haben. Weniger Probleme in Sachen

    Gepäcklösung hat indes Michael der seine alte Transalp und die

    große Rolle dabei hat. Und Philippe ja der kommt mit einer Bella

    Maccina in Form der Ducati Monster 821 an, die erstens nur schwer zu

    überhören ist und zweitens sein Gepäck in ducatieigenen Softbags

    bunkerte. Vollausstattung eben. Schwer zu glauben das die montierten

    Termignonis auf der Monster überhaupt eine EG Zulassung haben.
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    Re: La Drome 2016

    DieNacht vergeht schnell wenn man müde ist und am heutigen ersten

    offiziellen Reisetag der Tour präsentiert sich das Wetter wie

    angekündigt in strahlendem Blau. Der Regen des Vortages hat sich zum

    Glück verzogen. Seinen Platz übernimmt für die nächsten Tage der

    Frühling und bereits früh am morgen steigen die Temperaturen

    spürbar an. Nachdem die Maschinen beladen sind, sind wir auch schon

    nach dem französischen Frühstück in Richtung Süden unterwegs.

    Vorbei am Wasserkraftwerk bei Beaumont-Monteux und der

    Gebietshauptstadt Alixan führt uns die Route über den Col de

    Tourniol, der sich für die ersten Fotos bereitwillig zur Verfügung

    stellt. Danach geht es entlang der kleinen Auto- und menschenleeren

    Straßen zum Col de La Machine. Dessen spektakuläre Straßenführung

    die in den Fels gesprengten, geschlagenenund auch gebohrten Tunnel lassen keinen kalt, ja sie laden zum

    nächsten ausgiebigen Fotoshooting ein und sind ein echtes Highlight

    des Tages. Der Weitblick bei diesem Wetter von dort oben ist

    sagenhaft und die rundherum frühlingshaft erwachende Natur trägt

    den Rest der Postkartenidylle dazu bei. Es fällt wirklich sehr

    schwer sich von dort oben loszureißen aber Zeit ist eben ein Faktor

    und wir müssen weiter. Unser weiterer Weg führt uns durch duftende

    Wälder talwärts vorbei am Kriegsdenkmal Memorial de la Restistance,

    von wo aus der Blick auf die noch schneebedeckten Berge am Horizont

    in Richtung Col de Rousset fällt. Weiß strecken sie ihre Spitzen in

    den Himmel, erinnern daran das der Winter in diesem Gebiet zumindest

    in den oberen Lagen noch nicht lange vorbei ist. Mit der Speed Triple

    folge ich dabei stets der bollernden schwarzen Duc von Philippe, der

    eindeutig weis wie man sein Motorrad in diesen Gefilden bewegen muss.

    Souverän dank ihres ausgewogenen Fahrwerks, dem kraftvollen Triple

    und den gut dosierbaren Bremsen hänge ich aber meist an ihm dran.

    Nach einer weiteren Shootingpause zeigt die Uhr fast Mittag und mit

    jedem Meter den wir tiefer ins Tal kommen erhöht sich die

    Außentemperatur. Da wir alle drei Hunger und vor allem auch Durst

    schieben halten wir erst einmal in der nächsten Ortschaft an, wo wir

    uns vom Wirt des kleinen Lokals bereitwillig zum Entrecote verführen

    lassen. Schmackhaft, schnell und rosa angebraten wird es mit Pomme de

    Terre serviert, französisch gut eben. Ein Essen mehrere Gespräche

    mit Motorrad- und Fahrradreisenden aus Deutschland und Frankreich und

    einen Espresso später liegen dann die nächsten Kilometer des Tages

    mit dem Col de Rousset vor uns. Der schlängelt sich einem Lindwurm

    gleich tief hinunter ins Tal bis zum heutigen Etappenziel der Stadt

    Die. Auf dem warmen Asphalt kleben die sportlichen Pirellis der

    Speedy besonders gut und wir saugen uns im wahrsten Sinne des Wortes

    durch die Kurven hinunter bis zum Hotel. Das Grinsen unterm Helm will

    gar nicht mehr aufhören, ja ist bei der Ankunft unübersehbar. Doch

    viel Zeit bleibt leider nicht um sich auszuruhen, denn nach dem

    Check-in ziehen wir uns um und brechen auf. Michael hatte da noch

    etwas vorbereitet. 
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    Re: La Drome 2016

    Diesealte römische Siedlung ist heute eine teils verschlafene aber vor

    allem sehenswerte kleine Stadt mit Besonderheit. Hier gibt es zum

    Beispiel den Clairette de Die, eine spezielle Art des Schaumweines

    der in Flaschen heranreift. In der Sektkellerei Jaillance sind die

    kühlen Keller voll davon und bei der Führung durch die Gebäude

    bekommen wir einige sehr interessante Einblicke in die Herstellung

    des prickligen Getränkes. Nach dem Rundgang wird das gesehene

    natürlich bei einer Verkostung im Selbsttest vertieft. Nicht nur der

    Clairette bekommt von uns das Prädikat sehr empfehlenswert, auch die

    Weine die dargeboten werden sind klasse. Ebenso wie im Übrigenauch das spätere Abendessen in unserer Unterkunft La Petite Auberge.

    Von außen wirkt dieses Hotel etwas altbacken, aber es hat schöne

    Zimmer und bietet eine Top Küche mit deutschsprachigem Chef. Nach

    einigen schönen Anekdoten und Benzingesprächen am Tisch, einem

    vollen Bauch in Kombination mit eins bis zwei Gläsern Ricard endet

    dieser ereignisreiche Tag für uns im Bett der geräumigen Zimmer.

    Nacheiner ruhigen Nacht im großen Doppelbett empfängt mich der neue Tag

    recht früh. Zur freudigen Überraschung heute mit einem nicht ganz

    üblichen französischen Frühstück. Es gibt Käse und Wurst, dazu

    richtig gute Brötchen und frisches Baguette. Auch heute steigt das

    Barometer wieder rasend schnell an, sodass wir uns zügig zur noch

    anstehenden Stadtbesichtigung mit Wochenmarkt aufmachen. Kaum sind

    die Motorräder abgestellt, erwartet uns unsere heutige Begleitung

    Julie bereits am Tourismusbüro, um uns die Sehenswürdigkeiten von

    Die zu zeigen. Historische Plätze, als auch geheime Zimmer gibt es genug

    zu entdecken, aber der Ausblick vom Turm der Kirche sowie der

    anschließende Gang über den Wochenendmarkt sind eindeutig die

    Highlights des Morgens. Schnell decken wir uns noch mit allerlei

    Leckereien vom Markt ein, bevor wir wieder in den Sattel unserer

    Maschinen steigen und davonbrausen. Gut wenn man einen Franzosen

    dabei hat der außer Englisch auch noch Französisch spricht. Es

    erleichtert in diesem Fall den Einkauf auf dem Markt sehr. Kurs

    Südwest ist gesetzt wir verlassen den Fluss Drome fürs Erste über

    die D135 und die D173. Die Kiefernwälder rechts und links der Straße

    werden dichter und machen einen ebenso großen Eindruck auf mich wie

    die wild verwaschenen Formen des umliegenden grauen Tuffgesteins aus

    dem die hervorschimmernden Felsen hier sind. Die Sonne steht schon

    hoch am Himmel als Michael mitten im Nichts auf dem Col de Pre

    Guittard auf einen Naturparkplatz zum picknicken einbiegt. Fast schon

    einem Ritual gleich liegen Schinken, Salami, Käse, Oliven und ein

    Brot vor uns, was zusammen mit dem verzaubernden Panorama im

    Vordergrund einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen wird. Mehr

    braucht es eigentlich nicht um glücklich zu sein. Die Maschinen

    knistern leise vor sich hin und Philippe erzählt uns, das ihm die

    Ducati eigentlich viel zu laut ist. An der Performance allerdings hat

    er nichts auszusetzen, sieht man einmal von der Position des rechten

    Fußes ab. Da ist bei der Konstruktion echt was schief gelaufen in

    Bologna, ständig leuchtet das Bremslicht vor mir auf und selbst ich

    mit meinen kleinen Füßen stehe voll am Auspuff an ohne eine

    passende Position auf der Raste zu finden.
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    Re: La Drome 2016

    Wir genießen es sichtlich nicht unter dem üblichen Stress zu stehen, verweilen nach dem Essen

    noch eine wenig hier, ruhen, bevor unser Tourguide wieder zum

    Aufbruch ruft. Das Ziel für den heutigen Tourtag ist der Ort Nyons

    und bis dorthin ist es noch ein Stück. Entlang des Flusses Arnayon

    geht es durch die nun karger wirkende Felslandschaft vorbei an

    ausgewilderten Geiern die oberhalb der Straße in der Thermik ihre

    weiten Kreise ziehen. Diese Landschaft lädt trotz der jetzt

    stattlichen Temperaturen noch zu einem weiteren Fotostop ein. Zu

    schön und eng schmiegen sich hier die Straßen an die Felsen, als

    das man es einfach so links liegen lassen könnte. Entlang der D570

    schließlich passieren wir am frühen Nachmittag die Passage de

    Rochesourde und den Col de la Croix Rouge der mit seinen 513

    Höhenmetern zwar nicht wirklich an Höhe heraussticht, aber durch

    seine abwechslungsreiche Streckenführung zu begeistern weiß. Von

    hier ab ist es nicht mehr weit bis nach Noyns. Dem Fluss L'Eygues

    über die breit ausgebaute D94 folgend nehmen wir die letzten

    schnellen Kurven des Tages mit und kommen so am Hotel La Picholine

    an. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt uns leider auch heute nicht, da

    noch zwei Besichtigungen anstehen. Auch Nyons ist alt, die Lage

    malerisch schön und die Besucher verfallen dieser Stadt. Zudem hat

    sie eine ausgedehnte Lavendelproduktion und gehört damit zur

    Lavendelroute der Regionen Drome und Vaucluse. Zu sehen, zu testen

    und zu kaufen gibt es dies alles im Lavendelmuseum der Stadt. Bei

    einer Führung wird von der Entstehung der Sorten, über die

    verschiedenen Erntemethoden der Epochen, bis hin zu den verschiedenen

    Gewinnungsarten der Vergangenheit und Zukunft alles erklärt. Auch in

    welchen Produkten Lavendel enthalten ist, wird für den einen oder

    anderen Besucher sehr überraschend sein. Doch ist das nicht das

    einzige Highlight was es zu entdecken gibt, denn hinzu kommt noch die

    mittelalterliche Steinbrücke Pont de Nyons die sich über den Fluß

    L'Eygues spannt und der altehrwürdige Marktplatz. Letzter

    offizieller Tagespunkt nach dem Lavendel ist das Museum La

    Scourtinerie. Vorab wer einen Febel für alte Maschinen hat darf

    dieses Museum nicht versäumen, denn hier werden auf Prototypen des

    letzten Jahrhunderts mit offenen Riementrieben, zum Teil wie zu

    Beginn der Industrialisierung dekorative Untersätze und kleine

    geflochtene Teppiche höchster Qualität hergestellt. Den Ursprung

    dazu gab allerdings die Olivenölproduktion der Gegend. Ursprünglich

    stellte man hier Scourtins, daher auch der Name des Museumsher. Diese aus Pflanzenfasern gefertigten Matten dienten langeJahre als Filter für die Pressen beim Keltervorgang. Heute benötigt man sie dafür nicht mehr und Annike Guillaume ist der letzte

    Überlebende in dieser Branche, weil erso flexibel war die Produktion umzustellen. Daer deutsch spricht erfährt der geneigte Besucher sehr viel über die

    Herstellung, wie auch über die eigene Geschichte von Annike und

    seiner Familie. Und wie schon erwähnt auch über die

    Produktionsmaschinen, die noch heute alle jeden Tag genutzt werden.

    Mit diesen Eindrücken beenden wir unsere heutige Sightseeingtour und

    fahren sichtlich geschafft zurück ins Hotel. Da es für den Pool

    leider schon zu spät geworden ist, beziehen wir einen der sonnigen

    Tische auf der ausgedehnten Hausterrasse und lassen uns ein fürs

    andere mal einen Ricard schmecken, bevor es zum Abendessen geht.

    Damit endet wie an den letzten beiden Abenden dieser wiederum

    abwechslungsreiche Tag für uns im bequemen Hotelbett.

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    Re: La Drome 2016

    Auch der letzte Tag unserer Rundreise durch die Dromeregion beginnt mit

    Sonnenschein und dem Duft der Olivenbäume vorm Haus. Der heutige

    erste Tagespunkt nach dem Frühstück ist die Besichtigung des

    Olivenölmuseum. Wie am Tag zuvor von Annike Guillaume schon

    angedeutet findet sich hier auch viel seiner eigenen Geschichte

    wieder. Scourtins, Werkszeuge und alte Pressen sind ausgestellt. Auch

    hier wie beim Lavendelmuseum wird alles von der Ernte bis zu den

    Endprodukten gezeigt. Vor allem auch wie sich die Techniken über die

    Jahrhunderte verändert haben. Und die Geschichte der schwarzen

    Frucht, die es in dieser Region nicht immer leicht hatte und hat ist

    lang. Michael, Philippe und ich sind jedenfalls begeistert vom

    gebotenen und freuen uns riesig über die Flasche Olivenöl die jeder

    geschenkt bekommt. Damit wird es dann noch etwas enger in der Tasche

    von SW-Motech, die zum Glück noch etwas vergrößert werden kann.

    Das gute Öl da lassen ist auf jeden Fall keine Option. Danke an die

    Damen und Herren der Kooperative Vignolis von Nyons.

    Die Sonne steht schon wieder hoch am Himmel als wir Abschied nehmen und

    endlich zur heutigen Etappe aufbrechen. Doch zuvor tanken wir noch

    voll, da der Sprit aufgrund der angekündigten Streiks in der Region

    knapp werden könnte. Mit vollen Behältern fahren wir auf den ersten

    Teil der Strecke, der uns über Teyssieres vorbei an Lavendelfeldern,

    Olivenhainen und Obstwiesen in den Ort Dieulefit führt. Die

    Streckenführung hier ist sportlich daher kann die Speed Triple im

    Sportmodus einmal zeigen was sie drauf hat, immer mit der schwarze

    Diva und Philippe im Rückspiegel. In Dieulefit ist Volksfest und

    daher heute viel los. Nachdem wir einen geeigneten Parkplatz gefunden

    haben, gibt es zum Mittagessen am Dorfplatz heute kulturelle

    Blasmusik, Tanz und einen französischen Hamburger, bevor wir die

    Reise nach Grignan fortsetzen. Übers flacher werdende Land führt

    uns die Strecke vorbei an kleinen Ortschaften, Gehöften mitten

    hinein zum Tourismusbüro der Stadt Grignan.
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    Re: La Drome 2016

    Das mittelalterliche

    Schloss ist hier der Anziehungspunkt. Erging es ihm nicht anders wie

    vielen Schlössern nach der französischen Revolution, wurde die

    Ruine irgendwann von einer netten alten Dame gekauft, die sie wieder

    herrichtete und so für künftige Generationen erhielt. Natürlich

    darf man in diesem Zusammenhang auch die berühmten Briefe der Madame

    de Sevigne und ihrer Tochter der Madame de Grignan aus dem 17.

    Jahrhundert nicht vergessen. Die beiden Damen gehen wohl als erste

    Blogger der Geschichte ein und in ihrem Besitz befand sich dieses

    Schloss einmal zu früheren Zeiten. Der Ausblick von der riesigen

    Gartenterrasse ist jedenfalls phänomenal, ebenso die riesigen

    teppichbehangenen Hallen im inneren, die den Prunk dieses Gebäudes

    auch mit ausmachen. Die Führung verläuft dreisprachig, da wir uns

    nicht wirklich auf eine Sprache einigen können. Michael und ich

    verfallen immer wieder ins Deutsche, während Philippe dann

    französisch kontert und unsere Führerin alles zusammen in Englisch

    bündelt. Schön ist es trotzdem und die Zeit vergeht verblüffend

    schnell. Auf der Terrasse merken wir sehr schnell das sich das Wetter

    ändert, der aufkommende Wind hat nicht viel Gutes im Gepäck für

    uns. Die Wolken werden dichter und dunkler, sodass wir beschließen

    uns langsam zu verabschieden und wieder auf den Weg machen. Kaum

    haben wir Grignan verlassen, öffnet Petrus auch schon vorsichtig

    seine Schleusen. Wir reagieren darauf und verkürzen die heutige

    Streckenführung um das Ziel Cliousclat noch trocken zu erreichen.

    Glücklicherweise geht dieser Plan auf und wir kommen gerade

    rechtzeitig vor dem ersten größeren Dusch im Hotel an. Einige der

    Col's an diesem Tag bleiben also ungefahren, einige Täler unentdeckt

    und wahrscheinlich auch einige Fotoaufnahmen ungeschossen. Vorteil

    daran ist aber das wir die Zeit haben das erlebte der letzten Tage

    einmal zusammen zu fassen, Notizen aufzuschreiben und das Gepäck neu

    zu sortieren. Natürlich habe ich auch die Zeit diesen ruhigen,

    autofreie Ort einmal ausgiebig zu erkunden und zu sehen was er zu

    bieten hat. Außer dem mit 3 Sternen ausgezeichneten Hotel LA Treille

    Muscate, gibt es einige Töpfereien, Cafés und natürlich

    Restaurants umrahmt und gemauert aus alten Bruchsteinen und Ziegeln.

    Wie nah hier unberührte Natur und zerstörerische Menschenkraft

    koexistieren wird mir bewusst, als ich meinen Blick in Richtung Tal

    zur Rhone richtet und die Meiler des dort arbeitenden Atomkraftwerkes

    sehe. Aus diesen Gedanken holt mich Michael aber relativ schnell

    wieder heraus, denn angesichts des knurrenden Bauches sowie

    bevorstehenden drei Gänge Dinners haben wir schnell ein neues Thema

    gefunden. Philippe, Michael und ich genießen unseren letzten

    gemeinsamen Abend sichtlich, reden über die Tour die nun leider zu

    Ende geht. Spät am Abend fallen wir müde in die Betten.
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    Re: La Drome 2016

    Der Heimreisetag zeigt sich nicht besser, als der vorherige aufgehört

    hatte. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Philippe der

    Richtung Marseille aufbricht, während Michael und ich uns auf die

    Bahn Richtung Deutschland werfen. Gut eingepackt in die Regenkombis

    machen wir im Dauerregen flott Strecke, sodass ich am Abend wieder zu

    Hause ankomme. Der Frühling hat sich für diesen Tag einmal frei

    genommen, ansonsten hat er uns wie versprochen über 3 Tage lang

    begleitet.

    Das Resümee der Reise für mich persönlich: Ob mit oder ohne Motorrad

    die Drome ist eine Reise wert. Die Menschen sind offen, freundlich

    und hilfsbereit, ganz anders als die allgemeine Meinung dies hier in

    Deutschland einen zum Teil immer glauben lassen möchte. Das Essen

    ist durchweg eine Klasse für sich, die Landschaft ebenso und recht

    oft hat man als Deutscher das Gefühl die Uhren laufen hier etwas

    langsamer und ruhiger als bei uns. Was die knallrote Triumph Speed

    Triple Modell 2016 angeht, war mein anfänglicher Zweifel beim

    Erstkontakt mit ihr vollkommen unbegründet. Sie ist der Gentleman

    unter den Machos und eine tolle Begleitung. Flexibel, handlich und

    jederzeit mit genug Power beseelt, wenn es mal wieder etwas schneller

    voran gehen soll.

    Danke an Endurofuntours Jochen Ehlers und Michael Dietrich für

    diesen tollen Trip. Ebenso bei Triumph für die gut vorbereitete

    Speedy S und bei SW Motech für die Gepäcklösung. Auch geht mein Dank

    an die Tourisme dans la Drome, die Hoteliers und ihre Mitarbeiter.

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