Da ich einer Freundin in Giesenkirchen, was zu gehört zu Mönchengladbach gehört, noch ihr Geburtstagsgeschenk vorbeibringen muss, nehme ich dies zum Anlass eine Tour durch den neuen Rhein Kreis Neuss zu machen. Der „kulturelle Hintergrund“ dieser Gegend liegt bei den vielen kleinen Schlössern und Burgen und den vielen großen Braunkohlekraftwerken. Von Düsseldorf geht es über die Fleher Brücke auf die andere Rheinseite und über die Ortschaften Elvekum und Hoisten nach Hülchrath. Hier kann man, leider nur von außen, die Wasserburg Hülchrath besichtigen. Diese wurde im 10. Jahrhundert als Motte errichtet und 1120 von den Grafen von Hülchenrath zu einer starken Burg ausgebaut. 1206 erhielt Hülchrath sogar Stadtrechte. Das heutige Bild der Burg wird von einem gefühlvollen Ausbau der Ruine im Jahre 1910, unter Berücksichtigung der ursprünglichen Ausmaße, bestimmt. Auf dem weiteren Weg nach Giesenkirchen komme ich noch am Nikolauskloster und an Schloß Dyck vorbei. Deren Besitzer lagen übrigens viele Jahre mit den Hülchrathern im Clinch. Auf Schloß Dyck gibt es die gesamte touristische Palette: Schloß, Park, Andenken und einen empfehlenswerten Obstverkauf. Wer also noch nichts für die nächste Pause hat, kann hier vitaminreiche Kost bunkern.

Aussichtspunkt Garzweiler

Von Giesenkirchen führt mich mein Weg nach Jüchen, um am Aussichtspunkt Garzweiler einen Blick in die umstrittene Tagebaugrube von Garzweiler II zu werfen. Der Anblick ist ähnlich imposant wie im Grand Canyon du Verdon. Nur leider nicht so natürlich. Weiter geht es über Grevenbroich, der Heimat von Horst Schlemmer und zugleich Bundeshauptstadt der Energie, zu den riesigen Kraftwerken von Frimmersdorf und Neurath. Diese Kraftwerke zählen zu den größten Dreckschleudern in Europa und produzieren zusammen mit Niederaußem und Weisweiler ca. 83 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr. Wenn man bedenkt, dass solche alten Kraftwerke zu 50% am Klimawandel schuld sind und immer noch laufen, frage ich mich warum ich mit meiner Guzzi eigentlich zur ASU muss? Zurzeit entsteht hier jedenfalls ein weiteres, gewaltiges Kraftwerk mitten auf der grünen Wiese. Ist schon beeindruckend die Baustelle, egal wie man zu der ganzen Sache steht. Nach diesem Kulturschock fahre ich weiter nach Rommerskirchen um in Butzheim in eine ganz andere Welt abzutauchen, die Oldiethek von Horst Lichter. Es ist immer wieder schön, in den bequemen Ledersesseln zu sitzen und zwischen allem möglichen Krimskrams einen Kaffee zu trinken und ein leckeres Stück Kuchen zu essen. Für zu Hause nimmt man sich dann noch ein paar Fläschchen von Lichters lecker Bierchen mit und auch der Rest des Tages ist gerettet.

Baden im Baggersee

Gut gestärkt lasse ich mich noch ein wenig durchs Land treiben. Evinghoven, Oekhoven, Villau und Ramrath sind nur einige der zahlreichen kleinen Ortschaften die ich durchfahre. Zum Teil sind diese noch ursprünglich mit einer kurvigen Ortsdurchfahrt und gemütlichen Gaststätten, die mit ihren Biergärten zum verweilen einladen. Es gibt aber auch schrecklich sterile neue Ortschaften, die absolut leblos wirken. Über Kloster Knechtsteden, auch hier gibt es eine schöne Kneipe mit gemütlichem Biergarten, geht es dann langsam wieder zurück. Wenn man Lust hat, kann man in Straberg noch im Baggersee baden, was je nach Witterung aus kühltechnischer Sicht durchaus lohnt. Kurz danach geht es auf die B9 am Rhein entlang zurück zur Fleher Brücke, wo sich der Kreis der Tour schließt. Zum Einstieg in die neue Saison ist dies eine wunderschöne Variante sich wieder an sein Mopped zu gewöhnen. Die meiste Zeit geht es über sanfte Hügel und Kurven durch Felder und Wiesen, manchmal auch durch einen kleinen Wald. Oft ist die Gegend noch gewachsen, aber leider immer häufiger vom Menschen begradigt. Es gibt, wie bereits erwähnt, schöne kleine Ortschaften, unter Landschaftsschutz stehende Gutshöfe und sterile Neubausiedlungen. Wenn man etwas mehr Zeit mitbringt, kann man in Oekhoven mit einer Schmalspurbahn fahren oder in Rath, zwischen Bergheim und Rommerskirchen gelegen, das Rosengart - Automuseum besuchen. Auch die mittelalterliche Feste Zons lohnt einen Besuch. Bleibt nur zu hoffen, dass das Wetter so schön bleibt und es eine kilometerreiche Saison wird.

Text & Fotos: Dirk Bruchhausen

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