Mehr Sicherheit für Motorradfahrer

Mehr Sicherheit für Motorradfahrer


Unterfahrschutz an Schutzplanken kann besonders in gefahrenträchtigen Kurven Leben retten

Das Frühjahr steht vor der Tür und mit ihm beginnt für die etwa vier Millionen Biker in Deutschland die heiß ersehnte Motorradsaison. Insbesondere die anspruchsvollen Bergstrecken etwa in der Eifel oder im Harz werden dann wieder zum Ziel vieler Zweiradausflüge.

Gerade dort wird die Freude aber von den vielen Kreuzen am Straßenrand getrübt, stummen Zeugen von Unfällen meist mit Motorradfahrern, die einen tödlichen Ausgang nahmen. Im Jahr 2007 wurden 807 Motorradfahrer bzw. Mitfahrer bei Verkehrsunfällen getötet und fast 34.000 verletzt. Gemessen an der Kilometerleistung ist das Unfallrisiko für Motorradfahrer achtmal größer als für Autofahrer. Die Verletzungsgefahr ist für Zweiradfahrer ungleich höher als im Pkw. Ein Umstand, der nicht selten durch die vorhandenen Leitplanken an der Straße noch begünstigt wird.

Herkömmliche Systeme schützen nur Autofahrer

Das Problem: Herkömmliche Leitplanken an Straßen sind so konstruiert, dass die Abprall-Planke auf Höhe der Motorhaube eines Pkw angebracht ist. Damit bieten die bestehenden Leitplanken zwar den in dieser Hinsicht größtmöglichen Schutz für Autofahrer. „Der verbleibende offene Abstand zum Boden birgt jedoch für Zweiradfahrer große Risiken. Wird ein Motorradfahrer etwa aus der Kurve getrieben und stürzt, besteht die Gefahr, dass er unter der Schutzplanke durchrutscht bzw. gegen den Stützpfosten der Leitplanke prallt“, erläutert Matthias Haasper vom Institut für Zweiradsicherheit in Essen. Dies verursache nicht selten lebensgefährliche Verletzungen. Diese Problematik wurde bereits vor über zwanzig Jahren erkannt. Ein erster Ansatz zur Verringerung des Verletzungsrisikos war die Ummantelung der Stützpfosten mit Schaumstoff. Zweirad-Experte Haasper gibt jedoch zu bedenken: „Die durchaus hilfreichen Schaumstoffprotektoren verwittern mit der Zeit und sind überdies nur bei niedrigeren Geschwindigkeiten bis 30 Kilometer pro Stunde sinnvoll. Außerdem bleibt die Lücke zwischen Leitplanke und Boden weiter bestehen“. Dabei hat er beim Thema Leitplankenschutz einen klaren Favoriten.

Unterfahrschutz wirksam und günstig

Über 80 Prozent der Motorradfahrer, die an einer Leitplanke verunfallen, rutschen liegend in die Abgrenzung. Die dabei entstehenden Verletzungen lassen sich durch einen so genannten Unterfahrschutz relativ einfach und kostengünstig minimieren. Experte Haasper erläutert: „Der auch 'System Euskirchen' genannte Unterfahrschutz besteht aus einem 37 Zentimeter hohen verzinkten Stahlblech, das an die bestehende Leitplanke angebracht wird und die offene Lücke nach unten schließt. Damit sich keine Gliedmaßen in dem verbleibenden Spalt zwischen der Leitplanke und dem Unterfahrschutz verhaken, darf diese Lücke höchstens 5 Zentimeter betragen.“ Gleiches gilt für den Abstand zum Boden. Aufhängelaschen aus Stahl auf der Rückseite ermöglichen die einfache Nachrüstung und absorbieren im Fall einer Kollision zusätzlich Aufprallenergie. „Das vermindert die Gefahr, dass der Motorradfahrer auf die Straße zurückgeschleudert wird. Stattdessen gleitet er an der Leitplanke entlang“, so Haasper. Abhängig vom Stahlpreis bewegen sich die Kosten dieser Nachrüstung lediglich bei ca. 30 Euro pro Meter.

Nachrüstung läuft

Inzwischen sind die verantwortlichen Straßenbaubehörden für das Thema weitgehend sensibilisiert. In Zusammenarbeit mit den Landesbetrieben des Straßenbaus identifizieren die lokalen Behörden des Straßenbaus mehr und mehr kritische Bereiche in ihrem Zuständigkeitsbereich, um sie mit dem Unterfahrschutz nachzurüsten. Unterstützt werden sie von privaten Initiativen wie etwa MEHRSi (MEHR Sicherheit für Biker). Der Verein widmet sich seit gut fünf Jahren der Aufgabe, die Todesrate und den Verletzungsgrad bei Zweiradfahrern zu senken. Bereits 482 Kurvenbereiche mit 62.938 Metern Unterfahrschutz wurden nach Angaben von MEHRSi-Sprecherin Monika Schwill schon gesichert. Der Unterfahrschutz kann zwar keine Unfälle vermeiden, aber entscheidend dazu beitragen, dass schlimmere Verletzungen vermieden werden. Schwill: „Mit dem Unterfahrschutz als passiver Schutzmaßnahme und der aktiven Sicherheit aller Motorradfahrer durch defensives Fahren sowie einem rücksichtsvollen Miteinander aller Verkehrsteilnehmer, erreichen wir ein mehr an Sicherheit“. www.dvr.de