Detlev Louis wird 90 Jahre alt

Detlev Louis wird 90 Jahre alt


Die Erfolgsgeschichte eines Selfmade-Mannes

Detlev Louis hat in der deutschen Motorradlandschaft Spuren hinterlassen wie kaum ein Zweiter. Der Gründer des heute größten Motorradbekleidungs und -zubehörunternehmens Europas hat dabei unter äußerst bescheidenen Bedingungen angefangen.

Bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts bestreitet Detlev Louis Motorradrennen in ganz Europa und absolviert fast nebenbei sein Ingenieursstudium im Flugzeug- und Motorenbau.  Praktisch in dem Moment, als er bei Rennen stets Spitzenplätze belegt, unterbricht der Zweite Weltkrieg diese Karriere. Er hat jedoch Riesenglück und wird als Skilehrer in ein Erholungsheim der Luftwaffe abkommandiert.
In den Trümmern Hamburgs richtet er sich 1945 ein kleines Ladengeschäft wieder her und repariert und verkauft englische Motorräder, die von den Besatzern einfach stehengelassen wurden.  Schon ein Jahr später übernimmt er unweit der Alster ein Motorradgeschäft in der Kleinen Rosenstraße Nr. 10. Bereits vor dem Krieg hatte er bei internationalen Rennen sehr gute Kontakte nach England geknüpft. Dadurch - und mit einer gehörigen Portion Überzeugungskraft bei seiner Bank - gelingt es ihm zuerst drei, dann 25 Bikes aus Great Britain zu importieren. Die Maschinen finden reißenden Absatz - noch weit vor dem Wirtschaftswunder.
Endlich werden auch wieder Rennen gefahren. Auf Norton, Royal Enfield und AJS ist auch Detlev Louis auf der Jagd nach Bestzeiten unterwegs - sei es auf der Berliner Solitude oder dem legendären International Six Days Trial.
Seine Firma wächst stetig, so dass er 1960 mit seinem ersten eigenen Neubau das seinerzeit größte Motorradhaus Deutschlands in der Rentzelstraße eröffnen kann. Völlig gegen den Trend übrigens, denn seit Mitte der 50er wollten die Deutschen endlich ein Auto und gaben ihr Erspartes lieber für einen VW Käfer, BMW Isetta oder Borgward Isabella aus. Louis hatte jedoch genug treue Kunden und bringt 1965 sogar seinen ersten Versandkatalog für Bekleidung und Zubehör heraus - das heutige Kerngeschäft des Unternehmens.  
1969 - die Firma vertreibt mittlerweile Motorräder aus aller Welt - gelingt Detlev Louis sein in dieser Hinsicht größter Coup: Er sichert sich den Generalimport der japanischen Marke Kawasaki. Die Modelle Mach III und H2 sorgen ob ihrer brutalen Leistungsentfaltung für Schlagzeilen. Die 1972 vorgestellte 900 Z1 erreichte nicht nur Kultstatus, sondern bedeutete auch einen entscheidenden Wachstumsschub für das Unternehmen Louis. Das damals größte und schnellste Großserienmotorrad der Welt wurde eher zugeteilt als verkauft.  Das Motorrad war vom Transportmittel des kleinen Mannes zum Symbol von Rebellion und Freiheit avanciert. Und welches Modell sich die neuen Rebellen auch aussuchten - Detlev Louis hatte sie (fast) alle.  
1984 darf er sich abermals die Eröffnung des größten deutschen Motorradgeschäftes ans Revers heften. Diesmal mit dem 2.400 qm großen Neubau in der Süderstraße 83. Seit 1970 hatte sich der Motorradbestand versechsfacht, mit diesem messehallenartigen Bau trug Detlev Louis dem eindrucksvoll Rechnung.
In gleichem Maße, wie sich das Motorrad-Image wiederum vom Outlaw-Symbol hin zum Freizeitgerät entwickelte, wurden auch immer breitere Gesellschaftsschichten angesprochen und ergo mehr Motorräder verkauft. Ebenso entwickelten sich die Ansprüche an die Bekleidung. Die schwarze Lederjacke allein tat’s längst nicht mehr. Neue Schnitte waren gefragt, ebenso Farben und mehr Funktionalität. Kein Wunder, dass Detlev Louis auch hier erfolgreich war und bis heute ist - denn er hatte zu dem Zeitpunkt schon ein breit aufgestelltes Sortiment und jahrzehntelange Erfahrung.  
Seit Anfang der 80er werden kontinuierlich Filialen für das Bekleidungs- und Zubehörprogramm eröffnet. Diese Expansion macht 1996 die Trennung vom Fahrzeugverkauf zu einer logischen Konsequenz. Entscheidungserleichternd kam für Detlev Louis hinzu, dass alle namhaften Motorradhersteller - auch Kawasaki - inzwischen eigene Importniederlassungen gegründet hatten, was dieses Feld immer unattraktiver werden ließ.  Ein goldrichtiger Schritt, wie sich herausstellen sollte. Denn aus der Ein-Mann-Show ist Europas größtes Unternehmen seiner Art mit derzeit 1400 Mitarbeitern geworden.  Herzlichen Glückwunsch, Detlev Louis!