Interview mit Stefan Bradl

Interview mit Stefan Bradl


Unbeschreiblich schön

Im internationalen Motorrad-Rennsport ist Stefan Bradl zweifelsohne die Überraschung des Jahres. Der 21-jährige Bayer aus der 570-Seelen-Ortschaft Zahling hat mit der Kalex-Honda des Viessmann-Kiefer-Racing-Teams in der Moto2-Klasse bereits vier Siege erkämpft, dazu je zwei zweite und dritte Plätze. Nach 10 von insgesamt 17 WM-Läufen rangiert er in der Moto2-Kategorie als WM-Leader – mit 43 Punkten Vorsprung.

Honda hat den Sohn von Helmut Bradl (er war 1991 auf einer Honda 250 Vizeweltmeister) nach dem Brünn-GP zu Hause besucht und einige Fragen gestellt: zur sportlichen Karriere, zur Zukunft wie auch zum Motorradfahren auf der Straße.

Springen wir gleich in die aktuelle Saison. Nach all den Siegen am laufenden Band und dem Riesen-Vorsprung: Kneifst Dich manchmal und denkst, hey, ich bin ein Glückspilz?
Stefan Bradl: „Ich sehe es eher so, dass ich ein paar Rennen lang nicht gewonnen habe. Das würde ich gerne wieder ändern. Natürlich hat mich der Erfolg überwältigt. Ich bin überglücklich über den Saisonverlauf bisher, die Siege, die Podestplätze. Noch mehr stellt mich aber die Art und Weise zufrieden, wie stark ich momentan fahre, in jedem Zeittraining, und auch dass ich sehr wenige Fehler mache. Das ist schon etwas Besonderes.“

Dein möglicher Aufstieg in die Königsklasse ist immer wieder ein Thema. Wie ist der Stand der Dinge für die Saison 2012?
Stefan Bradl: „Fix ist, dass es nächstes Jahr mit Honda in die MotoGP-Klasse geht. Wir warten aber noch auf die finale Bestätigung. Ein großer Teil der Finanzierung ist gesichert, aber es fehlen noch etwa 20 Prozent des Budgets. Wir sind jedoch optimistisch, dass es klappt. Das Team hofft, dass bis Ende August die notwendigen Zusagen vorliegen, denn bis dahin sollte dann auch das Motorrad für kommendes Jahr, eine neue 1000er V4, die RC213V, geordert werden.“

In der Moto2-Klasse wird mit 600er Honda-Einheitsmotoren gefahren. Du fährst mit einem deutschen Kalex-Chassis, das Dir offenbar sehr taugt. Kannst Du die Nuancen erklären, die ein gutes Chassis ausmachen?
Stefan Bradl: „Mein Gesamtpaket ist sicher sehr gut, die Kalex-Betreuung klappt ganz hervorragend. In der Moto2 sind die Bikes aller Fahrwerkshersteller recht ähnlich. Ich denke, ich habe mich gesteigert und auch das Team agiert professioneller. Wir sind alle zusammen besser geworden, das wurde bereits ab den Testfahrten im Frühjahr deutlich.“

Welche Zutaten sind notwendig, um im Motorrad-Rennsport erfolgreich zu sein?
Stefan Bradl: „Fahrerisches Talent ist wichtig, konkurrenzfähiges Material und ein gutes Team. Ebenso gute Beratung auf dem Weg nach oben. Man sollte Ehrgeiz mitbringen, Durchsetzungsvermögen auf der Strecke beweisen und bereit sein, sein Leben am Rennsport auszurichten.“

Stichwort Konditions- und Fitnesstraining – wie sieht das bei Dir aus?
Stefan Bradl: „Ich habe einen eigenen Konditionstrainer, trainiere täglich eineinhalb bis zwei Stunden. Kraft und Ausdauertraining, dazu spezielle Übungen mit Medizinbällen etwa, um das Gleichgewicht zu trainieren. Ohne die entsprechende Fitness ist es undenkbar, ein GP-Rennen durchzustehen. Nur dann kann man in der letzten Runde so schnell fahren wie in der ersten, vorausgesetzt natürlich die Reifen und die Technik lassen es zu. Zuletzt in Brünn z.B. war meine letzte Runde meine allerschnellste.“