Fischereihafenrennen Bremerhaven

Fischereihafenrennen Bremerhaven


Tage des Donners…

…aber auch des Kreischens, Klingelns, Dröhnens, Schepperns und eines mysteriösen Quietschens! Als solche könnten die zurückliegenden Pfingsttage in Bremerhaven bezeichnet werden, fand doch nun schon zum 53. Mal das Fischereihafenrennen statt. Zwei Tage, zehn Rennklassen, jeweils zwei Trainings- und Renndurchgänge machen summiert über 20 Stunden Motorsport zum Anfassen.

Da sitze ich nun mitten auf der Händlermeile, umgeben von zu Rennstrecke umgestalteter öffentlicher Straße und lausche mit vor Verzückung zum Grinsen verzerrten Gesichtszügen eben jener Geräuschkulisse, die „normale“ Menschen wohl als Krach bezeichnen würden. Über diese Meile und auch vorbei am Stand der MSD flanieren Biker jeder Gattung, Rentner mit und ohne Klappstuhl, junge Familien, Kinder, Jugendliche und alles was flanieren kann, um sich mit T-Shirts, Mützen, sinnvollem und sinnlosem Zubehör, Infos zu den neuesten Bikes, Motorradlektüre, Landkarten und natürlich Fischbrötchen und sonstigen kulinarischen Highlights einzudecken. Dabei ist das natürlich absolute Nebensache, denn erklärtes Ziel ist es, möglichst schon morgens um 07:30 Uhr den idealen Standplatz für den eigenen Klappstuhl zu ergattern, denn Tribünenplätze sind um diese Zeit längst nicht mehr zu bekommen… Diese Versuche erinnern entfernt an die berühmten Handtuchkriege am Pool des Ferienhotels – sollte dieser „Konflikt“ gar nicht von englischen Badegästen, sondern von deutschen Motorradfans gestartet worden sein? Ohhh, ich schweife ab!

Den rund 15.000 Besuchern, die dann doch ihr Plätzchen finden, sowie den zahlreichen Händlern und Ausstellern, bieten sich schon am Trainings-Sonntag, aber natürlich auch am Renn-Montag zwei rund zehnstündige Rennspektakel. Dabei dürfen die Rennfahrer jeder Klasse zweimal täglich für zwanzig Minuten zeigen, was sie drauf haben, unterbrochen von zehnminütigen Phasen des Lumpensammelns und Streckeräumens und Warmfahrens. Dabei übernehmen speziell die Motorräder der Klassen „Italo-Classics“, „Sound Of Classic“ und „CSBK- Vintage & AMA“ das Donnern, während der „Sound of the Fifthy`s - GP 50ccm“ natürlich ein hochfrequentes Kreischen ist, das noch das der „Super Sport 600er“ übertrifft. Das Klingeln der Trockenkupplungen der Ducatis ist bei den „Fishtown Twins & Triples“ am deutlichsten zu hören, während die „Renngespanne bis ’78“, die Bikes der Klasse „SOC- Sound of Classic 500ccm“, die „Super Motos“ und die offenen „Fishtown Super Bikes“ eine Kakophonie aus Dröhnen, Bollern, Scheppern und Knallen abliefern, die jedem Motorsportfan Gänsehaut macht.

Und dazwischen immer wieder dieses mysteriöse, kleine, feine Quietschen! Speziell abseits der Rennstrecke zu hören, aber doch regelmäßig und in unterschiedlichen Tonhöhen und -lagen…! Dem Geräusch muss ich auf den Grund gehen! Also überlasse ich meinen Stand meinen verantwortungsvollen Nachbarn und mache mich an die Ursachenforschung.
Erster Stopp: Rennstrecke! Nichts zu hören, außer das Einzylinder-Bollern und Knallen der schaltautomatenbedingten Zündunterbrechungen der Super Motos.
Zweiter Stopp: Fahrerlager! Offen zugänglich hat hier jeder Besucher die Gelegenheit, in offene Motoren, Getriebe und Auspuffanlagen zu blicken, zu fachsimpeln und die freundschaftliche Atmosphäre zwischen den Hobby-Rennfahrern zu genießen. Hier wird geschraubt, also auch gequietscht, aber anders!
Dritter Stopp: Zeltplatz! Zwischen Iglu-Zelten, Wohnmobilen, Sonnenstühlen und ungezählten Holzkohlegrills ist hier Partystimmung. Richtig hoch her geht’s abends, wenn die Rennen vorbei sind und um „mein Geräusch“ zu hören, ist es auch hier fast zu laut!

An der Startaufstellung geht es vorbei, an der Start- und Zielgeraden entlang, über die eigens errichtete Fußgänger Brücke zurück auf die Händlermeile. Gerade als ich der Rennstrecke den Rücken kehre, quietscht es gewaltig. Im Anflug auf die erste Kurve haben die Fahrer der inzwischen gestarteten Gespanne es ein wenig übertrieben und die Reifen quittieren den Verbremser mit blauen Qualmwölkchen – quietscht entschieden energischer, als das von mir gesuchte Quietschen!

Vierter Stopp: Fressmeile! Gefühlte zwei Kilometer, zwei Krabbenbrötchen und ein kaltes Bier später bin ich noch immer kein Stück schlauer, woher dieses Geräusch kommen mag, das mich immer mal wieder verfolgt, inzwischen fast nervt! Sollte ich tatsächlich einen Gehörschaden davongetragen haben, als der Laverdafahrer meinte, mich unvorbereitet seinen Geräuschemissionen auszusetzen?

Fünfter Stopp: Händlermeile! Zurück am Stand der MOTORRADSTRASSE DEUTSCHLAND lehne ich mich in meinem Klappstuhl zurück und genieße die relative Stille zwischen zwei Rennen, wobei es mir wie Schuppen von den Augen, bzw. Ohren fällt: das feine Quietschen ist besonders häufig in Rennpausen zu hören, wenn die Besucherströme von und zur Rennstrecke besonders stark sind. Nach dieser Erkenntnis dauert es nicht mehr lang herauszufinden, dass es die Träger besonders sportlicher Motorradbekleidung sind, die beim Gehen diese Geräusche von sich geben. Zu enge Lederkombi? Natürlich sind es nicht die Träger selbst, sondern diese Hartplastik-Motorradstiefel mit Scharnieren, die scheinbar Pflicht sind, wenn man Rennkombi trägt, mich aber mit ihrem Gequietsche in den Wahnsinn treiben würden. Leute, ihr legt soviel Wert auf Kettenpflege, Hochleistungs-Vollsynthetik-Leichtlauföl zur Leistungssteigerung, wöchentlichen Wechsel aller Betriebsflüssigkeiten, Schmierung aller Züge, falls noch vorhanden, aber ein bisschen Schmierfett für Eure Stiefel habt ihr nicht übrig?! Nein – dann quietscht weiter – wir hören uns spätestens nächstes Jahr in Bremerhaven beim 54. Fischereihafenrennen! Oder vielleicht doch schon am 31.07.-01.08.2010? Dann nämlich veranstaltet Hinrich „Hinnie“ Hinck, Bremerhavens Rennlegende, das 1. Internationale Ederberglandrennen in Allendorf.

  

Text & Bilder: Road Concept Marketing- & Verlags-GmbH