Yamaha XJR 1300 - Fotoshow

Yamaha XJR 1300 - Fotoshow


Big Bike im wahrsten Sinn

Big Bike ist ein gerne genutzter Ausdruck. Wenn ein Motorrad diese Bezeichnung verdient hat, dann die Yamaha XJR 1300. Klassischer Nippon-Reihenvierer mit viel Drehmoment und ordentlich Punch. Dazu langlebigste Technik – mit solchen Motorrädern haben die Kollegen aus Fernost einst den Markt erobert. Jetzt tritt die aktuelle XJR 1300 bei uns zum Vergleichstest an.

Es ist genau 20 Jahre her, als Yamaha ein klassisches Naked Bike auf den Markt brachte: die XJR 1200. 1999 wurde daraus die XJR 1300 und die ist bis 2014 fast unverändert auf dem Markt. Die letzte große Änderung: Umstellung auf elektronische Einspritzung und eine 4-in-1-Anlage statt der 4-in-2. Zum aktuellen Modelljahr erfolgte die bisher radikalste Überarbeitung: radikal gekürztes Heck, schmaler Solositz und schlanker Tank machen den Neo-Klassiker zum angesagten Caféracer. Immer noch ein ordentlicher Brocken, wirkt die XJR nun deutlich schlanker als die Vorgängerin mit dem langen und dicken Hintern. Lediglich das elendig lange Ungetüm von Auspuff stört etwas die Linie. Der Rest: einfach schick! Wobei die nächste Überarbeitung kurz bevor steht. Denn auch die aktuelle XJR 1300 ist nur ohne Blockierverhinderer erhältlich – ABS ist nicht mal eine Option.

Yamaha XJR1300 05

Eine echte Augenweide ist der luftgekühlte Reihenvierzylinder: mächtig, breit, mit polierten Kühlrippen bei ansonsten schwarzer Hülle. War anfangs schon einmal so, ab 2002 waren die Motoren dann Silber lackiert. Ein Prachtkerl! Der auch ordentlich liefert. Aus genau 1.251 Kubik erzeugt der Vierzylinder 98 PS respektive 108 NM. Sicher kein Power-Naked, aber für souveräne Performance reicht es allemal. Zumal die XJR 1300 für die maximalen Newtonmeter gerade einmal 6.000 Umdrehungen braucht. Da reichen 5 Gänge, Hubraum ist eben durch nichts zu ersetzen. Und einen drehzahlschonenden 6. Gang braucht man auf einem so klassischen Naked Bike ungefähr so dringend wie ein Schnitzel am Vegetarier-Stammtisch.

Yamaha XJR1300 03

Klassisch kommt auch das Fahrwerk daher. An der Front arbeitet eine konventionelle Telegabel, hinten sorgen Stereo-Federbeine für den Straßenkontakt. Stereo-Federbeine – klingt doch herrlich! Wie ein Humpen Kaffee statt „Laktosefreier-Latte-entkoffeiniert-mit-Süßstoff-in-Tall“. Vorne stehen 130 mm Federweg zur Verfügung, hinten 120 mm. Sowohl Gabel als auch Federbeine sind einstellbar. Trotz schlankerem Auftritt ist auch die aktuelle XJR 1300 kein Leichtgewicht, 240 kg drückt die Yamaha auf die Waage. Eine Ballerina erwartet aber letztendlich auch keiner. Und der Preis? 10.295 Euro will Yamaha für die XJR. Und man erhält ja tatsächlich eine Menge Motorrad für das Geld. Die Vergleichsteilnehmer Honda CB1100EX und BMW R nineT verlangen jedenfalls nach einem tieferen Griff in die Tasche.

Text & Bilder: Matthias Hirsch