Metzeler Sportec Klassik - Vorstellung und Fahreindrücke

Metzeler Sportec Klassik - Vorstellung und Fahreindrücke


Neue Sohlen für Old- und Youngtimer

Alte Schätzchen rollen auf heute unüblichen Reifendimensionen. Das ist aber kein Grund, mit alten Pellen herum zu eiern – Metzeler bietet mit dem Sportec Klassik frische Gummis für alte (K)Räder.

Früher war sicherlich nicht alles besser, auf jeden Fall aber vielfältiger – das gilt zumindest für die Bereifung von Motorrädern. Während heute Einheitsfahrwerke mit vorn wie hinten Siebzehnzoll die Straße dominieren, vertrat in den Siebziger, Achtziger und noch bis in die frühen Neunziger Jahre fast jeder Hersteller seine eigene Reifenphilosophie. Mit dem Nachteil, dass es für diese Modelle bis vor einiger Zeit nur die Reifen „von damals“ zu kaufen gab, denn die Dynamik der Reifenentwicklung hat diese Epoche praktisch links liegen gelassen. Doch mit Aufflammen des Retrotrends holen viele Besitzer ihre alten Schätzchen aus dem hintersten Winkel der Garage hervor, entstauben das gute Stück und drehen wieder eine Runde. Und kommen reichlich ernüchtert wieder heim: Das in der Erinnerung noch tadellose Fahrverhalten ist auf der Hausstrecke zu einem störrischen und wenig Vertrauen erweckenden Charakter mutiert – der technologische Fortschritt hat die Bikes vom guten alten Schlage bei der Fahrdynamik weit nach hinten durchgereicht.

Metzeler Sportec Klassik 06

Das Rad der Geschichte drehen auch die Reifenhersteller nicht zurück. Doch haben viele mittlerweile das Potenzial bei den Youngtimern erkannt und Pneus mit moderner Technologie in althergebrachter Dimensionierung auf den Markt gebracht. Seit letztem Jahr bedient auch Metzeler die Klassikfreunde mit einem passenden Reifen, dem Sportec Klassik. Optisch orientiert sich der Neuling am berühmten ME1 CompK, dem ersten Diagonalgürtelreifen mit MBS-Technologie von Mitte der 80er-Jahre, was den typischen Vintage-Stil und Charme der alten Schätzchen bewahrt. 

Technisch zeigen sich die Errungenschaften der Neuzeit beim Laufflächendesign und den verwendeten Materialien. War die Lauffläche früher mit vielen Rillen versehen, um auch auf nasser Fahrbahn ausreichend Sicherheit zu bieten, weist der neue Klassikreifen einen vergleichsweise geringen Negativprofil-Anteil auf. Die Ausrichtung der Profilrillen zur Reifenschulter sorgt für eine gleichmäßige Kontaktfläche zur Fahrbahn, wovon neben einer hohen Laufleistung auch Stabilität und Spurverhalten profitieren. Für die Wasserverdrängung sind beim Metzeler-Pneu parallel laufende Profilrillen zuständig, die das Wasser abtransportieren.

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Für guten Nass- wie Trockengrip haben die Entwickler eine Gummimischung angerührt, die derjenigen des Straßensportreifens Sportec M7 RR nachempfunden ist – mit einem Schwerpunkt auf besserer Nassperformance, allerdings als Single-Compound, also mit der gleichen Gummimischung über die gesamte Lauffläche. 

Der Aufbau der Karkasse ist eine Weiterentwicklung des Diagonalreifens Metzeler Lasertec mit neueren Karkassen-Materialien für die alten Fahrzeuggenerationen. Diese zeigt sich verstärkt, um der robusten Lauffläche einen adäquaten Unterbau zu schaffen. Damit zeigt sich die Fahrstabilität bei Kurvenfahrt sowie beim Bremsen und Beschleunigen verbessert. Diagonalreifen sind in einer Kreuzgürtelbauweise aufgebaut, beim Sportec Klassik wurde die Kontur modifiziert um insbesondere das Handling im Vergleich zum Lasertec zu optimieren.

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Doch nicht nur alten Schätzchen machen die Elefantenfüße Beine, auch moderne Retroklassiker wie Moto Guzzis V7 II-Baureihe oder Triumph Bonnevilles können damit besohlt werden. Im südspanischen Revier gefahren, verleihen die Metzeler-Pellen den Guzzis mit den Reifendimensionen 100/90 – 18 vorn und 130/80 – 17 eine fröhliche Leichtfüßigkeit, gepaart mit präzisem Einlenkverhalten. Mit dem gebotenen Trockengrip ließ sich das Dynamikpotenzial der Guzzis nicht nur ohne Einschränkungen voll auskosten, man gewann sogar den Eindruck, dass die Reifen deutlich mehr können. Beim heftigen Bremsen in die Kurve hinein, was mit den defensiven Stoppern der V7 viel Handkraft verlangt,  blieb die Fuhre stabil, von einer unangenehmen Aufstelltendenz war nichts zu spüren. Daheim bei kühlen und bisweilen nassen Bedingungen blieb der positive Eindruck erhalten. Fürs Beschleunigen und Abbremsen auf dem kalten und feuchten Asphalt reicht das Gripniveau vollkommen aus, von den zahlreichen Längsrillen bleibt das Fahrwerk unbeeinflusst. 

Handling, Sicherheit und Fahrkomfort liegen mit den Metzeler Sportec Klassik auf aktuellem Niveau, deshalb empfehlen sich die Gummis als Upgrade nicht nur für sämtliche Oldies, die ansonsten nicht mit der neuesten Technik glänzen können.

Dimensionen Metzeler Sportec Klassik

Vorne Hinten
110/70-17 M/C 54H TL 130/70-17 M/C 62H TL
110 /80 V 17 M/C (57V) TL 130/80 - 17M/C 65H TL
100 /90 V 18 M/C (56V) TL 130/90-17M/C68V TL
110 /90 V 18 M/C (61V) TL 140/80VB17M/C (69V) TL
3.25 - 19 M/C 54V TL 4.00 - 18 M/C 64V TL
100/90 - 19 M/C 57V TL 120/90-18M/C65V TL

Text: Thilo Kozik

Fotos: F. Weisse, Kozik, Metzeler