Lesertest Suzuki SV650 in Girona/Spanien

Lesertest Suzuki SV650 in Girona/Spanien


Wenn 3 eine Reise tun

Suzuki hat 2 bikerszene-User eingeladen die neue SV650 in Spanien zu testen. Noch vor der Markteinführung in Deutschland und mit Anfang März zu einer Zeit wo in hiesigen Gefilden in der Regel an Zweiradvergnügen nicht zu denken ist. Einmal hinter die Kulissen blicken, was die Herren Motorradredakteure so erleben und Arbeit nennen. Am 29. Februar wurde ausgelost und am 09. März ging es für die 2 Gewinner gemeinsam mit Matthias ab nach Spanien.

Ja, ich gebe es zu. Mein Job macht mir sehr viel Spaß – Hobby und Beruf zu verbinden war eine der günstigsten Fügung in meiner Vita. Stress hat man heutzutage in fast allen Berufen, das ist bei mir nicht anders. Auch andere sind viel unterwegs und dementsprechend wenig zu Hause. In meinem Fall kann ich dies jedoch mit meiner großen Leidenschaft verbinden: Motorräder! Und eine der erfreulichsten Gründe im Namen des Arbeitgebers auf Achse zu sein, sind die jährlich stattfindenden Modellpräsentationen der Motorradhersteller. Nachdem die neuen Modelle auf den Herbstmessen erstmals das Licht der Öffentlichkeit erblicken, laden die Hersteller die Presse in den Wintermonaten zu Fahrpräsentationen. Mitteleuropa präsentiert sich dann in der Regel nass, kalt und grau. Also geht es in südliche Gefilde, wo die kalte Jahreszeit eben nicht so kalt und vor allem eher trocken ist. Ja, auch mich trifft es regelmäßig. Die Street Twin in Valencia, der J125 in Malaga, Speed Triple in Calafat, XSR900 auf Fuerte Ventura, XDiavel in San Diego, Tiger Explorer in Faro und so weiter. Das Interesse der Umwelt ist groß, auch der bikerszene-User. Wie läuft das eigentlich, was passiert da vor Ort? Und so reifte in mir die Idee ob man mal jemanden mit auf die Reise nehmen könnte. Und Suzuki fand diese Idee richtig gut – und mit der SV650 hatten wir gleich den passenden Termin gefunden. So kam unser Gewinnspiel zustande.

Am 29. Februar wurde ausgelost, die Gewinner per Mail gezogen. Dummerweise kam keine Antwort, was leider öfter passiert. Also geht es in die 2. Runde und jetzt gibt es prompt Rückmeldung. Gewonnen? Ich? Habe noch nie was gewonnen. Kurz geklärt ob es Urlaub gibt und alles wird fix gemacht. Mittlerweile ist es recht knapp, immerhin gilt es kurzfristig Flüge zu buchen, letztendlich hat dann doch alles geklappt. Und am 09. März ist es dann so weit: um 13:05 Uhr bringt uns Lufthansa Flug LH 1128 von Frankfurt nach Barcelona. „Uns“ ist genauer gesagt Jean, Ingo und meine (nicht ganz so wenige) Wenigkeit. Um 11 Uhr treffen wir uns bei der Gepäckaufgabe, checken ein, verspeisen noch ein Mittagsmahl (vielen Dank an meinen Chef für die Bewirtung) und dann geht es pünktlich Richtung Spanien. Jean fährt privat eine XJR1300 mit über 80.000 Kilometern und hat noch eine umgebaute SR500 in der Garage stehen. Ingo hat für gemütliche Runden eine Thunderbird Storm, für flotte hat er sich letztes Jahr noch eine Speed Triple zugelegt. Beide sind echte Vielfahrer, Jean fährt auch im Winter mit seiner dicken Yamaha zur Arbeit.

Suzuki SV650 Lesertest 03

Nach einem weitgehend ereignislosen Flug landen wir pünktlich in Barcelona. Der Himmel ist trüb, es hat gerade noch geregnet. Die Temperaturen sind knapp 2-stellig. Am Flughafen wartet bereits der Transfer und bringt uns an das eigentliche Reiseziel: Lloret de Mar. Dort ist das Wetter noch immer trüb, aber wir steigen in einem sehr schönen Hotel direkt an einer kleinen Bucht ab. Bis zum Abendprogramm haben wir noch Zeit, also schnell auf das Zimmer und ab an den Strand. Und ja, trotz eher herbstlicher Temperaturen und Wolken – es hat schon was Anfang März am Sandstrand zu sitzen und den Wellen zu lauschen. Zumal wir den kompletten Strand für uns alleine haben. Zum ersten Mal erklingt die noch häufiger gestellte Frage „und das nennst du arbeiten?“. Um 19 Uhr geht es dann mit dem offiziellen Teil los: Begrüßungsdrink und Häppchen in lockerer Runde. Ingo und Jean lernen unsere Gastgeber kennen, das erste Kaltgetränk (ob alkoholisch oder nicht wird nicht verraten) wird konsumiert. Um 19.30 Uhr wird es dann ernst, es geht zur Modellpräsentation der neuen SV650. Wir erfahren wieso das Modell für Suzuki eine große Rolle spielt, das die Baureihe 1999 mit dem 650er-V2 losging, wie mit der SV und der V-Strom eine komplett neue Modellreihe geschaffen wurde, seitdem 410.000 Einheiten verkauft wurden und wieso der Nachfolger der Gladius jetzt wieder eine SV650 ist. Wie positioniert sich die SV650 im Markt, was hat sich technisch zur Vorgängerin geändert, wo liegen die Vorteile des neuen Modells. Sehr ausführlich und mit jeder Menge Informationen. Dazu noch mit Infos aus erster Hand, denn aus Japan sind 2 verantwortliche Ingenieure angereist. Eine gute Stunde später gibt es dann Abendessen, lecker Essen und Trinken.

Suzuki SV650 Lesertest 02

Am nächsten Morgen ist es dann so weit. Für uns geht es um 8.30 Uhr los. Der Himmel ist klar, es ist trocken – und verdammt kalt. Das Thermometer steht bei knappen 4 Grad. Als erstes stehen Vergleichsfahrten auf dem Programm. Zu diesem Zweck hat Suzuki eine ER-6n und eine MT-07 organisiert. Es geht für ca. 10 km eine kurvige Strecke hoch und runter, mit jedem Motorrad wird die jeweils die gleiche Strecke gefahren. Für Ingo und Jean ergibt sich zum ersten Mal die Gelegenheit 3 so ähnliche Motorräder direkt im Vergleich zu fahren. Und es ergeben sich erstaunliche Unterschiede, trotz nahezu identischer Eckdaten. Schnell vergeht der Vormittag und wir kehren zum Mittagessen ins Hotel zurück. Dort warten schon die Kollegen aus Japan und wollen wissen wie uns die SV650 im Vergleich zur Konkurrenz gefallen hat. Die Kommunikation ist nicht ganz einfach, denn japanisches Englisch und deutsches Englisch sind nicht immer so kompatibel.

Suzuki SV650 Lesertest 06

Danach geht es mit der SV650 auf die große Runde, ca. 160 km ins kurvige Hinterland. Und jetzt zeigt sich Spanien endlich von seiner sonnigen Seite. Der Himmel ist blau und wolkenfrei, die Temperatur steht bei knapp unter 20 Grad. Im ersten Teilstück gilt es noch die Pflicht hinter sich zu bringen. Fotofahrten stehen auf dem Programm. Wir fahren zeitversetzt eine bestimmte Strecke ab, in einer Kurve steht der Fotograf und knipst fleißig Bilder von uns. Am Wendepunkt wird gedreht und wieder durch die Kurve am Fotografen vorbei gefahren. Insgesamt 2x hoch und 2x runter geht die Reise. Im Anschluss steht Genuss pur auf dem Programm. Die Straße wird immer schmäler und kurviger, der Asphalt hat einen guten Gripp. Unser Tourguide ist hauptberuflich Testfahrer bei Suzuki, so sind wir recht flott unterwegs. Info fährt direkt vor mir und outet sich als nicht wirklich gemütlicher Fahrer. Erst kratzt die Fußraste, dann der Auspuff. Kaffeestopp. Wir sitzen ohne Jacke in der Sonne und genießen Cafe con Leche. Und schon schießen sich Jean und Ingo auf mich ein. „Hast du jetzt eigentlich auch Urlaub genommen? Dafür kriegst du auch noch Geld?“. Und natürlich das unvermeidliche „Das nennst du Arbeit?“. Weiter geht es auf der kurvigen Küstenstraße Richtung Hotel. Spätestens jetzt sind alle Klischees erfüllt. Die Straße schlängelt und windet sich um die Steilküste über dem Mittelmeer, das genauso blau wie der Himmel strahlt. Und ja, die 20 Grad haben wir auch geknackt.

Suzuki SV650 Lesertest 12

Der restliche Trip geht viel zu schnell vorbei, abends nochmal lecker Essen und das eine oder andere Bierchen (oder Weinchen) konsumiert. Am nächsten Morgen noch ausführlich frühstücken und ehe wir uns versahen standen wir um 15.30 Uhr wieder in Frankfurt am Flughafen. Die Wege trennen sich leider wieder, nicht ohne das Versprechen sich für eine gemeinsame Tour im Sommer wieder zu treffen. Vielen Dank an Suzuki für die tolle Gelegenheit 2 bikerszene-Usern einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Vielen Dank an Jean und Ingo, es hat viel Spaß mit euch gemacht und ihr habt die bikerszene-Userschaft würdig vertreten. Und ja, ich nenne es noch immer Arbeit. Außerdem bin ich im Stress. Die Woche darauf muss ich schon wieder mit Honda nach Malaga und mit Guzzi an den Comer See – verdammt, ich brauch Urlaub!

Text: Matthias Hirsch

Bilder: Matthias, Jean, Ingo, Suzuki