Concorso d’Eleganza Villa d’Este

Concorso d’Eleganza Villa d’Este


Edel, ausgesucht und exklusiv

Unter diesem Dreiklang ist der Concorso d’Eleganza auf dem Gelände der Villa d’Este am Comer See nicht nur eingefleischten Klassikliebhabern ein Begriff – auch wer nicht weiß, wohin mit seiner Knete, findet hier jedes Jahr Ende Mai lukrative Möglichkeiten der Investition in zeitlose mobile Schönheiten. Die Geschichte der weltweit exklusivsten und traditionsreichsten Veranstaltung für historische Automobile und Motorräder geht bis in das Jahr 1929 zurück, doch in diesem Jahr wurde das Event am Comer See erst zum sechsten Mal auch für Besitzer und Fans historischer Motorräder zum weltweit exklusivsten Highlight.

Die Schirmherrschaft der Veranstaltung hat BMW seit 1999 inne, entsprechend hat sich die Präsenz des Propeller-Imperiums verstärkt und der Concorso wurde so schon zweimal zum Schauplatz Münchener Konzeptmotorräder – nach der Concept Ninety von 2013 stellten die BMW Designer in diesem Jahr anlässlich des achtzigsten Geburtstages der R5 eine zweirädrige Hommage an die Legende aus den Dreißigern auf die Speichenräder.

Beim traditionsreichen Schönheitswettbewerb für klassische Fahrzeuge sind am Ufer des Comer Sees insgesamt dreißig seltene Zweiräder zugelassen. Die Exponate treten in fünf definierten Wertungsklassen an, die für besonders faszinierende Fahrzeugarten und Zeitphasen stehen. In Anlehnung an zwei gleichnamige Wertungsklassen des parallel stattfindenden Automobil-Wettbewerbs gibt es die Kategorien „Daring to be different“ und „Pre-war Decadence“. Hier finden sich zweirädrige Beispiele für gewagte und nicht selten wegweisende Neuerungen der Fahrzeuggestaltung sowie extravagante und luxuriöse Entwürfe der 1920er- und 1930er-Jahre. Zu den ausgestellten Modellen zählen absolute Exoten wie die Magnet oder die Megola mit Sternmotor im Vorderrad, aber auch die vollverkleidete blaue Majestic hatte es den fachkundigen Besuchern angetan.

Concorso Stimmung 05

Unter dem Stichwort „Off-road“ wird an die Anfänge des Trends zu geländetauglichen Motorrädern für die Biker-Gemeinde an der US-amerikanischen Westküste erinnert – Stichwort Steve McQueen und Friends, ein Trend, der aktueller denn je ist, wirft man einen Blick auf die heutige Ducati Scrambler und die bald erscheinende BMW R nineT Scrambler. Hier locken so feine Schätzchen wie die zweitaktende Yamaha RT1B oder die nicht tot zu kriegende Hercules GS. Eine echte Rarität ist die Rokon RT 340 aus den USA, die mit einem automatischen stufenlosen Keilriemengetriebe und Fliehkraftkupplung vor dem Ketten-Hinterradantrieb ausgestattet ist.

Die Kategorie „Private Racer“ steht für besonders spektakuläre Sonder- und Eigenanfertigungen auf zwei Rädern. Hier wäre die Grindlay Peerless 100 mit ohv-Einzylindermotor von 1929 hervorzuheben, die im englischen coventry produziert wurde. Doch auch eine Vespa findet sich: Die Sport Velocitá von 1949 machte als 125er-Scooter die Straßen unsicher.

Die letzte Wertungsklasse zollt dem Veranstaltungsland ein wenig Tribut: Die in der Klasse „Temporada Romagnola“ zusammengefassten Wettbewerbsfahrzeuge verströmen die urige Atmosphäre der zwischen 1945 und 1971 jeweils im Frühjahr in wechselnden italienischen Städten veranstalteten Straßenrennen für Motorräder. Natürlich dominieren die Hersteller vom Stiefel diese Ausstellung: Es findet sich eine Bianchi 350 neben einer seltenen Linto 500, eine Paton 500 und selbstredend eine MV Agusta 500 sowie eine Ducati 500.

Ausstellung MV Agusta 500

Neben diesen fünf Wertungsklassen gab es in diesem Jahr noch die Sonderklasse „80 Years ago – BMW R 5 – the new Sporting Image“, die der vor 80 Jahren vorgestellten BMW R 5 gewidmet ist. Das von einem neu konstruierten, 24 PS starken Boxermotor angetriebene Modell basiert auf einer bereits im Jahr zuvor auf den Rennstrecken erfolgreichen Maschine. Die BMW R 5 wies nicht nur einen innovativen, elektrisch verschweißten Doppelrohrrahmen, sondern erstmals auch eine Fußschaltung sowie eine mit der Fußspitze betätigte Hinterradbremse auf und ermöglichte dadurch ein besonders sportliches Fahrerlebnis. Genauso wie die anderen in dieser Kategorie ausgestellten Edelteile wie der deutsche Klassiker DKW SB 500, eine Gilera VTGS, FN M 86 und die englische Triumph Tiger 100.

Damit nicht nur Menschen mit dicken Brieftaschen sondern auch der ganz normale Klassik-Fan dieses Juwelen bestaunen kann, gibt es die Public Days des Concorso d’Eleganza: Am Samstag und Sonntag ist das Gelände der Villa Erba für Normalsterbliche geöffnet, die sich die 30 Wettbewerbs-Motorräder ausgiebig anschauten und den Start des vom Zweitaktduft umwehten Motorrad Street Run mit Wonne verfolgten. Dass sich die seltenen Motorräder am Sonntag dem Urteil einer internationalen Fachjury stellen mussten, ist eigentlich nur für die Besitzer dieser Kleinodien von Bedeutung – für alle anderen ist der Zugang zu dieser elitären Veranstaltung schon so etwas wie ein kleiner Lottogewinn.

Text: Thilo Kozik