Anfängerfehler Teil 1

Anfängerfehler Teil 1


Der Motorradkauf (wie man es richtig macht)

Bea habe ich sehr zeitgemäß kennengelernt. Wie man heutzutage halt Partnerschaften knüpft: Im World-Wide-Web. Und auch hier voll im Sinne des Zeitgeistes: Also auch nur, weil da ein Bild von ihr drin war. Ohne Bild? Keine Chance! Natürlich sind Äußerlichkeiten für mich völlig unwichtig und beeinflussen meine rein vom Verstand geprägten Entscheidungen normalerweise überhaupt niemals, aber:

Bea sah affentittengeil aus ... Einfach umwerfend.

  

Und da ist man sich doch als Mann sofort sicher: Wenn jemand so eine Ausstrahlung, solche Kurven hat, da kommt das mit den inneren Werten doch wahrscheinlich ganz automatisch, muss ja ...

  

Und wenn es dann, trotz aller Vorsorge, nicht klappen sollte, ist nicht völlig auszuschließen, daß es doch ein ganz klein wenig die Gesellschaft ist, die unser aller Leben oftmals so negativ beeinflusst ...

Ein gutes Gefühl.

  

Um das zu verstärken, gab ich meinem Verstand rasch den Auftrag, nun gefälligst die sachlichen Argumente zu erfinden, die meine längst gefällte Bauchentscheidung nachträglich begründen sollte.

  

Schnell war klar: Da muss eine Expertenmeinung her!

   

Man muss ja nicht darauf hören. Bringt aber im Nachhinein den Vorteil, daß man immerhin jemanden hat, dem man die Schuld geben kann, wenn sich die Entscheidung als falsch herausstellen sollte.

  

Und so ein Mensch aus Fleisch und Blut taugt natürlich viel besser als Sündenbock als die gesichtslose Gesellschaft.

  

Kluge Leute, die Juden, die diesen Sündenbock schon vor mehreren Tausend Jahren erfunden hatten.

  

Man schreibt einfach den ganzen Mist, den man ein Jahr lang verzapft hat, auf ein Stück Pergament und wenn man das alles getan und die Zettel (meist reicht ja ein Zettel allein nicht aus) am Hinterteil eines armen, unschuldigen Ziegenbockes angeklebt hat, tritt man den Bock in dasselbe. Und schon sind sie fort, die Sünden ...

  

In der Jetztzeit hat man diese Methode noch einmal verfeinert. Mittels aufwändiger, jahrzehntelanger Gerichtsprozesse verklagt man den Bock auf Schadenersatz und lebenslange Alimentierung.

  

Aber so weit war ich ja damals Gott sei Dank noch lange nicht.

  

Dafür war der Experte rasch gefunden. Ein Schulfreund, der schon seit zehn Jahren „Bi-eM-Doubleyou" fährt.

  

Ich konnte ihn zu einem ganz unverbindlichen Besichtigungstermin überreden. Eine alte Kaufmannsregel sagt schließlich: "Angucken kost' nichts!" Dumm nur, dass Bea weit von mir entfernt wohnte. Über 500 km lagen zwischen mir und meiner Internetliebe.

 

Deshalb schien es angebracht, auch ohne konkrete Kaufabsicht nur sicherheitshalber mit einem
Transporter dorthin zu fahren. Mit einer stabilen Bohle hinten drin. Die auch notfalls sieben Zentner Motorrad aushält.

  

Ach ja: Eine größere Summe Bargeld in den Manteltaschen. Keinesfalls vergessen!

  

Apropos Mantel: Hatte ich schon gesagt, dass just zu dieser Zeit Gevatter Winter in Deutschland herrschte?

  

Für mich kein Problem. Wir hatten schon schlechtere Regierungen.

  

Die Fahrt verging fast wie im Fluge. Mein Schulfreund unterhielt mich vortrefflich mit kurzweiligen Geschichten über viel zu alte Männer, die viel zu spät und für viel zu viel Geld viel zu minderwertige Motorräder gekauft hatten.

  

Fragen konnte man allerdings kaum noch einen. Die meisten schon tot. Selbstmord; klarer Fall ...

  

Und ich lernte in diesen Stunden auch die allerallerwichtigste Regel für den Motorradkauf: " ... kaufe niemals - hörst du: niemals - ein gebrauchtes Motorrad in einer Hinterhofwerkstatt!"

  

Gott sei Dank war dann die Werkstatt doch nicht im erstbesten Hinterhof. Sie war im dritten!

  

Der Meister selbst lief uns über den Weg und grunzte: "Ihr kommt sicher wegen der ,S'. Mitkommen!"

  

Und dann war es so weit: Ich stand meiner Bea zum ersten Mal wahrhaftig gegenüber. Auge in Scheinwerfer sozusagen.

  

Wenn Du neugierig bist wie die Geschichte mit Bea weitergegangen ist, lies es einfach in Ansgars Buch nach.

  

Auszug aus „Anfängerfehler“ von Ansgar von SchenkReimo-Verlag,

2010ISBN 978 – 3 – 9813538 – 0 – 8

  

Weitere Leseproben

Anfängerfehler Teil 2 (Mein erstes Mal)

Anfängerfehler Teil 3 (Was man so braucht)

Anfängerfehler Teil 4 (Der Kradkombi)

Anfängerfehler Teil 5 (Das Beiwerk)

Anfängerfehler Teil 6 (Rüsten und Gürten)

   

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