Anfängerfehler Teil 2

Anfängerfehler Teil 2


Mein erstes Mal

"Beim ersten Mal, da tut's noch weh!", sang ein Tonfilmstar der Dreißigerjahre. Aber so weit war es nicht. Noch nicht. Und um selbst auf diesen unwahrscheinlichsten aller Fälle, den des Hinfallens nämlich, vorbereitet zu sein, hoste ich mich an.

Der Parka des Freundes war etwas zu weit für mich. Dafür hatte ich einen größeren Kopf. Klar. Gehirnmasse muss irgendwo hin. Nach außen. Weil sie sich ja bekanntlich schlecht komprimieren lässt.

  

Der enge Helm machte aber sogleich den Versuch des Gegenteils. Kaum aufgesetzt, hätte ich ihn am liebsten gleich wieder abgesetzt. Ging aber nicht. Wegen des Eigenschutzes - der inneren Sicherheit sozusagen.

  

Drei Minuten später riss ich ihn mir wieder vom Kopf. Ein geiles Gefühl.

  

 

Welch Erleichterung! Allerdings war der wahre Grund, dass ich ihn nicht zubekam. Hätte ich mir vorher doch mal den Schließmechanismus ansehen sollen.

  

  

Auch der zweite "Schließversuch" scheiterte kläglich. Nicht an mir! Schuld waren die klobigen Motorradhandschuhe meines Freundes, die mir an den Händen lässig herumschlotterten und die Fingerspitzen nicht mehr fühlen ließen. Also: Runter mit den Handschuhen und sich etwas Mühe geben!

    

Fünf Minuten und 200 Flüche später hatte ich den Helm dann zu. Mist, wo hatte ich jetzt bloß die Handschuhe hingelegt? Ich stand direkt auf einem. Dann konnte der andere eigentlich nicht weit sein. Glaubte ich.

    

Als ich dann beide Handschuhe und meinen klaren Verstand wieder beisammen hatte, bemerkte ich es:

  

 

Sie (die Handschuhe) waren offensichtlich einmal für einen Bären angefertigt worden. Für einen Bären mit sehr großen Tatzen.

  

 

Ich dagegen habe eher kleine Hände.

  

 

Beim Handschuhanziehen brach mir dann zum ersten Mal der Schweiß aus. Auch an diesem kalten Tage.

  

 

Schuld waren die Handschuhe selbst. So groß sie auch waren, noch viel größer war ihr Schlund. Die Öffnung also, in die man die Hände hineinsteckte, bevor man die Klettverschlüsse an den Handschuhstulpen wind- und regenfest verschloss. Wenn man denn erst einmal drin war.

  

 

Das ging beim ersten der lediglich zwei vorhandenen Handschuhe noch ganz gut. Beim zweiten war es dann schon schwieriger. Weil nur die nun schon behandschuhte Hand aktiv werden konnte. Die andere wartete untätig wie 100 Meter Feldweg einfach nur ab.

    

Hatte ich schon gesagt, dass man mit so einem dicken Handschuh an den Fingern kaum noch etwas mit den Fingerkuppen erfühlte?

  

 

Ein weiterer Umstand war gegen mich. Die Intelligenz der Materie! Das ist die, die macht, daß ein belegtes Brötchen immer auf die Seite mit der Marmelade fällt. Oder daß, wenn einem nach sieben Jahren Enthaltsamkeit einmal der Haustürschlüssel aus der Hand fällt, sich immer ein Gully circa einen Meter unter besagter Hand befindet. Ein Gully mit sehr breiten Schlitzen. Auf jeden Fall breit genug, sodass man den Schlüssel noch für Sekundenbruchteile ins Dunkle verschwinden sieht.

  

Im vorliegenden Fall hatte sich der untere mit dem oberen Klettverschluss des Handschuhs gemeinsam verschworen. Gegen mich!

  

Ich hatte es nur zu spät bemerkt. Immer, wenn drei Finger im Handschuh waren, machte der Klettverschluss einfach zu. Einfach so! Ganz von selbst! Ohne Vorwarnung. Ohne triftigen Grund. Ohne dass ich ihm etwas getan hätte!

  

Ich brauchte weniger als fünf Minuten, um auch dieses Problem zu lösen. Handschuh überlistet. Schweißgebadet.

  

Blutdruck auf 210 zu 120. Aber bereit. Wozu eigentlich?
Äh - ah, ja ..
. Bea! Die Probefahrt!

  

Ich wendete meine ungeteilte Aufmerksamkeit nun dem Motorrad zu. Beim Wenden - vorerst noch ohne Motorrad - merkte ich, dass der Parka vorn noch offenstand.

  

Ja, was denn, Handschuhe wieder aus und dann wieder an?

  

"Nein!" schrie alles in mir. An dem offenen Parka sollte der Untergang doch nun wirklich nicht scheitern.

  

Dann schon eher am Motorrad. Wenn es Gott denn so gefallen sollte.

   

Ob die Probefahrt je zustandegekommen ist, kannst Du in Ansgars Buch nachlesen.

   

Auszug aus „Anfängerfehler“ von Ansgar von Schenk

Reimo-Verlag, 2010

ISBN 978 – 3 – 9813538 – 0 – 8

Weitere Leseproben

Anfängerfehler Teil 1 (Der Motorradkauf - wie man es richtig macht)

Anfängerfehler Teil 3 (Was man so braucht)

Anfängerfehler Teil 4 (Der Kradkombi)

Anfängerfehler Teil 5 (Das Beiwerk)

Anfängerfehler Teil 6 (Rüsten und Gürten)

  

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