Anfängerfehler Teil 4

Anfängerfehler Teil 4


Die Kradkombi

So hieß das Teil, das ich als Jugendlicher auf meiner MZ TS 150 getragen hatte (nur Zonis wissen, was ich meine; für alle andern: Hausaufgabe bis morgen zur nächsten Stunde - "eruieren": Was ist eine TS 150 von MZ?).

Sie bestand aus Leinwand (die Kombi - Mensch, nicht die MZ), die man mit Kunststoff beschichtet hatte wie eine LKW-Plane. Halt nur dünner und nicht so starr.  

Es sollte kein Wasser reinlaufen. Versprach der Hersteller.

  

 

Das kann ich so nicht bestätigen. Fakt war aber: Es lief kein Wasser raus.

    

Wer schon einmal bei Regen einen Ostfriesennerz getragen und sich dabei auch noch bewegt hat, der weiß, was ich meine: Klatschnass biste nachher trotzdem. Nur nicht vom Regen, sondern vom eigenen Schweiß!

  

 

Mittlerweile gibt es bessere Sachen; ich weiß das; ich habe sie ausprobiert! Mein Favorit: die einteilige Lederkombi mit Protektoren!

   

 

Leder ist ein sehr natürlicher Werkstoff; im Gegensatz zu Kunststoff atmungsaktiv und luftdurchlässig.

Achte mal auf die Profifußbälle! Auch da kannst du sehen: stets ganz in Leder ...

Wenn du sie regelmäßig fettest, hält sie auch noch eine gehörige Portion Regen ab, bevor sie ihn durchlässt.

    

Ein weiter Vorteil: Mit der gefetteten Lederhose klebe ich förmlich auf der Sitzbank. Wenn ich auf kurzen Strecken mal eine Jeans anhabe, gefällt mir das bei Weitem nicht so gut. Ich rutsche immer wieder von selbst auf die tiefste Stelle der Sitzbank zurück. Leder bleibt eben Leder ...

    

Nur im Cafe nehme ich dann halt immer das Kissen vom Stuhl, bevor ich mich setze. Offizielle Begründung, falls mal eine Kellnerin nachfragt: "Weiche Kissen auf Stühlen sind nichts für Motorradfahrer. Sie verweichlichen ... "

    

Wenn du es ganz gut machen willst, besinne dich auf die Altvorderen! Noch vor Erfindung von Ostfriesennerz und Goretex gab es schon das Bedürfnis nach Mänteln und Joppen, die kein Wasser durchließen.

    

Unsere Vorfahren behalfen sich in solchen Fällen mit Öl und Wachs. Einfach geschnittene Mäntel aus warmem Baumwollstoff, durch und durch mit Öl getränkt.

    

In jedem Western kannst du sie sehen. Sogenannte Viehtreibermäntel oder "Oilskins".

    

Und die gute Nachricht zuerst: Solche Mäntel gibt es noch heute! Kommen in der Moderne meist aus Australien und du findest sie im Shop eines jeden Outdoor-Ausrüsters, wie zum Beispiel bei „Kotte und Zeller".

    

Fürs Motorradfahren allerdings denkbar ungeeignet, wenn du mich fragst.

    

Aber die Händler bieten dazu ein Heißwachs an! Zum Nachimprägnieren. Und eben dieses Heißwachs ist mein Geheimtipp, wenn es darum geht, Ledersachen wasserdicht zu machen.

    

Dieses Heißwachs wird sinnreicherweise in Aluminiumdosen ausgeliefert. Die kann man dann direkt aufs Ceranfeld des Küchenherdes stellen und soweit erwärmen, daß das Wachs schön flüssig wird.

    

Das flüssige Wachs wie Farbe mit einem weichen Pinsel auf das Leder auftragen und aushärten lassen. Anschließend das Leder wieder waagerecht legen und mit einem starken Föhn behandeln.

    

Dadurch wird dann das Wachs noch einmal dünnflüssig und läuft ganz herrlich und fein in die Poren des Leders hinein.

    

Und macht es so wasserundurchlässig, wie Leder nur wasserundurchlässig werden kann. Also nie 100%-ig; aber ganz, ganz lange. Da kann man dann schon mal eine Stunde oder länger mit der Lederkombi durch den Regen fahren. In der Hoffnung, er hört eh gleich auf.

    

Und wenn dann die Hoffnung und der Wunsch nicht in Erfüllung gehen, kann man sich immer noch die Regenkombi überstreifen, ohne schon nass bis auf die Haut zu sein ...

    

Übrigens: Die Sache mit dem Wachs mache ich in der Regel alle zwei Jahre. Und dann im Herbst, bevor ich die Kombi einmotte. Und dann auch noch meist zu einem Zeitpunkt, wo meine Frau einmal längere Zeit nicht zuhause ist. Damit ich auch noch die Küche nachher ausreichend durchlüften und zumindest den gröbsten Dreck auf dem Elektroherd wegmachen kann.

Ob Ansgar so eingewachst auch trocken durch die Saison kommt, kannst Du in seinem Buch nachlesen.   

    

  

Auszug aus „Anfängerfehler“ von Ansgar von Schenk

Reimo-Verlag, 2010

ISBN 978 – 3 – 9813538 – 0 – 8

    

Weitere Leseproben

Anfängerfehler Teil 1 (Der Motorradkauf - wie man es richtig macht)

Anfängerfehler Teil 2 (Mein erstes Mal)

Anfängerfehler Teil 3 (Was man so braucht)

Anfängerfehler Teil 5 (Das Beiwerk)

Anfängerfehler Teil 6 (Rüsten und Gürten)

   

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