Kettenöler als Alternative zum Kettenspray

Selbsteinbau ist möglich

Beim Verlegen aller Schlauchleitungen ist es wichtig, dass nichts gequetscht wird und der Schlauch vor allem im Bereich der Schwinge nicht mit der Kette oder dem heißen Auspuff in Berührung kommt. Bei der Montage des Auslassstückes haben wir die besten Erfahrungen gemacht, wenn das Endstück leicht am Kettenrad streift. Wird es falsch platziert, kann es beim Zurückschieben in die Kette geraten und verbogen werden. Wenn dadurch anschließend statt der Kette das Hinterrad geschmiert wird, nimmt die Fahrt schnell ein böses Ende. Den Scottoiler testeten wir eine ganze Saison lang, Probleme gab es dabei keine, nur das Nachfüllen in den damals noch kleinen Vorratsbehälter durfte nicht vergessen werden. Scottoiler schreibt dafür das eigene Öl vor, Frank Wachsmann benutzt das Kettensägen-Haftöl der Fa. Stihl, welches etwas dickflüssiger ist. Nach der Neumontage eines Kettenölers steht erst einmal eine größere Sauerei im Bereich des Hinterrades bevor, denn zunächst muß das an der Kette klebende Kettenfett mitsamt allen Schmutzpartikeln abgewaschen werden.

Kettenmax hilft reinigen

Schneller geht das mit dem von Hein Gericke vertriebenen Kettenreinigungsgerät "Kettenmax", welches einfach über das untere Kettentrum gestülpt wird. Die Kette läuft nun zwischen jeweils zwei Borstenreihen durch, ein von außen per Spritzflasche oder Spraydose zugeführter Kettenreiniger macht sie in kurzer Zeit blitzblank, ohne das Motorrad zu verschmutzen. Die schwarze Brühe, die das Gerät verläßt, sollte allerdings aufgefangen und entsorgt werden. Das knapp 100,- DM teure Gerät lohnt sich vor allem, wenn viel gereinigt werden muß. Natürlich funktioniert die Reinigung der Kette auch mit der Stahlbürste, einem Lappen und Petroleum. Die Einstellerei der beiden Kettenöler gestaltet sich beim Scottoiler problemlos; das CLS 200 dagegen neigte zunächst zum Überfluss. Erst als wir den Mengeneinsteller nur noch eine Viertel-Umdrehung öffneten, tropfte der Schmierstoff in der richtigen Dosierung auf die Kette. Freilich darf bei beiden Kettenölern nicht verschwiegen werden, dass es auch bei mäßiger Dosierung nicht ganz ohne Schmutz an der Felge und Schwinge abgeht. Das aufgebrachte Öl wird irgendwann abgeschleudert und landet dann zwangsweise irgendwo auf einem Teil des Motorrades. Frank Wachsmann packt seinem System deshalb auch gleich einen Reiniger für die Lackteile bei, mit dem sich die gerade während der Einstellerei verstärkt auftretende Schmiere problemlos entfernen lässt.

Fazit

Beide Schmiersysteme empfehlen sich vor allem für leistungsstarke Motorräder, deren Kettenverschleiß gehörig ins Geld geht. Wenn das Motorrad dazu noch keinen Hauptständer besitzt und die Kettenschmiererei jedesmal in einen größeren Akt ausartet, sollte ein Einbau des automatischen Systems erwogen werden. Die Kettenöler bieten sich auch für Langstreckenfahrer an, die nach einer halben Stunde im Regen nicht jedesmal anhalten und die Kette neu per Spraydose einfetten wollen. Denn genau nach solchen Regenfahrten, wenn auch der letzte Rest Schmierstoff abgewaschen ist und blankes Metall aufeinander reibt, ist der Verschleiß maximal. Und welches System ist nun das bessere? Beide Öler erfüllen trotz ihres relativ hohen Preises die gestellte Aufgabe nahezu perfekt. Der Scottoiler ist durch die Suche nach dem Unterdruck im Ansaugtrakt etwas komplizierter zu montieren, dafür mit 229,- DM in der Grundversion preiswerter als das CLS 200. Dieses wiederum glänzt mit problemlosem Anschluß an das Bordnetz und der Möglichkeit, die Dosierung, beispielsweise bei einsetzendem Regen, vom fahrenden Motorrad aus per Drehknopf zu beeinflussen. Außerdem kann es mit preiswertem Baumsägenöl betrieben werden.

Einen kleinen Nachteil entdeckten wir trotzdem: Der Anschluss an den Kunststofftank sollte geändert werden, damit bei Montage unter dem Heckbürzel nicht, wie bei uns geschehen, beim Herumhantieren mit anderen dort verstauten Gegenständen der Schlauch abrutscht. Wir haben ihn zusätzlich mit einem Kabelbinder gesichert. Die Unterbringung des Magnumtanks vom Scottoiler hinter dem Kennzeichen ist dagegen eine sinnvolle Lösung, leider aber auch für Langfinger prima zugänglich. Der Tank selbst kostet als Nachrüstteil 99,- DM, das Touringset ist mit 299,- DM preislich auf dem Niveau des CLS 200. Und wieviel Mal länger hält nun eine perfekt geschmierte Kette? Nach unserer Erfahrung mindestens dreimal so lang wie eine schlampig gewartete. Und damit haben sich die Anschaffungskosten bereits rentiert, und die ersten Scheine bleiben übrig. Vorausgesetzt, man schaut trotz der Vollautomatik hin und wieder nach dem Vorratsbehälter.

 

Text & Fotos: Mathias Thomaschek