Einmotten light

Einmotten light


Checkliste Winter Einmotten "light"

Noch nie waren wir uns zu schade, gegen starre und fest verankerte Institutionen in der Welt der zwei Gummis anzuschreiben. Schließlich muss man mit der Zeit, der Klimakatastrophe und anderen äußeren, nicht beeinflussbaren Umständen Schritt halten. Dass nämlich das Straßenverkehrsamt meint, die Motorradsaison dauere von Anfang März bis Ende Oktober, hat mit der Wetter-Realität offensichtlich genau so wenig zu tun, wie der Finanzminister mit dem EURO-Stabilitätspakt.

Mission Einmotten

Wir schreiben den 25. November, die Sonne scheint und wir sitzen in der Redaktion. Nur noch ein paar Minuten tippen, dann rauf auf den Bock, beim DSD einen Kaffe einwerfen und Benzin reden. Da kommt uns die Idee: Was wäre, wenn am 15. oder sogar 24. Dezember, am 1. Januar und 16. Februar, der verwirrte Petrus wieder lockt, aber unsere Hobel derweil groß eingemottet und halb zerlegt in der Garage ihr Schattendasein fristen? An spontane Schräglageneuphorie wäre dann beim besten Willen kurzfristig nicht ran zu kommen.

Plan B muss her: „Einmotten light“ – Mit anderen Worten: „Das perfekt vorbereitete, sprung- und einsatzbereite Bike soll für alle Wetterkapriolen gerüstet in der Garage, vor der Tür unter der Plane, im Parterre Wohnzimmer, oder in der Besenkammer auf seine Mission lauern.“

Die Checkliste:

1. Motorrad mit dem Dampfhammer aus sicherer Entfernung vom gröbsten Matsch befreien.

2. Den Reifendruck auf 0,5 bar über dem im Handbuch angegebenen Wert einpegeln. Bei flüssigkeitsgekühlten Modellen kann der Besuch an der Tanke auch gleich zum Checken des Frostschutzes genutzt werden.

3. Den Tank randvoll mit (nur für Dortmunder) BVB-Benzin auffüllen. Alle anderen dürfen auch zur gelb-roten, blau-weißen, grün-gelben, weiß-roten oder sonst wie gefärbten Zapfe rollen.

4. Das gesamte Motorrad großzügig mit einem geeigneten Reiniger, zum Beispiel von S 100 einsprühen und mit warmem Wasser, einem Schwamm und oder Bürste einschäumen. Kurz einwirken lassen und dann mit ganz viel Wasser abspülen. Trocknen lassen!

5. Bike hinten und vorn (am besten in dieser Reihenfolge) mit geeigneten Montageständern, wie diesem hier von Kern-Stabi, aufbocken.

6. Öl- und gegebenenfalls auch den Filter wechseln. Wer’s innen ganz sauber haben will, startet danach nicht mehr den Motor, sondern orgelt bei abgezogenen Kerzensteckern, unterbrochener Benzinzufuhr und geleerten Schwimmerkammern solange durch, bis die Ölkontrolllampe erlischt. Kickstarterbesitzer dürfen ein paar mal schnellkräftig mit dem gut trainierten Oberschenkel das schöne neue Öl in den letzten Winkel des Alublocks, und reichlich Blut durch ihr Bein pumpen.

7. Wer’s nicht ganz so pedantisch braucht, schlägt zwei Fliegen mit einer (Drossel-)Klappe, wenn er bei geschlossenem Benzinhahn das Triebwerk solange laufen lässt, bis es aufgrund leerer Schwimmerkammern von selbst verstummt.

8. Bowdenzüge zu Kupplung, Gas, Choke und bei alten Bikes auch Bremsen mit WD-40 oder einem anderen nicht verharzenden Schmiermittel leichgängig machen.

9. Bremsbeläge kontrollieren, gegebenenfalls austauschen. Aber auf jeden Fall die Bremsscheiben und Beläge mit reichlich Bremsenreiniger und einem fettfreien, frischen Lappen reinigen.

10. Die Kette muss vom alten Kettenspray mit einem Entfetter-Spray befreit, gespannt und neu gefettet werden. Sind starre Glieder (an der Kette) vorhanden, sollte die Kette nach der Reinigung mit WD-40 oder ähnlichem Sprühöl behandelt und durch drehen des Hinterrades und gleichzeitiges Abwischen mit einem Lappen geschmeidig gemacht und bis zum nächsten Einsatz so konserviert stehen gelassen werden.

11. Um Gammelansätze durch feuchte Garagen, Motorradplanen oder sonstige unerfreuliche Umstände zu vermeiden (vielleicht wird die Standzeit ja doch länger) sollte ein Konservierungsmittel, wie dieses hier von Scottoiler, aufgesprüht werden. Wer seinem Sitzpolster einen Gefallen tun will, benutzt ein extra Leder- oder Kunstleder-Pflegemittel.

12. Zu guter letzt, aber ganz wichtig für den schnellen Restart: Batterie frisch halten! Hierzu gibt es mittlerweile eine ganze Fülle von Geräten (sogenannte Batteriejogger) in diversen Preisklassen. Wir benutzten den Optimate III für 49,- EURO. Dieser intelligente „Auflader“ gibt mittels Leuchtdioden schon beim erstmaligen Anklemmen Aufschluss über den aktuellen Zustand der Batterie und die Erfolgsaussichten des Ladevorgangs tiefentladener Batterien . Wenn ein Stromanschluss in der Nähe ist, kann die Batterie dabei im Bike verbleiben. Straßenparker sollten die Batterie ausbauen und im Keller oder in der Wohnung aufladen.

13. Kommt die Sonne: Kette von der Innenseite her mit Kettenspray bei gleichzeitigem Drehen des Hinterrades einsprühen, dann die Batterie vom Jogger nehmen, ggf. einbauen, Bremsscheiben nochmals mit Reiniger absprühen, mit einem trockenen, flusenfreien Tuch den Konservierer vom Bike wienern (währenddessen ist das Kettenspray ausreichend abgelüftet), abbocken, starten und mit einem technisch perfekt vorbereiteten und sauberen Bike glücklich den Polarsommer genießen oder gleich in die neue Saison durchstarten.

Text: pabi; Fotos: Franz I., pabi