Gabelöl-Wechsel

Gabelöl-Wechsel


Frisches Gleitmittel

Die Symptome kennt jeder: Im Laufe der Jahre wird die Performance der Motorrad-Gabel immer diffuser. Ein schwammiges Gefühl beim Eintauchen und kaum noch Dämpfung beim Ausfedern. Die Gabel ist dann meistens nicht kaputt. Auch die Federn müssen nicht unbedingt ersetzt werden. Meist reicht es, der Gabel mal einen Ölwechsel zu gönnen. Auch Dipl. Ing. Frank T-Punkt verabreichte seiner X-11 letztens etwas frisches Gleitmittel. Er empfiehlt folgende Vorgehensweise:

Schritt für Schritt

1567: Moppet mit stabilen Heck- und Frontständern aufbocken.

1573: Bei der Honda X-11 ist außer Vorderrad und Schutzblech auch noch jede Menge CBS-Bremsgeraffel zu entfernen. Um nicht den Überblick zu verlieren, können alle Schrauben nach der Demontage der Teile wieder mit 2-3 Umdrehungen in ihr Gewinde eingedreht werden. Dies beugt Verwechslungen und Rätselraten beim Zusammenbau vor.

1575: Das Lösen der Federkappen sollte schon mal erfolgen, während die Gabelholme noch in der Brücke eingeklemmt sind. Falls sie fester sitzen als vorgesehen, lassen sie sich so besser lösen.

1578: Falls die Gabelklemmschrauben sehr fest sitzen, oder eingeklebt wurden, empfiehlt Dipl. Ing. T-Punkt die Schockmethode, bei der durch einen festen trockenen Schlag mit einem möglichst großen Hammer auf das Handgelenk, durch den folgenden Adrenalinschub die Schraube ohne Probleme gelöst werden kann. Wer sich davor fürchtet, kann natürlich auch einen längeren Schlüssel verwenden.

1580: Mit noch schmerzverzerrtem Gesicht und lautem Geschrei ist es dann kinderleicht, den Gabelholm nach unten aus der Klemmung zu ziehen.

1594: Durch die folgende, Schmerz bedingte Verkrampfung der linken Hand kann nun die Federkappe ganz herausgedreht werden, ohne, dass sich das Gabelstandrohr mitdreht. Dabei sollte stets leicht Druck von oben auf die Kappe ausgeübt werden, um ein Herausspringen der Feder zu verhindern.

1595: Keine Angst, die Federvorspannung ist nicht so stark, dass man hier ein Unglück befürchten muss. Die Dämpferstange nun durch lösen der Kontermutter von der Federkappe trennen. Kappe, Federhülse, Federsitz und Feder entfernen.

1596: Das olle Gabelöl kann nun in einen geeigneten Behälter abgegossen und später mit dem Altöl beim nächsten Besuch am Wertstoffhof (Nein, nicht in den Gulli!) entsorgt werden.

1582: Das Innere der Gabel ist weit weniger kompliziert, als man denkt. Feder, Federteller, Federhülse und Federkappe sind schon alles, was entfernt werden musste.

1599: Durch fleißiges Pumpen des Dämpferkolbens und des Standrohres, müssen auch die letzten Reste des alten Gabelöls zu Tage gefördert werden.

1600: Erfahrene Racer empfehlen gar, das Innere der Gabel mit Dieselöl zu spülen. Dem können auch wir uns nicht verweigern. Erneutes zigmaliges Pumpen ist selbstverständlich hernach erforderlich.

1602: Endlich kann die vorgeschriebene Menge (siehe Handbuch) des frischen Gabelöls (freilich in der angegebenen Viskosität) nachgefüllt werden. Wer mit den bisherigen Feder- und Dämpfungs-Eigenschaften seiner Gabel unzufrieden war, hat nun die Gelegenheit durch Einsatz anderer Federn und/oder eines Gabelöls mit anderer Viskosität zu experimentieren. Erfahrungswerte für die verschiedenen Gabel- und Motorradtypen halten Fachhändler und Internetforen bereit. Alles sollte jedoch zu Einsatzgebiet und Fahrergewicht passen.

1590: Durch mindestens 5maliges Pumpen des Standrohres und mindestens 10maliges Pumpen des Dämpferkolbens muss dass System nun entlüftet werden. Da diese Aufgabe ein wenig Muskelkraft erfordert, bat Dipl. Ing. T-Punkt seinen überaus kräftigen Fotoassistenten an die Stange. Dieser empfiehlt so lange zu pumpen, bis der Widerstand beim Herausziehen des Dämpferkolbens deutlich spürbar ist und die Arme ordentlich angeschwollen.

1589: Nach dem Einfüllen der angegebenen Menge frischen Gabelöls, muss noch das „Luftpolster“ (ist ebenfalls im Handbuch angegeben) überprüft werden. Es muss an beiden Holmen exakt gleich sein. Hierzu kann ein Maßband oder ein Zollstock als „Peilstab“ dienen.

1591 & 1593: Für den intellektuell anspruchsvollen Zusammenbau rät Dipl. Ing. Frank T-Punkt, die ausgebauten Federn, Sitzringe, Hülsen und Kappen in umgekehrter Reihenfolge wie beim Ausbau wieder zusammen zu fügen. Und die Gabel wieder in das Fahrzeug einzubauen. Auch Schutzblech, Rad und Bremsen, sollten vor der Probefahrt wieder montiert und die Schrauben mit den entsprechenden Drehmomenten angezogen werden.

Text: Dipl. Ing. Frank T.
Fotos: Popeye