Chemische Starthilfe für Motorräder

Chemische Starthilfe für Motorräder


Schluss mit dem THEATER

Das Problem dürfte allgemein bekannt sein: Nach längerer Standzeit will die Kiste einfach nicht anspringen! Schnell ist die Batterie leer georgelt. Dann muss entweder der gute Kumpel mit seinem Ladegerät und Starthilfeschaltung anrücken, oder die Autobatterie nebst Überbrückungskabel wird eingesetzt. Und nach einer endlos scheinenden Zeit - die anderen sind schon fast im Bergischen - spuckt und hustet das Triebwerk endlich doch noch los. Immer das gleiche Theater! Muss aber nicht sein!

Die Anwendung ist ganz einfach

Die Analyse der Startprobleme bringt fast immer dieselbe Ursache an den Tag: Verharzte Vergaser. Obwohl die Mineralölkonzerne die tolle Qualität ihres Treibstoffs anpreisen, sieht's in der Praxis doch etwas anders aus. Zum Einen bildet sich während der langen Winterpause fast immer etwas Kondenswasser im Tank und in den Vergasern. Wasser zündet aber bekanntlich nicht. Zum Anderen hinterlässt Benzin als Mineralölprodukt beim Verdunsten ölhaltige Rückstände, die in der langen Standzeit verharzen und daher Düsen im Vergaser zusetzen können. Irgendwann hat dann frisches Benzin aus dem Tank die klebrigen Rückstände gelöst und der Motor arbeitet wieder. Um diesem Phänomen zu begegnen, gibt es eigentlich nur zwei vernünftige Lösungen: Entweder man lässt die Schwimmerkammern im Herbst bei geschlossenem Benzinhahn über die Ablassschrauben völlig leerlaufen - wer macht das wirklich? - oder man setzt dem Treibstoff eine Reinigungskomponente zu, die das Verharzen verhindert. Solche Benzinzusätze sind seit einiger Zeit auch auf dem deutschen Markt zu bekommen; in Amerika und England konnte man sie schon lange praktisch in jedem besseren Supermarkt kaufen.

In der Anwendung sind die Mittel ganz einfach: Tank auf, einfüllen, fertig! Die Chemie bringt aber in Bezug auf die Winterpause nur dann etwas, wenn sie der letzten Tankfüllung vor Saisonende zugesetzt und noch ein paar Kilometer gefahren wird. Dann vermischt sich das Produkt mit dem Treibstoff und gelangt auch in die Schwimmerkammern der Vergaser, um dort Unheil zu verhindern. Wir wollten es genau wissen und setzten den FUEL LINE CLEANER von PROTEC dem Treibstoff einer startunwilligen Honda CB 400 N zu. Vorher bauten wir die Vergaser aus, öffneten die Schwimmerkammern und wussten sofort, warum der Zweizylinder seine Arbeit nicht aufnehmen konnte: Alle Haupt- und Leerlaufdüsen waren mit bräunlichem Harz verklebt, auf dem Boden der Kammerdeckel fanden wir eine rotbraune Schicht aus Rost (aus dem Tank) und anderem Modder. Auch der vorher abgelassene Sprit hatte schon diese seltsame Farbe gezeigt. Lose Rost- und Schmutzpartikel entfernten wir mit der Ausblaspistole, die Vergaserdüsen blieben unberührt. Wir bauten die Vergaser wieder zusammen und montierten sie in die Honda. Inzwischen hatten wir das Wundermittel in den Tank gefüllt und kräftig geschüttelt, damit es sich gut vermischt. Bei der extremen Verunreinigung der Vergaser glaubten wir allerdings erstmal nicht an Wunder und ließen das Bike drei Tage lang mit geöffnetem Benzinhahn stehen. So hatte also der FUEL LINE CLEANER genug Zeit, sein reinigendes Werk zu verrichten.

Dann kam der große Augenblick. Von "kostet nur Geld und bringt nix" bis "ihr werdet schon sehen..." drifteten die Meinungen auseinander. Das Resultat: Die frisch geladene Batterie zog das Triebwerk durch, schon nach wenigen Sekunden setzte eine erste zaghafte Zündung ein. Kurze Pause - nochmal orgeln - nichts! "Hab' ich doch gleich gesagt!" quäkt es aus dem Hintergrund. Beim dritten Versuch erst zwei, drei Zündungen, dann brüllte der Motor auf und spukte erstmal eine gewaltige Qualmwolke aus. Er lief aber weiter und nahm bald problemlos Gas an, als wäre nie etwas gewesen. Nach etwa 25 km Fahrstrecke sahen wir uns die Vergaser nochmal von innen an. Alle Düsen waren frei, die rostigen Verschmutzungen waren deutlich reduziert, aber noch nicht weg. Nach einer Woche und weiteren 350 Kilometern öffneten wir die Vergaser erneut und staunten nicht schlecht. Inzwischen waren die Verschmutzungen völlig beseitigt und das Innenleben der Schwimmerkammern präsentierte sich praktisch im Neuzustand. Der knapp 30 Mark teure Benzinzusatz soll nach Herstellerangaben bei jeder Inspektion dem Treibstoff zugemischt werden. In der Praxis bedeutet das ein- bis zweimal im Jahr. Eine Ausgabe, die sich meiner Meinung nach lohnt.

Fazit: Test souverän bestanden! Bezugsquelle ist der Fachhandel

Text und Fotos: Heinz Stahl