Triumph Rocket III

Triumph Rocket III


Think Big

Noch ärger als Kawasaki bei der VN 2000 füllte Triumph den Hubraum seiner Rocket III ab. Die Engländer verteilen zweikommadrei Liter auf drei Zylinder und folgen in Bohrung zu Hub Verhältnis den Motoren der legendären amerikanischen Muscle-Cars der 70er Jahre. Doch wie viel Hubraum und vor allem wie viel Masse braucht der Touren-Mensch?

In Sachen Größe und Technik steht die Triumph Rocket III der Kawa in nichts nach. Im Gegenteil: Passend zur immensen Power des Reaktors, der mit 200 Nm bei nur 2.500 U/min ständig die Gripfähigkeit des 240er Hintergummis auslotet, passt das Fahrwerk und seine Komponenten zur eingangs erwähnten Muscle-Car-Aura des riesig aber kompakt wirkenden Trumms. Menschen ab 190 Körpergröße sehen sich endlich mal einem ausreichend dimensionierten Vehikel gegenüber. Der Tank ragt mächtig in die Höhe und man müsste eigentlich über ihn auf die Instrumente herabblicken, würden sie sich nicht, von der oberen Gabelbrücke her an aufwändig gearbeiteten Risern befestigt, dem Fahrer entgegenrecken. In schicke Chrombecher eingefasst präsentieren sie unaufdringlich analog ihre Informationen.

Super ist der Kühlergrill. Nein, nicht das breite Gittermonster vor dem eigentlichen Wasserkühler, sondern das Straßenkreuzerornament unter der Speed-Triple artigen Doppelleuchte. Wow, was für ein Eyecatcher. Hat man sich, aber auch nur, weil man endlich fahren will, vom Anblick der Rocket III losgerissen und steigt auf, traut man seinen Armen nicht. Nicht nur Mann, sondern auch Frau liftet die Engländerin mal eben in die Senkrechte, als wär’s die ultraleichte Daytona aus dem gleichen Hause. Unfassbar!

Gewichtsverteilung

Trotz noch mal 300ccm mehr, wiegt die Rocket trocken mit 320 immerhin gute 20 Kilo weniger als die Kawasaki VN 2000. Doch das allein kann’s nicht sein. Ich steige noch mal ab. Schaue mir das Triebwerk an und weiß bescheid. Der Drilling ist längs verbaut. Steht als tragendes Element im Rahmen wie der Fels in der Brandung. Das, von Natur aus schwere Getriebe, verbindet optisch die Radachsen miteinander und setzt den Gesamtschwerpunkt nicht weit oberhalb dieser Linie. Da der Tank eigentlich die Airbox ist und das wirkliche Spritreservoir sich irgendwo zwischen den Beinen des Fahrers befindet, wirkt der hohe, breite Lenker als erstklassiger Aufstellhebel. Links am Knie mischt die Einspritzanlage das Futter für die gewaltigen Hubhallen, während das rechte Bein des Fahrers sicherlich niemals Erfrierungserscheinungen zeigen wird. Hier verlassen die heißen Abgase durch drei abgeschirmte Krümmer die Brennräume, um sich nach passieren des Sammlers auf drei asymmetrisch verlegte Endrohre zu verteilen. Der Sound ist böse fauchend und lässt das Feuer des Triebwerks erahnen.

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Beam me up

Hat die Rocket sich in Bewegung gesetzt, sind mindestens 120 der 320 Kilo sofort vergessen. Gut, das Rangieren am Parkplatz fordert noch mal alle Kraft und der Wendekreis erinnert an den eines sechsachsigen Spürpanzers, doch es geht hier ums Cruisen und nicht ums Einparken mit Einkaufstaschen am Lenker. Englands Wuchtbrumme lädt ein zum Ritt der Walküren. Hammermäßig brüllt das Triebwerk. Wer bei 2.500 U/min einkuppelt, sollte sich gut festhalten. Es schieben fast 200 Nm an. Und zwar gewaltig. Einschwenken auf den Highway. Lange flüssige Kurven müssen her. Dann gibt’s kein Halten mehr. Durchzug auf der Autobahn wie ein Porsche Carrera, aber mit Turbo bitte. Auch Powerwheelies sind kein Problem. Wer’s braucht, dem sei’s gegönnt! Hat man sich erst ausgetobt – und wirklich, das muss sein – in Sachen Beschleunigung, stellt man schnell fest, dass sowohl das ultra stabile Gesamtbauwerk, als auch die Supersport-Stopper keine Probleme haben, die beschleunigte Masse wieder einzufangen.

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Fun-Cruising

Jetzt kann entspannt und in aller Ruhe gecruist werden. Die Füße legt man auf den filigran gearbeiteten Rasten, die funktionell und hoch an den genialen Sturzbügeln befestigt sind, ab. Die Rocket swingt um Kurven wie Robby Williams mit der Hüfte. Hierbei helfen neben dem günstigen Schwerpunkt die wohl gerundet konturierten Pneus, die auf sehr dynamisch gestylte Alufelgen im Hackmesser-Look aufgezogen wurden. Apropos Ruhe, Triumphs Rocket verdeutlicht eines ungemein: Nicht in der Ruhe liegt die Kraft, sondern in der Kraft liegt die Ruhe. Mit der Gewissheit, alles herbrennen zu können, lässt sich prima Touren fahren. Der bequeme Sitz und die Heizgriffe vollenden den guten Gesamteindruck.