Klassiker: Express Radexi 2

Klassiker: Express Radexi 2


Verlässlicher Windhund

Im Jahre 1953 wurde bei Express die Mopedproduktion aufgenommen und man nahm somit, wie auch andere deutsche Hersteller, an diesem Boom teil.

Die Produktion startete mit der Radexi 1, die das erste echte deutsche Moped überhaupt darstellte. Der Motor war eine Eigenkonstruktion und hatte die Bezeichnung M 52. Er besaß zwar nur ein Einganggetriebe, war aber optisch wie auch technisch gelungen. Emil Wirnitzer, ein leider schon verstorbener Express Rennfahrer, erzählte mal bei einem Treffen, daß die Händler sie damals vom Hof gejagt hätten, weil an den Radexi Mopeds einfach nichts kaputt ging.

Express Radexi 2 04

Geringer Aufwand

Bei dem hier vorgestellten Modell handelt es sich um eine Radexi 2 mit dem Zweigangmotor M 53, Baujahr 1955. Der aufwendige Doppelrohrrahmen, vorne schwingen- und hinten geradweggefedert, war damals eine Seltenheit im Mopedbereich. Das Nachfolgemodell die Radexi 3 war sogar auch hinten mit einer Schwinge versehen. Das Moped befindet sich im Originalzustand. Ich habe die Maschine lediglich auseinander gebaut, um sie einer Grundreinigung zu unterziehen. Anschließend wurden die Räder neu bereift, eine Speiche ausgetauscht und ein Rückspiegel montiert. Der Auspuff wurde ebenfalls gesäubert, die Zündkerze gewechselt und die Zündung eingestellt. Dies alles reichte aus, um das Moped für das letzte Expresstreffen in Neumarkt ans Laufen zu bringen und anzumelden. Jetzt im Winter will ich mal das Dämpferöl und die Bremsbeläge tauschen, sowie den Sattel und die Griffe erneuern.

Express Radexi 2 02

Aber sonst ist nichts und wird auch nichts mehr gemacht – ehrlich. Gestartet wird mittels Pedalstarter, nachdem der Starthilfeknopf am Vergaser gedrückt wurde. Dafür gibt es extra ein Loch in der Blechverkleidung des Rahmens. Spätestens nach dem dritten Tritt ist der kleine Motor bisher immer angesprungen. Die Spitzengeschwindigkeit liegt laut Tacho bei 50 km/h. Damit kann man im Stadtverkehr prima mithalten. Bei vorausschauender Fahrweise kommt man auch mit den Bremsen klar. Die Hinterradbremse wird, wie beim Fahrrad, durch Rücktritt betätigt. Kleinere Erledigungen im Stadtbereich lassen sich problemlos mit der Radexi bewältigen. Schließlich wurde sie einst für solche Zwecke gebaut.

Taub am Südpol

Die Fachpresse war damals hellauf begeistert. In der Fachzeitschrift „Das Moped“ war in den fünfziger Jahren folgendes zu lesen. „Man sollte es kaum glauben, aber Vibrationen waren weder am Lenker, noch an den Pedalen, noch am Sattel spürbar. Ganz ohne Vibrationen kann zwar ein Einzylinder-Motor und ein Kettentrieb nicht laufen. Hier waren sie aber derart bescheiden, daß man mit Fug und Recht von einem praktisch vibrationslosen Lauf sprechen kann. Es ist eine Wohltat, stundenlang so zu fahren und bei keiner Drehzahl in den Händen oder am Südpol taub zu werden. Leider wird man es an den Ohren, sobald man einen Tunnel durchfährt.“ Na ja, ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht, aber früher war es ohne Helm bestimmt schon recht laut. Der kleine Motor klingt durchaus kernig und hört sich größer an, als er eigentlich ist.

Express Radexi 2 01

An anderer Stelle hieß es: „Das Verhalten der Lenkung war tadellos, sowohl bei Langsamfahrt als auch über wegspringendes Geröll. Der Lenker blieb immer bemerkenswert ruhig – bei anderen Mopeds stört mich oft seine Zappligkeit. Wenn die Lenkergriffe etwas weiter vorn lägen, wäre das Fahrzeug wahrscheinlich noch ruhiger“. Interessant, interessant –  das mit dem Geröll mußte ich gleich mal auf der Großbaustelle bei meinen Eltern vor der Tür ausprobieren. Aufgrund der Streckenführung und einer gewissen Hemmschwelle brachte ich allerdings nicht viel zum wegspringen. Die Radexi ließ sich aber wirklich gut über die unbefestigte Baustraße bewegen und zur damaligen Zeit gab es ja noch wesentlich mehr unbefestigte Straßen in Deutschland als heute. Obwohl wir ja gerade auf dem besten Wege sind, zu den alten Zuständen zurückzukehren.

Perfekte Lösung

Die Radexi hat wahrscheinlich immer trocken gestanden und ist ordentlich gepflegt worden, aber es ist trotzdem erstaunlich und zeugt von guter Qualität, daß man ein fast fünfzig Jahre altes Motorrad bzw. Moped nur mal richtig säubern und korrekt einstellen muß, um es wieder alltagstauglich herzurichten. Ich denke, daß ich noch viele Kilometer mit ihr fahren werde und wenn der im Prospekt von damals angegebene Verbrauch von 1,5 Litern auch nur annähernd stimmt, habe ich für mich die perfekte Lösung für den innerstädtischen Individualverkehr gefunden.  

Text & Fotos: Dirk Bruchhausen