Triumph Street Triple 675

Triumph Street Triple 675


Rockzone

Her mit den kleinen Engländerinnen! Was vor einigen Jahrzehnten noch als frivoler Aufruf nach einem eher als schlüpfrig bekannt gewordenen Teenie-Film verstanden wurde, macht heutzutage einer super seriösen Devise Platz: Genetic Engineering by Triumph!

Die Mannen aus Hinckley in Great Britain praktizieren schon seit Jahren ihre effektive Art der Entwicklung und Serienfertigung ihrer traditionell dreizylindrigen Fahrmaschinen nach dem so genannten Baukastenprinzip. Vorhandene Teile kommen gleich mehrfach in verschiedenen Produkten zum Einsatz. Das erhöht den Beat, also die Schlagzahlen - und verringert damit sinnvoll und wirtschaftlich den Verkaufspreis. So auch bei der neuesten Erfindung seit es Triumph gibt, der Street Triple 675. Bereits Ende 2005, gleich nach dem Debüt der voll verkleideten, von der Pole Position aus äußerst erfolgreichen Daytona 675, schneiderten die wackeren Engländer an der nackten Version der kleinen Dreizylindrigen herum. Chassis-Komponenten aus dem derzeit leichtesten und dennoch belastbarsten Aluminium bekamen bereits in ihren Grundzügen ein makelloses Finish, ohne sichtbare Halterungen, so dass der wunderschön geformte Rahmen eins zu eins für die nackte Version übernommen werden konnte. Ebenso wie die grazile Schwinge, die im Reich der Zweiarmigen durchaus mit als die Schönste zu regieren vermag.

Scharfes Erbgut!

Die ebenso aggressiven wie einzigartige Schönheit vererbenden Gene aus der vollverkleideten Daytona und der grandios etablierten Straßenwaffe Speed Triple vereinen sich hier unter der kundigen Hand des Entwicklers zu einer agilen Kreation für jeden jemals erträumten Fahrzustand. Fass sie an, setz dich drauf, geh mit ihr spielen, wo immer du willst. Schau ihr gleich tief in die Augen, die auch schon der Speed Triple ihr eigensinniges Antlitz verleihen – dann schenke ihr reichlich ein. Du wirst es nicht bereuen! 106 PS bei 11.700 U/min mit einer Drehmoment-Fülle von 68 Nm bei 9.200 U/min sind die Orientierungsdaten, die der Konkurrenz im Mittelklasse-Segment schon zahlenmäßig Paroli bieten. Zudem lockt die Gewichtsangabe der bereits im Stand so grazil anzuschauenden Gestalt, dass die angegebenen 167 kg als Trockengewicht direkt glaubhaft, ja, figürlich wirken. Und nimmst du das erste Mal Tuchfühlung mit der Street Triple auf, wird dir die angenehme Sitzhöhe von nur 80 cm vertraut vorkommen wie deine Schlummerrolle. Nur, dass du hier nicht träumen willst sondern hier her gelangt bist, um all deine Träume endlich in vom Fahren faszinierte Taten umzusetzen.

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Gut und deshalb populär!

Den begeisterten Triumph-Anhängern und jenen, die es noch werden wollen, gaben sie die Street Triple, wie passend, hoch aus dem Himmel herkommend… Am Helikopter schwebte sie sanft gen Boden bei den Tridays im österreichischen Neukirchen Ende Juni. Dort fielen die Massen also gleich über sie her, nachdem all ihre Hüllen aus Tragriemen gefallen waren. Uns gaben sie das Live-Paket in seiner ganzen Schönheit aus Motorkraft, Elastizität und Leichtigkeit zu den Kurvenwindungen rund um den Gardasee. Mit Pässe rauf! Pässe wieder runter! Mit „Tornanten-Rausch“ in nicht mehr zählbarer Abfolge. Mit Steigungen inklusive Höhenkoller und Gipfelsturm. Mit Gefällestrecken bis zur Talsohle. Und ganz zum Schluss noch Regenschauer bis zur Visierblindheit, so, wie es sich für eine englische Fahrmaschine durchaus geziemt. Doch so sehr du auch am Kabel ziehst (Multipoint-Einspritzung, drei Drosselklappengehäuse, je 44 mm Durchmesser und drei Mehrloch-Einspritzventile) oder in die Eisen steigst (Nissin-Doppelscheiben mit Doppelkolben-Schwimmsätteln wie die Daytona), so heftig du die Street Triple in die Ecken feuerst (Frischluft via Kanal unterhalb der Scheinwerfer, direkt durch den Lenkkopf in die Airbox) und wieder heraus beschleunigst (Sensoren für Drosselklappen, Kurbelwellenposition, Gangwahl, Geschwindigkeit und mehr) - diese Maschine setzt all deine Gedanken eins zu eins in Leistungs-Impulse um, vermittelt dir den Grundgedanken des Motorradfahrens, frei von jeglichen Massenträgheiten. Und dann noch dieser SOUND!!!

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Der kommt wie eine Droge über dich. Ein Ansauggeräusch wie im Innenraum der Lotus Elise (auch so racy-english), wo dir der Mittelmotor direkt hinter den Nackenhaaren sitzt. Die stellen sich steil auf bei den unverwechselbar voluminösen Triple-Bässen – einfach betörend, was da aus den drei 225 cm³ großen Brennräumen des 675er Triebwerks an deine Gehörgänge dringt. Dabei produzieren die geringfügig zur Daytona geänderten Nockenwellenprofile die kampfbereiten Drehzahlen gleich tief im unteren Bereich, quasi aus der Gosse heraus - wie es der Straßenkämpfer so liebt, wenn er auf den japanischen Supersportler in seiner Lieblings-Applaus-Kurve trifft, um ihm da so richtig mit dem Dreizylinder-Kraftwerk den Marsch zu brüllen. Die edelstählernen Brülltüten im Heckbereich unterstreichen das Klangerlebnis fühlbar. Da leistet das Geschau der Speed Triple bereits seit 2004 ganze Arbeit am kurzen Heck. Für den Modifikanten gibt’s bei Triumph auch gleich einen einzelnen Klangkörper, um den dicht an die formschöne Schwinge zu pressen. Gleich, ob mit oder ohne Straßenzulassung. Von den eh nicht gerade reichlich vorhandenen Pfunden purzelt da noch einiges an Kilowerten. Die auch im edel gefalzten Zubehör-Bugspoiler noch lange nicht ihre Wiederkehr finden.

Kampfpreis!

Alles easy zu finanzieren bei dem unschlagbaren Kampfpreis für die Engländerin im Streit-Legal-Look: 7.350 Euro plus 250 Euro für die Überführung. Wenn das keine Ansage für die Konkurrenz ist… Stuntfahrer Kevin Carmichael drücken sie die originale 675er so nackig, wie sie erschaffen wurde, in die geschickten Hände. Noch während der nächste Regenschauer über uns hereinbricht, bricht der elastische Kevin auch noch die etwaig letzten Ressentiments gegenüber der Street Triple oder besser, die der eigenen Fähigkeiten. Er stellt die Engländerin quasi auf den Kopf oder den süßen Hintern, wie es ihm gerade gefällt. Selbst in diesen extremen Aggregatszuständen bewähren sich die montierten Dunlop-Reifen. Das steife und formschöne Fahrwerk spielt sowieso mit. Dagegen mutet unsere Pässe-Tour zur Eingewöhnung wie ein Kaffeekränzchen an. Dennoch, dass dieses Krad in jeder noch so abgedrehten Lebenslage rockt, durften wir am eigenen Leib intensiv verspüren. Eine überzeugende Fahrmaschine, die vom Anfänger bis zum Profi alle mit ihren Allround-Fähigkeiten begeistern wird. Dance, Darling!

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Text: Sabine Welte

Fotos: Welte/Werk