Triumph Speed Triple 1050

Triumph Speed Triple 1050


Flotter Dreier

Der erste Eindruck der Speed Triple bläht mir fast die Hose auf, so erotische Formen hat dieses Mopped

Einarmschwinge, Brückenrahmen, Doppelauspuffanlage unterm Heck ... „voll geil, ey“ würden wir hier im Ruhrpott sagen! Naja, gut sieht sie schon aus, aber ein Dreizylinder-Motor? Wat is dat denn, hat es für den vierten nicht mehr gereicht, oder was? Bis jetzt habe ich immer nur Zwei- oder Vierzylinder-Motoren gefahren. Ok, dann schauen wir mal was die drei Pötte so können. Die Papierform hört sich auf jeden Fall gut an: 130 PS, 105 Nm Drehmoment, 1.050 Kubik, Upside-Down-Gabel, Einspritzung, G-Kat und was weiß ich noch alles. Der Testride beginnt im Schwarzwald im Todtnauer Ferienland, genau die richtigen Straßen um den Triple auf Herz und Nieren zu checken. Leider waren wir allerdings mit einer geführten Tour unterwegs, bei der schnelles Fahren „out“ war. Immerhin fuhr unser Tourguide Max bei Regen genau so schnell wie bei Sonnenschein. Das war zwar etwas gewöhnungbedürftig, allerdings zirkelte der Triple extrem leicht um die Kurven, so dass ich keinerlei Mühen hatte dran zubleiben, egal welches Wetter im Schwarzwald war.

Stehen lernen

Nicht so schön hingegen ist der allzu leicht einklappende Seitenständer, mit welchem ich leider Bekanntschaft machen mußte als Kumpel Axel vor mir wegen zu langsamen Fahrens in Serpentinen abgestraft wurde. Da fuhr er nämlich mitsamt seinem feuerroten Spielmobil in Form einer FZ 750 in einen Graben. Tja Axel, lass Dir an dieser Stelle mal gesagt sein, Schräglage bei 0,001 km/h geht eben nicht! Angesichts dieses Unglücks stellte ich jedenfalls den Triple sofort an den Straßenrand auf dem Seitenständer ab, welcher aber gemeiner Weise auf der leicht abschüssigen Straße sofort wegklappte, die Triple noch ein Stückchen ohne mich weiterfuhr und das ganze Mopped dann auf der Schwarzwaldstraße lag. Zu zweit liegt´s es sich eben schöner. „Schön blöd“, dachte ich, „kann aber nicht viel Schaden haben“, redete ich mir ein, „war ja nicht so heftig, ist doch nur ein bißchen umgekippt.“ Weit gefehlt: Kupplungshebel abgebrochen, Motorspoiler verschrammt, Lenkerende verkratzt und der Motordeckel hat auch Macken, alles in allem ein deftiger Schaden. Vielleicht sollte man da doch mal in Sturzpads investieren, wenn man sich einen Triple zulegt. Hierbei soll Uli Bonsels von Triumph Deutschland nicht unerwähnt bleiben, der all die Schäden nur mit einem süffisanten Grinsen aufgenommen hat und umgehend Ersatz schickte, damit wir´s noch lernen – mit dem richtigen Abstellen. Ach so, Axel und seine FZ haben den Ausrutscher mit ein paar Kratzern am Auspuff auch überstanden. Das Schwarzwaldwetter verbesserte sich nicht gerade dramatisch, dafür waren die Partys abends klasse, nur so richtig testen konnte ich den Triple dort nicht, höchstens im Kolonnenfahren.

TriumphSpeedTriple1050_21

Ab geht die Reise

Zum Glück ging es eine Woche später dann noch in die Eifel zur Biker Szene Redaktionstour. Das Wetter war bestens, die Straßen klein und verwinkelt, bestes Testterrain für den schicken Triple von der Insel. Erstmal Gepäck aufschnallen, hmmm, geht gar nicht, die Auspuffanlage ist zwar schick aber die Krümmer sehr verwinkelt verlegt (schlecht für´s engagierte Putzen) und die Endtöpfe sind so hoch verlegt, dass weder Satteltaschen noch Koffer angebaut werden könnten. Meine Textilsatteltaschen vom Motorradgrossisten für 20 Euro würden dahinschmelzen wie Schokolade am Urlaubsstrand. Das Einzige was mir übrig bleibt, ist eine schmale Tasche auf der Sitzbank zu befestigen, dabei höllisch aufpassen, dass sie seitlich kein Stück über die Sitzbank herausragt, da sie sonst ein unschönes Brandloch vom Auspuff bekommen könnte. Oder einen Rucksack auf die vom Wind geplagten Schultern nehmen, schließlich hat der Triple kein Autobahn taugliches Windschild. Ich entscheide mich für die Tasche auf der Rückbank und komme damit gut in der Eifel an.

TriumphSpeedTriple1050_10

On the road

Am nächsten Tag ist es nur so ein Spaß die Triumph durch die Eifel zu bewegen, die Federung schluckt alle Unebenheiten der nicht ganz so gut asphaltierten Straßen weg, der Motor zieht trotz „fehlendem“ vierten Zylinder sauber und ruckfrei aus dem Standgas hoch. Der Motor scheint eine gelungene Mischung aus Zwei- und Vierzylinder-Motor zu sein. Drehmomente wie ein Twin, gepaart mit der Laufkultur eines Vierers. Der Sound ist heiser und bärig, fast schon turbinenartig läuft der Triple, einfach klasse! Die Stopper sind über jede Kritik erhaben und verzögern die Fuhre bei Bedarf in Windeseile. Nur als der nutzlose Redaktionsfuzzi Pabi auf die Idee kam die Triumph mit WD-40 zu reinigen (für sich genommen eine gute Idee – Anm. d. Red.) und dabei ganz gewissenhaft die Bremsscheiben mit einsprühte, war es mit der Verzögerung für einige Zeit nicht mehr weit her. Aber egal, wer bremst verliert! Die Sitzposition ist bei dem Triple allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, die Knie sind stark angewinkelt und durch die hinten angeschrägte Sitzbank rutscht man immer etwas zum Tank hin, sportlich eben. Dem Rutschen kann natürlich durch kräftiges Gasgeben entgegen gewirkt werden, dann werden nämlich die Arme lang und wenn man beim Triple nicht aufpasst steuert das Vorderrad dem Himmel entgegen. Auch bei der Ausstattung wurde nicht gespart: G-Kat, Einspritzanlage, Einarmschwinge sind an Board, nur die Lenkerschalter und der Bremsflüssigkeitsbehälter hätten bei so einem Streetfighter von der Stange eine etwas höherwertige Optik verdient. Die Instrumente, als da wären Kombiinstrument mit analogem Drehzahlmesser und LCD-Tacho, sind gut ablesbar und geben keine Rätsel auf, nur eine richtige Tankanzeige hätte ich mir noch gewünscht, da die Reserveleuchte meiner Meinung nach sehr früh aufleuchtet. Alles in allem ist den Triumphtechnikern ein tolles Bike gelungen, das handlich zu fahren ist und mit einer echt geilen Optik, guter Ausstattung mit Abstrichen in der B-Note für den hinterhältigen Seitenständer, und einem tollen Motor aufwartet.

TriumphSpeedTriple1050_6

Weitere Testberichte Triumph Naked Bike

Triumph Scrambler

Triumph Street Triple R

Triumph Thruxton 900

Triumph Speed Triple

Ähnliche Testberichte Naked Bike

Buell X1 Lightning

Ducati Sport 1000

Honda CB 1000 R

Text: Don Jupp

Fotos: pabi, Welte